Skip to main content

Full text of "Der Kinematograph (November 1923)"

See other formats


17. Jahrgang 


August Scherl G. m. b. H„ Berlin SW 68 


Nummer 872 






















RASKOINIKOW 

11*1 URTEII DER DRESSE 



VERLEIH: BAYERISCHE FILM-GES 

LIONARDO-FILM DER 

NEUMANN PRODUKTION 




































































17. Jahrgang, Nr. 872 


Berlin, 4 November 1923 




Aufstieg oder Niedergang? 

Wirtschaftspolitische Randbemerkungen von A r o s. 


D er Filmmultiplikator hat die Milliarde überschritten. 

Aus New York meldet man den Dollar mit rund ein¬ 
einhalb Billionen. Das Wirtschaftsbarometer schwankt ge¬ 
waltig hin und her und mit ihm die Stimmung der 
Industriellen in allen Lagern. 

Man könnte verstehen, w 
einen Stellungswech¬ 
sel vornimmt, wenn er 
zumindest anstelle des 
Wagemuts, den gerade 
die deutsche Film¬ 
fabrikation immer ge¬ 
zeigt hat. die Zurück¬ 
haltung tritt. Glück¬ 
licherweise haben sich 
die meisten fabrizie¬ 
renden Firmen recht 
zeitig auf die tollen 
Sprünge der Mark ein¬ 
gestellt. Sie haben 
ihre Kapitalien recht¬ 
zeitig wertbeständig 
angelegt und regulie¬ 
ren die wichtigsten 
Rechnungen ebenfalls 
in wertbeständiger und 
darum konstanter 
Form. 

Die Voraussetzun¬ 
gen für die Steigerung 
der Fabrikation sind 
also absolut gegeben. 

Man fabriziert in Ber¬ 
lin letzten Endes, 
wenn auch nicht billi¬ 
ger, so doch nicht teu¬ 
rer als an anderen 
Stätten, wo das 
belichtete Celluloid 
durch den Aufnalune- 
apparat rollt. 

Gewisse Gefahren 
allerdings müssen mög¬ 
lichst schnell aus¬ 
geschaltet werden, vor 
allen Dingen die Ge¬ 
fahren, die dem Film¬ 
fabrikanten von der 
Seite aus drohen, die 
eigentlich an der Auf¬ 
rechterhaltung der Fa¬ 
brikation in Deutsch¬ 
land das größte Inter¬ 
esse hätte. 


Die Schauspieler nämlich fangen wieder einmal an, in 
bezug auf ihre Forderungen, man möchte beinahe sagen, 
größenwahnsinnig zu werden. 

Herrschaften, die am Theater gern für eine oder zwei 
Mindestgagen den Monat arbeiten, verlangen zehnfache 
Beträge für einen einzigen Tag. Sie verlangen nicht nur 
diese Riesensummen 
sondern bekommen 
Wutanfälle, wenn man 
von ihnen verlangt, 
daß sie sich von 
Johannisthal oder von 
Weißensee aus mit 
Straßen- oder Stadt¬ 
bahn nach Hause be¬ 
geben sollen. 

Wir haben noch 
nie gehört, daß Rein¬ 
hardt oder Barnowsky 
seinem Schauspieler 
das Auto vor die Tür 
schickt, damit er ins 
Theater oder zur 
Probe kommt. 

Es ist uns wohl um¬ 
gekehrt bekannt, daß 
sich sogar sehr promi¬ 
nente und beliebte Dar¬ 
steller nach der Probe, 
die oft bis zwei oder 
drei Uhr nachts dau¬ 
erte, entweder auf 
eigene Kosten ein Auto 
nahmen oder aber, daß 
sie per pedes aposto- 
lorum ihre Wohnung 
aufsuchten, ganz gleich, 
ob sie zehn Minuten 
oder zwei Stunden 
Wegs hatten. 

Man verstehe rich¬ 
tig. Daß man dem Star 
die Atelierarbeit so 
leicht wie möglich 
macht, ist selbstver¬ 
ständlich. Aber daß 
den Darsteller 
einer Chargenrolle mit 
dem Auto in die Stadt 
befördern soll, weil 
er vielleicht nach¬ 
mittags im Kabarett 
aufzutreten hat, das 






Seite 2 




Nummer 872 


ist etwas, was zu weit geht. Wenn es geschieht, muß es 
dankbar als besonderes Entgegenkommen der Herstellungs¬ 
firma angesehen werden. Die kleinen und mittleren Schau¬ 
spieler aber glauben, derartige Dinge fordern zu müssen — 
fordern zu müssen mit jenem kategorischen Imperativ, den 
man in einer primitiven Ausdrucksweise „Umschlag¬ 
machen" nennt. 

Bedauerlich ist es allerdings, daß man noch nicht zu 
einer generellen Regelung der (lagen gekommen ist, daß 
es vor allen Dingen kein Mat! für Filmgagen für die 
Solisten gibt, so daß man im wahren Sinne des Wortes 
von „maßlosen Forderungen" und „maßlosen Bedingungen" 
sprechen kann. 

Es ist in der letzten Zeit mehrfach vorgekommen, daß 
man die Zahlung in Papiermark einfach zurückgewiesen 
hat, weif man die Bemessung der Bezahlung an Hand des 
Kursstandes irgendeines wertbeständigen Zahlungsmittels 
verwechselt mit der Auszahlungsform. 

Es gibt nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft, 
hochtalentierte Arbeiter, qualifizierte Kräfte, die froh sein 
würden, wenn sie in der Woche einen Teil von dem in 
Papiermark erhielten, was die Filmschauspieler verlangen. 

Man verweist so gern auf das Beispiel Amerikas, die 
Riesengagen, die Baby Peggy, Jackie Coogan oder Norma 
Talmadge bekommen. Man vergißt, daß der größte Teil 
dieser Zahlen, der durch die Presse geht, „Dichtung" und 
nur zum allergeringsten Teil „Wahrheit" ist. 

Diese Zahlen werden meist nur aus dem Grunde lanziert, 
weil sie das große Publikum interessieren und darum eine 
ausgezeichnete Reklame darstellen. 

Wir sind überzeugt, daß eine Veröffentlichung von deut¬ 
schen Filmschauspielergagen ohne Reklameabrundung nach 
oben, in vieler Beziehung Sensation machen würde. Aber 
wir wollen die Herrschaften nicht in Verlegenheit bringen, 
schon aus dem sehr einfachen Grunde nicht, weil die 
Finanzämter bereits heute von der Bezahlung von Film¬ 
stars und von dem Verdienst von Filmindustriellen 
Anschauungen haben, die manchmal nicht nur die kühnsten 
Erwartungen der Betroffenen, sondern sogar die Forde¬ 
rungen der Beteiligten weit übersteigen. 

Allerdings ist die Frage „Aufstieg oder Niedergang?" 
von den Schauspielergagen allein nicht abhängig. Sie wird 
mit entschieden von der richtigen Einstellung der Fabri¬ 
kation überhaupt. 

Es ist an sich jetzt keine Zeit zu kostspieligen Experi¬ 
menten. Alles, was produziert wird, muß vom Gesichts¬ 
winkel des internationalen Geschäfts aus gesehen werden. 
Das ist an sich oedauerlich, weil wir nur durch künst¬ 
lerische Experimente der Vervollkommnung näher¬ 
kommen. Aber heute darf kein Geld in derartige Dinge 
gesteckt werden, weil das Geld so knapp und rar ist wie 
nie zuvor, und weil vor allem ungeheure Reserven not¬ 
wendig sind, um überhaupt ein Fabrikationsrisiko ein- 
gehen zu können 

Erfreulicherweise zeigt ja die deutsche Produktion in 
der letzten Zeit, daß man diesen Grundsatz fast überall 
zur Anwendung bringt. 

Aus allen Ländern, auch aus England und Amerika, 
häufen sich die Erfolgsmeldungen, nicht nur die Erfolgs¬ 
meldungen von den Pressevorstellungen, sondern auch die 
Bestätigungen durch die Kassenberichte der Verleiher und 
Fabrikanten. 

Diesen Aufstieg wird niemand hindern können. Er ift 
unabhängig davon, ob uns die Franzosen zu einem Kon¬ 
greß einladen, oder ob uns ein Amerikaner bei irgend¬ 
einer internationalen Konferenz hinzuzieht. Dieser Auf¬ 
stieg wird unaufhaltsam weiter gehen, wenn wir es ver¬ 
stehen, unsere Ware dem internationalen Geschmack an¬ 
zupassen und wenn wir darüber hinaus in der richtigen 
Weise für uns im Ausland Stimmung machen. 


Es genügt nicht allein, einen Film für Amerika zu ver¬ 
kaufen, sondern es ist vielleicht jetzt im Anfang viel 
wichtiger, ihn drüben richtig herauszubringen. 

Die Besuche prominenter deutscher Darsteller und 
Regisseure in London, Paris oder Wien wirken mehr als 
alle Verkäufe, die je nach diesen Ländern getätigt wurden. 

Wir sind in Deutschland zurzeit das führende Filmland 
Europas. Technisch ist uns in bezug auf Atelier und Be¬ 
leuchtungspark höchstens Amerika überlegen. Aber wir 
dürfen nicht Stillstehen. In Rom zum Beispiel bereiten 
sich langsam interessante Dinge vor, die von uns genau 
studiert werden müsen. 

Amerikanische Gruppen mit allerersten Darstellern, 
führende englische Filmindustrielle projektieren Riesen¬ 
bauten. 

Man will die Vorzüge des italienischen Himmels mit 
denen der vollendeten amerikanischen Beleuchtungstechnik 
vereinen. 

Man unterschätze diese Dinge nicht. Kein Geringerer 
als Emil Jannings sieht dort unten ein italienisches Los 
Angeles erstehen. 

Wir brauchen die italienische Konkurrenz nicht zu 
fürchten, denn wir glauben, daß der deutsche Film, 
qualitativ betrachtet, sich im Stadium des Aufstiegs be¬ 
findet. 

Wir haben nichts zu fürchten, aber wir müssen eine 
Position verteidigen, und eine Verteidigung ist dann be¬ 
sonders wirksam, wenn man möglichs früh beginnt, damit 
man in der Offensive ist. 

Vielleicht ist es heute noch zu früh, vielleicht aber 
morgen schon zu spät. Die Lösung des ganzen Problems 
wird davon abhängen, ob wir es verstehen, die Augen 
genau so offen zu halten, wie das in der Fabrikation be¬ 
sonders sehr viele Leute mit den Händen glänzend ver¬ 
stehen. 

Wir sollen weder nach Amerika noch nach Italien 
schielen, sondern sollen Filme nach unserer Individualität 
machen, mit deutscher Gründlichkeit in kultureller Hin¬ 
sicht und in bezug auf die Ausstattung. Wir dürfen nicht 
nachahmen, sondern müssen frei erfindend und frei 
schaffend uns bemühen. Filme zu formen, die das Interesse 
des Weltpublikums finden. 

Die klare Erkenntnis dessen, was Weltgeschmack ist,* ist 
leider bei uns noch nicht überall vorhanden. Wir glauben, 
das Kino im Ausland durch die Literatur erobern zu 
können. Man hat aber heute e ; ngesehen, daß das nicht 
möglich ist, und unsere Bilder können Niveau haben, aber 
sie können nie Spiegel der extremen jungen literarischen 
Richtungen sein. 

Der Film ist ein Mittel der Unterhaltung. Das Kino eine 
Stätte der Erholung und Ablenkung, ein Mittelding 
zwischen Operette und Variete, nur mit dem Unterschied, 
daß diese Unterhaltung stofflich sich auf dem Niveau des 
guten Unterhaltungsromans bewegt. 

Für ein erfolgreiches Publikumstück gelten dieselben 
Voraussetzungen, wie für den Unterhaltungsroman, der für 
die Eisenbahn und für den Nachttisch bestimmt ist. 

Man will angeregt, aber nicht geistig stark beschäftigt 
werden. Der Vorwurf soll fesselnd, spannend und originell 
sein, aber die Probleme sollen nicht allzusehr den Geist 
zu eigener Arbeit anspannen. 

Das mag, wie schon immer hier betont ist, für viele be¬ 
dauerlich sein, aber es ist nun einmal wahr, und die 
richtige Erkenntnis gerade dieser Tatsache entscheidet 
letzten Endes die Frage, ob die deutsche Filmindustrie 
weiter emporsteigt, oder ob sie untergeht. 



Nummer 872 


Ott JUnem a togtopfj 


Seite 3 


Rheinische 


\T on einem prominenten Lichtspieltheaterbesitzer aus 
’ Trier erhalten wir folgende Zuschrift, der wir aus Loyali¬ 
tätsgründen Raum geben, ohne uns mit ihr identifizieren zu 
wollen. Die darin erhobenen Angriffe gegen die hohen 
Grundpreise erscheinen in Einzelfällen einer gewissen Be¬ 
rechtigung nicht zu entbehren, wenn auch berücksichtigt 
werden muß, daß die Produktionskosten auf dem Welt¬ 
markt gegenüber der Vorkriegszeit um ca. 80 Prozent 
gestiegen sind und besonders die Filmproduktion infolge 
der technischen Verbesserungen und der dadurch be¬ 
dingten erhöhten Kapitalinvestierung ganz bedeutend die 
Friedenssätze übersteigen muß. Eine Reihe von Produk¬ 
tionsfaktoren wie z. B. Löhne und Gehälter sind viel¬ 
leicht geeignet, die Gestehungskosten etwas zu mindern, 
keineswegs aber so weit, daß die Filmmiete, in Goldmark 
berechnet, unter ihrem Friedensstandard liegen könnte. 
Der Brief, den wir infolgedessen nur mit Vorbehalt wie¬ 
dergeben, lautet: 

„Es war vorauszusehen, daß infolge der andauernden 
steigenden, ja unerschwinglichen Leihpreise für die Filme 
im Rheinland cs zu einer Katastrophe kommen muß. Die 
Theaterbesitzer stehen am Rande ihrer Leistungsfähigkeit, 
sie können die unerschwinglich hohen Leihpreise nicht mehr 
zahlen und schließen eher ihre Theater, als daß sie sich 
langsam aber sicher den Selbsttod geben. Woher das kommt, 
dürfte ein jeder wohl wissen. Die diktatorischen Maßnahmen 
in Berlin vom grünen Verleihertisch aus, den Rheinischen 
Theaterbesitzer wie eine Zitrone auszupressen, wird sich 
bitter rächen. Gleich den früheren Regierungen und auch 
der jetzigen, alles nur aus dem Rheinland herauszuholen, hat 
ein Ende erreicht. Wenn man hört, wie der eine ode- andere 
Verleiher prahlt, das habe ich da herausgeholt, das habe ich 
hier herausgeholt. Wenn der eine oder andere Verleiher 
das alte vergessene System des Ausbcutens der Leihpreise 
durch Hercinholcn von Verträgen hier und dort an wendet und 
sich dann das Beste davon erwählt, so wird man gegenüber 
dem Verleiher genau so mißtrauisch, wie man es einer preußi¬ 
schen Regierung gegenüber geworden ist. Daß hier eine Ände¬ 
rung kommen muß, bedarf keiner Debatte. Unerhört ist es 
aber, wenn man feststcllen muß. daß gerade im Rheinland von 
den schwer geprüften Kollegen Leihpreise erpreßt worden sind, 
die das drei- bis sechsfache der übrigen Vcr'.cihbezirke im 
Deutschen Reich übertrifft. Und hier schreit der Verleiher: 
Erhöht eure Eintrittspreise! Alles geh! nur bis zu einer ge¬ 
wissen Grenze. Nirgendwo im ganzen Deutschen Reich sind 
die Eintrittspreise so hoch, notgedrungen so hochgesrhraubt 
worden wie bei uns. so daß wir am Ende angelangt sind. 
Die Logenbesucher bleiben fast ganz aus, die Ersten- 
Platz-Besucher sind dünn gesät, der Zweite Platz füllt 
sich von der Abwanderung des ersten, und der Dritte 
Platz läßt auch zu wünschen übrig. Wenn man be¬ 
rücksichtigt, daß man von kleinen Theatern mit einem 
Grundpreis von 10 000 Mark anfängt und dann höher geht, 
so ist es leicht, die Endsummen herauszuholen, die ein 
Programm für eine halbe Woche ausmacht. Hinzu kommen 


Wünsche 


dann die enormen Löhne, die höher stehen als im übrigen 
Deutschland. Wenn ein Musiker in einem kleinen Platz heute 
pro Tag 80 bis 100 Milliarden und mehr erhält, kann man 
auf das übrige Personal das weitere sich selbst kalkulieren. 
Dazu sind die rheinischen Kollegen noch in die unangenehme 
Lage versetzt, ihre Filme bei der Zentrale selbst zu holen. 
Das einzige, was hier geschehen kann, um die Katastrophe 
eventuell aufzuhaltcn. ist: Ermäßigung aller Grund¬ 
preise bis auf die Hälfte. Und dann wäre den 
Verleihern zu empfehlen, auch in ihren Betrieben Opfer zu 
bringen. Die erzielte Ersparnis kann man dann dem Grund¬ 
preis zugute kommen lassen. Die Not, durch die oben 
erwähnten Verhältnisse heraufbeschworen, und die überspann¬ 
ten Preise zwingen letzten Endes den rheinischn Theater¬ 
besitzer. sich mit den Straßburger Verleihern in Verbindung 
zu setzen. Denn nichts lieber ist ja der Rheinlandkommission, 
als wenn Herren dieserhalb vorstellig werden. Es paßt so recht 
■n die derzeitige Stimmung hinein. Wie ich erfahre, sind 
schon solche Schritte unternommen worden. Die Frucht 
beginnt bereits zu reifen, und man darf sich nicht wundem, 
wenn die Berliner Firmen und ihre Vertreter in Düsseldorf 
vor die Tatsache gestellt werden, daß sie im Rheinland aus¬ 
geschaltet und alle Verträge über den Haufen geworfen werden 
Die Fälle sind schon gerichtlich erwiesen. Das deutsche 
Recht gilt nicht mehr viel hier in Rheinland, wenn etwas 
aus Straßburg kommt, insbesondere, wenn man darum 
gebeten hat." 


Daß in Einzclfällen die Beschwerden nicht nur der 
rheinischen, sondern auch der Theaterbesitzer des übrigen 
Deutschland nicht ganz unberechtigt sind, haben wir in 
der Einleitung zugegeben. 

Auf keinen Fall können wir aber die Drohung billigen, 
welche darin besteht, sich bei einem Nichtfügen des Zen¬ 
tralverbandes nach Frankreich hin zu orientieren. 


Wir können aus diesem Grunde auch nicht die Bestrebun¬ 
gen innerhalb des Zentralverbandes im gegenwärtigen 
Augenblick gutheißen, welche den Theaterbesitzern des 
besetzten Gebietes die bisherige Ermäßigung von 10 Pro¬ 
zent, die ihnen in Anbetracht der politischen und wirt¬ 
schaftlichen Verhältnisse gewährt worden war, wieder ent¬ 
ziehen will, um so weniger, als die Wirtschaftspolitik 
Frankreichs einen Keil zwischen das besetzte und unbe¬ 
setzte Gebiet legen will. 

Selbstverständlich stehen wir, soweit es sich um ein¬ 
zelne Auswüchse in der Preispolitik einzelner Ver¬ 
leiher handelt, vollständig auf seiten der Theater¬ 
besitzer. Keinesfalls darf das aber dazu führen, 
daß die Theaterbesitzer Rheinlands und Westfalens 
das Kind mit dem Bade ausschütten und einen 
Bezug deutscher Filme ablehnen, weil ihnen die Preis¬ 
politik des Zentralverbandes, die durch die wirtschaft¬ 
lichen Verhältnisse bedingt ist, nicht zusagt. 


Ein politisches Filmverbot 


Cine sehr interessante Entscheidung fällte die Film-Ober- 

' prüfsteile über den Problem-Film „Das Totenmahl auf 
Schloß Begalitza", dessen öffentliche Vorführung wegen 
Gefährdung der Beziehungen Deutschlands zur Türkei ver¬ 
boten wurde. Aus dem Urteil führen wir folgende 
Sätze an: 

Der Inhalt des Films „Das Totenmahl auf Schloß 
Begalitza" lehnt sich an die bekannte Novelle von 
Heinrich Kleist „Die Marquise von O.“ an, jedoch wird 
die Handlung auf den Balkan verlegt. Die Vorentschei¬ 
dung hatte diesem Film die Zulassung versagt, weil 
er nach dem Gutachten des Auswärtigen Amtes geeignet 
sei, die Beziehungen Deutschlands zu einem auswärtigen 
Staat, nämlich der Türkei, zu gefährden. Die Film-Ober¬ 
prüfstelle hat die gegen diese Entscheidung eingelegte 
Beschwerde zurückgewiesen. Es war festzustellen, daß 
die herstcliende Gesellschaft keineswegs die Absicht hatte, 


durch diesen Film das Nationalbewußtsein der Türkei zu 
verletzen; es war auch festzustellen, daß der deutsche 
Beschauer eine Kränkung dieses Nationalbewußtseins nicht 
erkennen wird, daß der deutsche Beschauer überhaupt 
nicht in der Lage ist, den geschichtlichen und politischen 
Hintergrund der Handlung zu deuten. Nach dem Gut¬ 
achten des Auswärtigen Amtes aber, und nach den Er¬ 
klärungen hervorragender Mitglieder der türkischen Kom¬ 
mission in Berlin, ist für jeden Türken deutlich erkennbar, 
daß der Film den serbisch-türkischen Krieg schildert, daß 
der feindliche Machthaber der türkische Sultan ist. daß 
die Filmhandlung für die Serben Partei nimmt, daß die 
Schilderung der türkischen Hofhaltung, die Darstellung der 
Eunuchen und ähnliches für die Türkei eine schwere Krän¬ 
kung bedeuten muß, deren Auswirkung eine Gefährdung 
der Beziehungen Deutschlands zur Türkei nach sich ziehen 
würde. 



Seite 4 


Nummer 872 


Niedergang des Lustspiels 

Von Ernst Ulitzsch. 


\/¥>t dem Lustspiel errang die junge kincmatographische 
■i-Vl Kunst die ersten Erfolge. Es waren die komischen 
Szenen, die die Zuschauer anlozkten und vor das Bild 
führten, dessen technische Mäng.-l unter der Droleric der 
Vorgänge vergessen wurden. /vis sich dann die Kine¬ 
matographie so weit entwickelt hatte, daß sie als „Licht¬ 
spiel" angesprochen werden konnte, begann jener erfreu¬ 
liche Aufstieg der heiteren Filme, der schließlich zu den 
Gipfeln des „Erotikon" und der . Puppe" führte. Komiker 
waren es, die zu Anfang den Erfolg des komischen Filmes 
getragen hatten. Komiker, die eigentlich Possen aus den 
Stoffen machten und unter denen Max Linder und Tom- 
Princc sehr schnell zu Weltruhm gelangten, während der 
Däne Stricboldt mit dem Niedergang der dänischen Film¬ 
produktion kinematographisch nirht zur Entwicklung ge¬ 
langte. Es ist bemerkenswert, daß die Kinoposse in 
Deutschland zum Lustspiel umgebildet wurde — und man 
darf nicht vergessen, daß Franz Hofers „Rosa Pantöffel¬ 
chen" hier am Anfang steht. Hofer fand freilich, was bis 
dahin noch keinem Regisseur geglückt war, ein junges 
Lustspieltalent, die leider so kurzlebige Dorrit Weixler, 
die erste weibliche Kraft neben all den Männern, die um 
die Gunst rangen, dts Publikum in Lachkrämpfe zu ver¬ 
setzen. Etwas später glückte die Entdeckung der Ossi 
Oswalda, die in Lubitschs großer Lustspielzeit ihre ersten 
Erfolge einheimsen konnte. Amerika hat nur. neben den 
vielen männlichen Komikern, Viola Dana als heitere 
Schauspielerin aufzuweisen, was nicht überrascht, denn 
die Groteske ist dem Clown Vorbehalten, mag er nun 
philosophisch, wie Chaplin, oder rüde, wie Fatty, sein. 
Die Frauen, die in den amerikanischen Grotesken mit- 
wirken, gehören teils in das Fach der „komischen Alten", 
die nicht vorhandene Lustigkeit durch Äußerlichkeiten 
forcieren, oder in das Fach der Liebhaberin oder nir¬ 
gends wohin, wie etwa Bebe Daniels, die keine Schau¬ 
spielerin, sondern lediglich ein hübsches Mädchen ist. 

Wenn man die Lustspiele der Weltliteratur den Dramen 
gegenüberstellt, so sinkt ihre stattliche Zahl zu einem ver¬ 
schwindenden Häufchen zusammen. Immer war Humor 
eine seltene Angelegenheit, den viele der größten Geister 
nicht besaßen. Es wäre daher unbillig, ihn von den Film¬ 
leuten gehäuft zu verlangen. Der Humor des Lustspiels 
oder der Komödie muß sich auf einer satirischen Schilde¬ 
rung einer gewissen Gesellschaftsschicht aufbauen. Die 
Lustspiele, mit denen Lubitsch die Aufmerksamkeit auf 
sich zt, lenken wußte, waren Vcrulkungcn der jüdischen 
Bourgeoisie, aber auch der gesamten Geschäftswelt, deren 
Machinationen in leichter Verstärkung den Stempel sati¬ 
rischen Tuns erhielten. Es wurde das Ethos gepredigt, 
daß es noch andere Mächte als das Geld gebe, vor dem 
die Welt der Konfektion und des Großhandels bewundernd 
im Staube lag — und das eine andere Macht vor allem 
das populäre Gefühl der Liebe sei. Das war eine sati¬ 
rische Gesellschaftsschilderung, eine Ironisierung der 
Ideale, die nur nach Äußerlichkeiten streben. Es war aber 
auch die Grenze, die die Bildsprache des Filmes hier nach 
dem Komödienhaften abstecken kann. Denn humoristisch 
sind — und das ist eine Schwäche des Humors — eigent¬ 
lich nur kleine Leute, jedenfalls Menschen, die sich gegen 
die Konvention auflehnen oder gar nichts von ihr wissen. 
Man beachte das Milieu, in dem die amerikanischen 
Grotesken vor sich gehen, es ist niemals die große Welt. 
Wenn aber Chaplin in diese hineinjagt, so liegt das 
Komische lediglich im Kontrast der Sitten Chaplins und 
jener amerikanischen Gesellschaft, die zu jung ist, um be¬ 
reits feste Konventionen zu haben. Auf europäische Ver¬ 


hältnisse lassen sich diese Sprünge einer übertollen Laune 
nicht übertragen, weil bei uns der Boden fehlt, auf dem 
sie glaubwürdig crwacnsen würden. Die Sprechbühne ist 
sich dieses Mankos des Humors schon seit langem be¬ 
wußt; sie schuf daher, um auf das Milieu der Gesellschaft 
nicht zu verzichten, die Konversationskomödie. Hier liegt 
der Witz nicht mehr in der Situation, sondern im Dialog, 
der scharf geschliffen zwischen den Personen einherfliegt. 
Leider ist diese sehr amüsante Abart nicht zu verfilmen, 
denn der Witz müßte völlig in die Zwischentitel gelegt 
werden. Man hat dies getan und die Bilder nur noch als 
Illustrationen der Zwischentexte gestellt — ohne damit Er¬ 
folg zu haben, denn Film ist vor allem Bild und der Titel 
nicht mehr als die Unterschrift, die wohl verstärken, aber 
nicht für sich allein stehen darf. 

Das Lustspiel ging zurück, weil es sich aus der Sphäre 
des Antikonventionellcn, in der es allein existieren kann, 
in die Region der Konvention verirrte. Leider geht das 
auf Kosten des Humors, den auch die schönste Milieu¬ 
schilderung des großen Reichtums nicht ersetzen kann. 
Es gibt nun einmal keine humoristischen Barone, während 
es humoristische Diener gibt, und die Welt des Salons 
erschließt sich nur dann dem Humor, wenn man sie durch 
ein Schlüsselloch betrachtet. Man hat zur Entschuldigung 
des geringen Filmhumors nicht selten angeführt, daß die 
Zahl der humoristischen Situationen beschränkt sei. Aber 
Gärard de Nerval hat mit Scharfsinn erwiesen, daß es 
überhaupt nur siebenundzwanzig dramatische Situationen 
gibt, daß aber jede davon auch humoristisch sein kann. 
Es kommt lediglich auf die Einstellung an. Wer offen die 
Konvention bejaht, kann nicht humoristisch wirken; der 
Humor muß notgedrungen verneinen, sei es nun durch 
Übertreibung oder Verkleinerung. Es kommt beim Film- 
lustspiel darauf an, daß der Regisseur nicht nur die Komik 
der Situation, sondern auch bie Tragik der handelnden 
Personen erfaßt. Weil dieser letzte Zug in den ameri¬ 
kanischen Grotesken fehlt und der Fußballhumor zu stark 
durch die Szenen trampelt, deshalb wirken mehrere hinter¬ 
einander unausstehlich. Diese leise Tragik ist dem Re¬ 
gisseur Christensen im 2. Teil seines Filmes „Meine Frau 
— die Unbekannte" nicht übel gelungen, wenn er auch 
noch nicht den abschließenden Stil für das neue Lust¬ 
spiel fand. 

Die große Verarmung des Filmsp.elplanes an Lustspielen 
wird einem erst klar, wenn man bedenki. daß die vorige 
Saison nur zwei einwandfreie Lustspiele hervorbrachte, 
von denen Bergers „Glas Wasser" noch dazu Kostüm¬ 
komödie war. Dieser offenkundige Niedergang kann erst 
dann wieder behoben werden, wenn Regisseure, Autoren 
und Stars den Ehrgeiz des filmisch nicht möglichen Salon- 
Lustspieles ablegen. 

Bis dahin wird allerdings noch eine gewisse Zeit ver¬ 
gehen. denn das Milieu des Salons ist zu beliebt, als daß 
cs schnell aufgegeben werden sollte, zudem es mit seinen 
prunkvollen Äußerlichkeiten die Aufmerksamkeit von 
dem Inhalt abzulenkcn pflegt und daher eine dünne 
Handlung wattiert. Aber eine neue dänische Lustspiel¬ 
serie vermengt geschickt die beiden konträren Welten. Es 
ist dies die von Lau Lauritzen inszenierte Serie der Pat- 
und Patachen-Lustspiele. Dramaturgisch ist an ihnen sehr 
viel auszusetzen, die Manuskripte ermangeln der Ge¬ 
schlossenheit und verkoppeln die verschiedenen Wir¬ 
kungen nicht immer sehr geschickt. Aber es dringt dank 
der Komikerbegabung des seltsamen Paares so viel Humor 
aus ihnen, daß sie einer besonderen Betrachtung ge¬ 
würdigt werden sollen. 



Nummer 872 


Zier Rmcmotagtaiifi 


Seite 5 





Das alte Gesetz 


Fabrikat: Comedia-Film 

Regie : E. A. Dupont 

Manuskript: Paul Reno 

Hauptrollen : Henny Porten. Ernst Deutsch. 

Alice Hechy. Ruth Weyher 

Ein ausgesprochener Publikumsfilm 

D as Grundmotiv ist nicht neu. Hs brachte vor Jahren 
Rudolf Meiner! und Bernd Aldor einen unerhörten Er¬ 
folg. Es ist gewissermaßen eine Neuauflage von „Glaubens- 
ketten", aber verfeinert, vertieft. Kein Plagiat, sondern 
nur eine Variation, keine Nachahmung, sondern eine 
eigentümliche, wertvolle, originale Leistung E. A. Duponts. 

Die Geschichte vom Rabbiner, der Schauspieler werden 
will, der das Ghetto gegen den Willen des Vaters verläßt 
und durch die Protektion der Erzherzogin Elisabeth 
Theresia Burgschauspieler und durch sein Talent c n ganz 
großer Mann wird. 

Der alte Rabbi wird schließlich dahin gebracht, sich 
seinen Sohn einmal auf der Bühne anzusehen. Nach 
langer Überwindung entschließt er sich zu der weiten 
Reise. Die Kunst siegt. Der Alte schließt sc ner Sohn 
gerührt in die Arme, weil er erkennt, daß die Stimme des 
Herzens manchmal bei auserwählten Menschen stärker ist 
als das alte, unüberwind¬ 
lich scheinende Gesetz. 

Dupont hat den Film 
ganz auf Kontraste ge¬ 
stellt. Neben dem klei¬ 
nen russischen Getto 
steht das entzückende, 
liebenswürdige, lächelnde 
und tanzende Alt-Wien. 

Dadurch ergeben sich im 
einzelnen unendlich viele 
Möglichkeiten. 

Der junge Baruch spielt 
seine erste große Rolle 
am Vorabend des Ver¬ 
söhnungstages. Während 
unten an der russischen 
Grenze die Kerzen zum 


't'/r' S 


Photographie : Theodor Sparkuhl 
Bauten : Alfred Junge 

Länge : 3028 Meter (7 Akte) 

Vertrieb : Lloyd-Film 

Uraufführung: Marmorhaus 

von bestem künstlerischen Niveau 

Gebet entzündet werden, müht sich der Beleuchter im 
Wiener Burgtheater um den riesigen Kronleuchter, und 
während die Judengemeinde, entzückt und ergriffen, 
heißer und inniger als an jedem anderen Tag zu Gott 
fleht, bringt man in Wien dem jungen Schauspieler, der 
duich seinen Hamlet die Herzen bezwang, begeisterte, 
endlose Ovationen. 

Diese Kontraste im kleinen sind du-ch das Ganze ge¬ 
streut. Da sind entzückende Ep:sodi n in der Wandcr- 
schmiere. Nach der Vorstellung macht ein Kavalier Witze 
über den Romeo mit den Hängelöckchen und ist begeistert 
für die Julia, die er in das Separe einlädt. Baruch ist 
geknickt. 

Da kommt ein Bote, der ihn zur Herzogin holt. Vielleicht 
,ius demselben Motiv heraus, das den Kavalier veranlaßt, 
sich Julia ins Separe einzuladen. 

Zunächst nur ein langsam aufgcblcndetes Hotelschild: 

„Hotel Habsburger Hof". 

Primitivstes Provinz¬ 
separe. Dann ein Titel: 
..Der andere Habsburger 
Hof" und dann das 
Standquartier der Her¬ 
zogin. Entzückende kleine 
Idyllen, zum Beispiel die 
Szene, wo die Erzherzo¬ 
gi a den jungen Schau¬ 
spieler empfängt, wie sie 
ihn an das Fenster lockt, 
das einen Blick auf den 
frühlingbestrahlten Gar¬ 
ten zeigt. Von diesem 
Ga-ten sieht man eigent¬ 
lich gar nichts. Aber man 
fühlt, da draußen lacht 






Seite 6 


Der Rincmotogtopfi 


Nummer 872 


die Sonne, jubilieren die Vöge . 
Man weiß, die Blumen mässen 
heraufduften, es muß jene selige 
Stimmung sein, in der sich so oft 
die Herzen finden. 

Zwischendurch Massenszenen, 
wie das Aufziehen der Wache. 
Massenszenen mit weisester Öko¬ 
nomie, wirksam nicht durch die 
Zahl der Menschen, sondern mehr 
durch die szenische Einteilung. 

Man sicht zunächst — um an 
einem Beispiel die Arbeitsmethode 
Duponts zu zeigen — nur ganz 
kurz durch das Fenster eines 
großen Restaurants, umdrängt von 
Bürgern. die vorüberziehenden 
Soldaten. Jetzt der Anmarsch. 
Dann wieder ein kurzer Blick in 
den Wäschcrkellcr mit den be¬ 
rühmten. entzückenden Wiener 
Waschermadeln. Die stürmen 
nach oben. Man sicht nur die 
flinken Beinchen und die bauschi¬ 
gen Röckchen eine Treppe hinauf¬ 
eilen. Dann — gewissermaßen 
Großaufnahme — die vorbei¬ 
ziehende Wache. 


„Mit den Zugvögeln 

nach Afrika" 


Fabrikat : 
Aufnahmeleitung: 
Länge: 

Vertrieb : 
Uraufführung : 


Svcnska Biografen 
Bengt Berg 
1511 m (5 Akte) 
Ufa 

Kammerlichtspiele 


jP\er Schwede Bengt Berg, der nicht 
als Jäger, sondern alsTierfreund 
seine Expedition leitete, genoß da¬ 
durch den großen Vorzug, die 
Vögel nicht scheu zu machen, 
sich ihnen bis auf wenige Meter 
nähern zu können. Selbst so 
scheue Vögel, wie Störche und 
Kraniche, die in ihrer euro¬ 
päischen Heimat den Wanderer 
bis auf höchstens 900 m an sich 
herankommen lassen, konnten in 
„Großaufnahmen“ getypt werden. 
So ist also zu sehen, was vorher 
noch niemand gezeigt hat: Unsere 
Schnepfen, die Würmer aus dem 
Nilschlamm ziehen, Reiher, die zu 
Zehntausenden in den Ni! einfal¬ 
len und um den Platz kämpfen. 
Die Landschaften vom Nil brin¬ 
gen nie gesehene Bilder auf die 
Leinwand, das Leben im Süden, 
wo in den Dörfern am Papyros- 
schilf des weißen Nil die Strauße 
wie Haustiere gehalten werden. 
DieKrokodilbilderBengt Bergs über-' 
treffen bei weitem die Aufnahmen 
des Svenska-Filmes, denn auch 
sie sind mit unendlicher Geduld in 
Großaufnahmen gesammelt wor¬ 
den und belauschen die seltsamen 
Gestalten der Reptilien, die hier 
nicht vor Schüssen flüchten. 



Oben Zwei typische Zeitlupenaufnahmen. 
Unten. Mellum. das ..Vogelparadies". 
Bengt Bergs Vogelfilm. 
Tiergärten des Meeres. 


Dazu kommt eine ausgezeichnete 
Besetzung. Der Rabbiner, dar- 
gestcllt von Avrom Morewski von 
der Wilnaer Truppe, lebensecht, 
schauspielerisch ausgezeichnet 
Dann Hermann Vallentin als 
Heinrich Laube. Eine Leistung 
vo.i höchster Eindringlichkeit. Die 
Entdeckung Hermann Vallentins 
für die ganz, ganz große Klasse. 

Der junge ßaruch, eine Rolle, 
die Ernst Deutsch besonders liegt, 
die seiner vielseitigen Darstel¬ 
lungskunst überall entgegenkommt 
und die ihm einen großen, vollen, 
uneingeschränkten Erfolg bringt. 

Entzückend Henny Porten als 
Erzherzogin Elisabeth Theresia. 
Eine Rolle, die dieser beliebten 
Schauspielerin wieder einmal gut 
liegt, die ihr viele Herzen zurück¬ 
erobert, die sie früher verlor. 

Das wirkungsvolle Manuskript, 
die ausgezeichnete Photographie, 
die hübsche Ausstattung und die 
Kostüme halfen dem Regisseur 
und trugen mit zum Erfolg bei. 


„Mellum, 

das Vogelparadies" 

Fabrikat : Naturfilm 

Photographie : Ingenieur H.Schonger 
und Hans Brehmer 

Länge : 700 Meter 

Vertrieb: Naturfilm 

Uraufiührung: Film- und Bild-Ar¬ 

beitsgemeinschaft. 
Berlin 

T''\ieser Vogelfilm von der Nord- 
*—' see beginnt wie eine Legende. 
Zwei junge Leute, H. Schonger 
und Hans Brehmer, zogen aus und 
gründeten ein Vogelheim in der 
Nordsee. Dazu war es nötig, eine 
halbversunkene Insel dem Meere 
wieder abzuringen, sie einzudei¬ 
chen und dann zu warten, bis die 
Seevögel die gute Gelegenheit 
neuer Brutplätze aufsuchen wür¬ 
den. Das Experiment wurde ohne 
Mitte! unternommen — und der 
Film dient den Vogelfreunden nur 
dazu, um einiges Geld für den 
weiteren Ausbau ihrer Insel zu 
erlangen. Der Film ist mit un¬ 
gewöhnlicher Sorgfalt hergestellt. 
Das Leben der Möwen, der Strand¬ 
läufer, der Scharben ist mit einer 
bis ins kleinste gehenden Ein¬ 
dringlichkeit beobachtet und mit 
künstlerischem Geschick auf den 
Filmstreifen gebracht. Diese In¬ 
sel, auf der nichts als magerer 
Strandhafer wächst, und auf wel¬ 
cher der Vogel wart Hans Brehmer 
zu einem Robinsonleben verurteilt 
ist, gibt im Film die farbigsten 
Reize her, die einer intensiven Be¬ 
obachtung der Natur entspringen. 













Nummer 872 


Qct Rincmr.togropfj 


Seite 7 


Raskolnikow 


Manuskript u. Regie : Roijert Wiene 

Hauptrollen : Gregory Chmara. Maria Germanowa, 

Pawel Pawloff. Michail Tarschanow 
Bauten : Andrej Andrejew 


Photographie : Willi Goldberger 
Länge: 3168 Meter (7 Aktei 

Vertrieb: Bayerische Film-Gesellschaft 

Uraufführung: Mozarlsaal 


Ein Interessantes künstlerisches Experiment. / Ein gutes Geschäft bei geschickter Propaganda. 



D ostojewskis Roman, der ja eigentlich „Schuld und 
Sühne" heißt, ist vielleicht das russischste aller Bücher, 
die jemals geschrieben wurden. Ein paarmal ist schon der 
Versuch gemacht worden, die Hand¬ 
lung in ein Theaterstück zu pressen, 
um das Verhör Raskolnikows vor 
dem Untersuchungsrichter zu einer 
Paradeszene zu verwerten ; jedes¬ 
mal mißlang die Dramatisierung. 

Auch der Film, der ja glücklicher 


in der Wiederaufrollung ver¬ 
schwundener Seelenstiminun- 
gen ist als die Bühne, stand 
vor der schweren Aufgabe, 
die völlig auf das Gefühl ge¬ 
stellten Szenen in die Bild¬ 
sprache des Kinos umzusetzen, 
die notwendig die Effekte 
starker hervortreten lassen 
muß. In der Bearbeitung 
des Drehbuches, die Robert 
Wiener allein besorgte, ist 
es in weitestem Maße geglückt, den äußeren Aus¬ 
druck für seelische Stimmungen zu finden, ohne daß 
der Absicht des Dichters Gewalt angetan und ihm fremde 
Elemente untergeschoben wurden. 

Dieser Stoff, der so ganz abseits vor jenen Elementen 
steht, die ihre Filmwirksamkeit in jeder Woche neu er¬ 
weisen. ist von Robert Wiene mit vollendeter Meisterschaft 
zu einem Kunstwerk gestaltet worden. Wiene schuf ja 
bereits vor Jahren den „Caligari", jenen nie wieder er¬ 
reichten Gipfel in der Gestaltung des Unheimlichen. 
Düster ist „Raskolnikow" nun durchaus nicht in jeder 
Szene; die Situationen der Sonja sind sogar voller Sonne, 
obgleich von ihr im Roman eine tiefere Wirkung als im 
Film ausgeht. Aber der Film muß die Verästelungen des 
Romans auf eine klare Linie bringen, um die Einheit der 
Handlung schärfer betonen zu können. Bei Wiene ist 
nun wirklich die Handlung aus einem Guß; sie ist 


symbolisch mit dem Milieu und der Zeit verquickt, daß 
die Relativität jedes Geschehens aufgehoben und jede 
Episode handlungsfördernd angesetzt ist. Wiene erreicht 
dies nicht allein durch Spiriluali- 
sierung der Regieführung, sondern 
durch eine Stilisierung der Bauten. 
Alles ist hierbei nicht ganz so ge¬ 
glückt wie im „Caligari" ; manche 
expressionistische Dekoration klebt 
als Kulisse hinter dem Schauspieler 


dessen Geste die Linien¬ 
führung durchschneidet. Eini¬ 
ges unter den Szenenbildem 
von Andrejew war außer¬ 
ordentlich stark in der Wir¬ 
kung ; am packendsten, die 
ins endlose getriebene Stu¬ 
fung der Treppe im Mord¬ 
hause, in dessen Ecken sich 
das Verbrechen zu manifes¬ 
tieren schien. 

Das Ensemble der Schau¬ 
spieler,die der berühmten Truppe Stanislawskis vomMoskauer 
Künstlertheater angehören, ließ den Willen des Regisseurs 
sichtbar werden. Nicht allen seinen Ideen konnte ihr natura¬ 
listisches Spiel folgen. Gregory Chmara gab den unseligen Ras¬ 
kolnikow sehr weich, sehr slawisch, aber vollendet in derWir- 
kung. Maria Germanowa und Maria Kryshanowskaja gingen 
duldend und von lebenswacher Innerlichkeit getragen durch 
den Film. Wuchtig im Aufbau seiner Rolle drängte sich Pawel 
Pawloff als Untersuchungsrichter hervor. Menschlich ergrei¬ 
fend, ja sogar bis an die gefährliche Grenze der Rührung ta¬ 
stend, gestaltete Michail Tarschanow einen jener lebensunfähi¬ 
gen Menschen, die in Rußland häufiger als anderswo zu sein 
scheinen. Die Photographie Willi Goldbergers versuchte,'allen 
Stimmungsreizen derSzene gerecht zu werden, und überraschte 
durch die Feinheit der Aqua-Tinta-Manier der Hintergründe. 

Ein Film also, der ein bedeutungsvoller Schritt in der Fort¬ 
entwicklung der Kinematographie genannt werden muß. eu. 






t>tt «nttnotoctapft 


Nummer 872 


Seite 8 


Zeitgemäße Filmarchitektur 

Von Kurt Richter. 


D ie Filmarchitektur entstand ds Begleiterscheinung der 
photographischen Höheleis ung des Filmes. Vorher 
war sie nicht nötig, denn auf den ersten Filmen spielen die 
Hintergründe eine zu geringfüg ge Rolle, als daß ihnen 
stärkere Beachtung zuteil geworden wäre. Wer den Film 
von seinen Anfängen an begleite, hat. weiß, wie noch vor 
fünfzehn Jahren gebaut wurde, und welche Nebenrolle der 
Architekt spielte, im Falle überhaupt einer bemüht wurde. 
Der italienische Großfilm benötigte dann Monumental¬ 
bauten, die wirklich nicht mehr von dem Bühnenmeister 
des Aufnahmeateliers hcrgestellt werden und die auch der 
Wirklichkeit an vorhandenen Gebäuden nicht nachphoto¬ 
graphiert werden konnten, ln der Folge kamen dann die 
Großfilme in allen Ländern, die besonders auf eine gro߬ 
zügige Architektur zielten und dem Erbauer die dank¬ 
barsten Aufgaben stellten Antungs verhielt sich das 
Publikum wie jene Zuschauer in Tiecks „Gestiefeltem 
Kater", die das Aufgehen des Vorhanges mit dem Beifalls¬ 
geschrei: „Die Dekoration noch einmal!" begrüßten. Je 
größer der Bau, je höher im Programm die Baukosten an¬ 
gegeben wurden, desto lebhafter das Entzücken. Es ent¬ 
standen damals Filme, die in einzelnen Szenen nur Archi¬ 
tektur vorführten. Das mußte jedem Baukünstler schmei¬ 
cheln, aber von vornherein konnte dieser Zustand nicht 
mehr als eine Modesache sein, die letzten Endes den 
Architekten beim Film schädigen mußte, wie es denn zu¬ 
letzt auch in Amerika gewesen ist. Wer etwa durch seine 
Nachahmung indischer Architektur glaubte, daß nun eine 
neue Ära einsetzen werde, oder wer da meinte, durch 
Ausstellung seiner Skizzen und Figurinen dem Film einen 
Dienst zu erweisen, der kannte das Publikum nicht, das 
im Film vor allem den Menschen sehen will und die 
schönsten Landschaftsbilder dagegen eintausekt. 

Das Publikum ist launisch, aber hinter die Gesetzmäßig¬ 
keit seiner Launen ist man noch nie gekommen. Die Tat¬ 
sache bleibt bestehen, daß es im Film den Menschen und 
das Tier oder zum mindesten sich bewegende Dinge 
sehen will. Deshalb der Erfolg der Schwedenfilme, von 
dem ja auch die Regisseure derjenigen Länder gelernt 
haben, in denen diese Filme nicht unbedingt die Kassen 
füllten. Die Arc.iitektur der Schweden ist nun das Zeit¬ 
gemäße, oder vielleicht richtiger ihr Stil, denn im Deko¬ 
rativen versagten sie selten. Ein guter Architekt sollte 
nie mehr als den Ehrgeiz haben, einen passenden Rahmen 
um die Szene zu bauen. Das klingt einfach und selbst¬ 
verständlich, ist es aber durchaus nicht und führt, wenn 
zu nichts anderem, regelmäßig zu Kämpfen mit dem Re¬ 
gisseur und den Hauptdarstellern, die ja gewöhnlich einen 
Rahmen um ihre schauspielerischen Leistungen wünschen, 
der sie wie auf einem Präsentierteller darbietet. Die 
Hauptforderung liegt aber in einer Verständigung zwischen 
Architekten und Operateur. Was hilft die schönste Deko¬ 
ration, wenn sie photographisch nicht mehr „kommt" oder 
wenn der Photograph jenen komödiantenhaften Zug in seine 
Bilder bringt, nur die Hauptpersonen zu beleuchten, die 
Hintergründe dagegen in Dunkel zu tauchen. Wenn die 
Operateure einzelnen Architekten (und nicht ganz mit 
Unrecht) den Vorwurf machen, daß sie wenig von der 
Photographie verstehen, so ist doch zu erwidern, daß noch 
mehr Operateure keine Ahnung von der Architektur 
haben. Hanns Kräly teilt mir soeben in einem Briefe mit, 
daß sich in Hollywood jetzt eine Art Filmchemie ent¬ 
wickelt, die von den bei den Bauten in Frage kommenden 
Farben im vornherein sagt, weiche photographische 
Nuance sie zeigen werden. Der heutige Architekt ver¬ 
zichtet auf alle jene Dinge, die noch vor zwei Jahren als 


der Gipfel der Filmkunst galten, verzichtet auf jenen 
Kleinkram eines miniaturhaft malenden Naturalismus, um 
dafür die große einheitliche Linie zu wahren. Die viel- 
umstrittene „Stilisierung" steht auf einem anderen Blatt. 
Sie ist nicht für jeden Stoff geeignet und hat, in ihrer 
extremsten Form, nicht den Beifall des Publikums. Nur 
ein sehr intellektuelles Publikum ist imstande, das ex¬ 
pressionistische Linienspiel, den kubischen Rhythmus der 
Architektur zu erfassen. Caligari hatte in Amerika des¬ 
halb großen Erfolg, weil man den Film für ein Lustspiel 
hielt; seine Nachahmungen waren auch bei uns Nieten. 

Jede eigenwillige Architektur ist ein Experiment, das 
zuerst ein gewisses Mißtrauen beim Publikum hervorruft. 
An den Expressionismus hat sich der heutige Zuschauer 
so gewöhnt, daß er ihm nichts Ungewöhnliches mehr be¬ 
deutet. Aber der Expressionismus ist ja nur ein Fall in 
der Architektur, keineswt gs die letzte Lösung der 
modernen Kunsttheorien, di< man je nach Bedarf ablehnen 
oder denen man begeistert zustimmen kann. Wie die 
Verhältnisse beim Film liegen, wird er architektonisch aus 
sich selbst kein Prinzip bilden können. Er wird immer von 
den Beeinflussungen der anderen Künste leben müssen, 
weil die Architektur in Wirklichkeit dreidimensional ist, 
im Film aber nur zweidimensional sein kann. Deshalb 
bleibt jede Neuerung Experiment. 

ln der Zeit des wirtschaftlichen Niederganges sind Ex¬ 
perimente nicht möglich. Der Architekt wird sich auf 
eine zeitgemäße Bauweise einstcl'.en müssen, die in allem 
Vereinfachung erfordert. Er muß aber dann zuerst ver¬ 
langen, daß ihn das Manuskript nicht von vornherein mit 
Mehrarbeit belastet. Man darf von ihm nur Pläne der¬ 
jenigen Szenen verlangen, die auch wirklich gedreht wer¬ 
den, während es bis heute leider noch so üblich ist, daß 
er Arbeiten zu liefern hat, die in den meist zu breit an¬ 
gelegten Manuskripten sich zwar sehr hübsch machen, die 
aber bei Beginn der Aufnahme gestrichen werden. Er 
kann verlangen, daß man ihn zu Entwürfen zwingt, die 
hinterher nicht ausgeführt werden, weil sie sich zu kost¬ 
spielig stellen, denn in jedem ernsthaften Betrieb müßte 
von vornherein eine Kalkulation der Szenen vorgenommen 
werden. Der Architekt dringt auch oft nicht mit seinem 
Ratschlag durch, wenn er eine Zimmerdekoration mit ge¬ 
ringfügigen Änderungen in ein anderes verwandeln will. 
Das erreicht er am besten durch eine neutrale Tapete (es 
gibt da ganz eigenartige Muster, die ihr Aussehen wechseln, 
je nachdem das Licht auf sie fällt) oder durch einen ein¬ 
fachen Anstrich, dem durch Leisten in verschiedenen 
Höhen oder durch einen Wechsel des Wandschmuckes ein 
anderes Aussehen gegeben werden kann. In Hollywood 
hat man die Kosten dadurch zu vereinfachen gewußt, daß 
Treppenhäuser, Tanzlokale. Bureauräume usw. ein für alle¬ 
mal feststehend gebaut werden, ihre auffallenden Teile 
aber auszuwechseln sind, so daß für jeden Film im Hand¬ 
umdrehen ein scheinbar neuer Bau entstehen kann, der in 
Wirklichkeit schon oft gefilmt wurde, der aber durch ge¬ 
ringfügige Veränderungen ein immer neues Aussehen er¬ 
hält. So weit sind wir leider noch nicht. Es muß bei uns 
jeder Bau stets von Grund auf ausgeführt werden; es fehlt 
uns leider auch in den bestfundiertesten Ateliers an allen 
Dingen, durch die die Amerikaner instand gesetzt werden, 
eine einfache Dekoration in einer Viertelstunde aufzu¬ 
bauen. Allerdings pflegt auch in Deutschland die Schuld 
nicht beim Architekten zu liegen, wenn eine Szene ein 
halbes dutzendmal oder noch öfters aufgenommen wird. 
Und doch sind es gerade diese Vielaufnahmen, die die 
Kosten der deutschen Filme so außerordentlich verteuern. 




des 

U.T. Kurf ürstendam m 


iiiiiiimiiiiiiiiiiiMiiHiiiiiiiiiiiiiüiHiinimiii:':: 


DER 

GROSSE ERFOLG 


Die Austreibung 

REGIE: F. W. MURNAU 

DECLA-BIOSCOP-FILM DER UFA 

IM 

DECLA-LEIH 












Die Austreibung 

Nach dem Schauspiel v Carl Hauptmann 
Manuskript: Thea von Harbou 

REGIE: F. W. MUR N AU 

* 

PERSONEN: 

Steyer.Eugen Klöpter 

Ludmilla, seine 2. Frau . Aud Egede Nissen 

Vater Steyer.Carl Goetz 

Mutter Steyer .... llka Grüning 
Aenne. Steyers Tochter 

aus 1. Ehe . . ■ Lucie Mannheim 

Lauer.Wilhelm Dieterle 

Rentschreiber .... Jacob Tiedke 
Pfarrer.Robert Leffier 

Bauten: ROCHUS GLIESE und 
ERICH CZERWONSKl 

Photographie: CARL FREUND 



DECLA- BIOSCOP- FILM 

DER UFA 

I M 

DECLA-LEIH 




























Der grofje Leni-Film der Neptun-Film ag 



t 




Nummer 872 


Der Rmemntnarnpfr 


Seite 9 


41t! ..If.tf. j. f f, .1 niu Ttft _ri » 

wmpajaf!»p6itn}a)£ /Kttttoin^ott 

HANDELSTEIL DES KINEMATOGRAPH 

Die Berliner Erdrosselungssieuer 


Am 1. November fanden Verhandlungen zwischen dem 
Verein der Berliner Theaterbesitzer und dem Magistrat 
wegen der Lustbarkeitssteuer statt. Der Magistrat hat 
sich auf den unverständlichen Standpunkt gestellt, infolge 
der Geldentwertung täglich eine Abrechnung von den 
Lichtspielthcaterbcsitzern zu verlangen, welche dadurch 
gezwungen werden, den größten Teil ihrer Zeit auf den 
einzelnen Steuerbehörden zu verbringen und zu warten. 

Da es unter anderem auch Theaterbesitzer gibt, die mehr 
als ein Theater besitzen, sind diese gezwungen, auf zwei 
oder mehreren Steuerbehörden zu verweilen, und dann ist 
es immer noch fraglich, ob sie rechtzeitig genug auf der 
letzten Steuerbehörde ankommen, um ihre Erträge ab¬ 
zuführen. Wie unter diesen Umständen die Theater¬ 
besitzer noch Zeit haben sollen, sich um ihre Geschäfte 
zu bekümmern, scheint dem Magistrat nach einer Äußerung 
des Herrn Steuerdirektors Mackensen gleichgültig zu 
sein. Obwohl die Theaterbesitzer angeboten haben, die 
Steuern den vielen Kontrollbeamten, welche sie mit ihrem 
Besuch beehren, mitzugeben, oder sie durch die Post zu 
überweisen, haben diese Vorschläge kein Entgegen¬ 
kommen gefunden. 

Aber nicht allein in der Abrechnungsform, sondern 
auch in der Höhe der Steuern haben die Theaterbesitzer 
erst auf ganz energischen Einspruch ihres ersten Vor¬ 


sitzenden, des Herrn Schüller, ein geringes Entgegen¬ 
kommen gefunden, welches zur Folge hat. daß die neuen 
Steuersätze ab 2. November betragen: 

Bei einem Eintrittspreis 


bis zu 10 Milliarden . ... 20 

.. .. 15 „ . ... 23 

.. .. 25 „ . ... 25 % 

.... 35 .. . . 27H- 

.... 45 .. 30 . 

und darüber .... 33 S ' 


Wenn man berücksichtigt, daß die Kinosteuer nicht 
nur de facto, sondern auch de jure die Sondersteuer eines 
bestehenden Gewerbes darstellt, so kann man es un¬ 
möglich verstehen, daß die erhebenden Behörden auf die 
Notlage der Theaterbesitzer keine Rücksicht nehmen 
Obwohl wir als unabhängiges Fachorgan keineswegs die 
Sonderinteressen einer einzelnen Sparte unserer Industrie 
vertreten, und obwohl wir einsehen, daß bei den heutigen 
wirtschaftlichen Verhältnissen auch der Magistrat seine 
Einkünfte haben muß. müssen wir bei aller Obiektivität 
auf das schärfste gegen die Weltfiemdheit der Behörden 
opponieren, die dazu angetan ist, jede produktive Tätig¬ 
keit lahmzuiegen. 


Münchener Preise und Löhne 


Die in dieser Woche erfolgte Erhöhung de.- Eintritts¬ 
preise in den Münchener Kinos um das Zehnfache hat sich 
verhältnismäßig glatt vollzogen. Selbstverständlich zeigt 
sich besonders in den Nachmittagsstunden ein Rückgang 
des Besuchers. Er ist aber noch lange nicht so katastrophal 
wie in den Sprechtheatern. Kleinkunstbühnen und Kon¬ 
zerten. Abendvorstellungen sind im Zentrum der Stadt 
heute noch überfüllt. Ganz besonders fielen vor den 
Regina-Lichtspielen, in denen zurzeit „Erdgeist“ mit Asta 
Nielsen und Albert Bassermann läuft, die Reihen der An¬ 
stehenden auf. Die Preise der ersten Lichtspielhäuser sind 
jetzt um die Mitte der Woche (31. Oktober) von 5 bis 25 
Milliarden Mark gestaffelt. 

In der Frage der Angestelltenlöhne hat man nun end¬ 
lich den umständlichen Weg wöchentlicher Verhandlungen 
aufgegeben und abgemacht, daß auf die Löhne der Vor¬ 
woche jedesmal die der Reichsindex? teiger ung ent¬ 


sprechende Eihöhung für die laufende Woche zugeschlagen 
wird. Es bezogen für die Zeit vom 19. bis 25. Oktober die 
Vorführer und vollbeschäftigten Musiker je nach der 
Theaterklasse 100 bzw. 85 oder 72,5 Milliarden Mark. 
Die Portiers erhielten 60 Milliarden. Die halbbeschäitig- 
ten Klavierspieler bei 4 Stunden ununterbrochenem Dienst 
67 bzw. 57 oder 49 Milliarden, Platzanweiserinnen und 
Kassiererinnen 45 bizw. 37.5 oder 32.5 Milliarden. Vom 
Saitengeld der Streicher haben laut vorgelegter Rechnung 
die Arbeitgeber den dritten Teil zu übernehmen 

Die enorm gestiegenen Unkosten, zu denen noch die Aus¬ 
gaben für Leihmieten, soweit nicht prozentual gespielt 
wird, für Strom, Beleuchtung, Heizung. Miete usw. hinzu¬ 
kommen, lassen daher die hiesigen Theaterbesitzer mu 
großer Sorge in die Zukunft sehen, da die Kaufkraft des 
Publikums nicht mit der Steigerung der Unkosten gleichen 
Schritt gehalten hat. 


Einen Augcnblidi b8tfc??t 


Immer wird lieh 
ein Besuch bei 
KINO-SCHUCH. 
Berlin 48. 
Fricdrichstr. 31. 
lohnen I — Sie 
finden immer 
Neuheiten. die 
ihren Betrieb 










Seile 10 


Nummer 872 


Der Milliarden - Index 


Der Berliner Filmindex von Herrn Rechtsanwalt Pick 
hat in der letzten Woche nach dem Stand vom 31 Oktober 
die Miliiardengrenze überschritten. Wenn sich diese 
Ziffer mit der Grundzahl 1 im Januar 1922, die für die 
Berechnung der Leihmiete allerdings nicht in Frage 
kommt, schon am 27. Oktober in die Milliarden auf¬ 
geschwungen hatte, so zeigt der Index auf Grund der 
Zahl 1 im Mai 1922, nach welche- die Leihmiete berechnet 
wird, daß sie mit 741 106 030 am 31. Oktober von der 
Milliardengrenze auch nicht mehr allzu weit entfernt ist. 
Aus der unten stehenden Tabelle geht hervor, daß Reichs¬ 
index und Filmindex in der Zeit vom 24. bis 27. Oktober 
nicht allzu sehr differieren. 

Eine ganz beträchtliche Unterschiedsspanne konnte 
aber vom 27. bis 31. Oktober festgestellt werden, wo der 
Reichsindex eine Erhöhung um 349 Prozent erfuhr, 
während der Index der gesamten Filmindustrie nur um 
5,1 Prozent gestiegen ist; eine Steigerung von 6,7 Prozent 
wies der Filmverleihindex auf. 


Die hier wiedergegebenen Zahlen lassen erkennen, daß 
infolge der engen Beziehungen zwischen dem Reichsindex 
und den Löhnen und Gehältern die persönlichen Pro¬ 
duktionskosten in den nächsten Tagen eine starke 
Steigerung erfahren müssen; sie zeigen ferner, daß die 
Lebensmittelprcise und sonstigen Faktoren, welche für die 
Aufstellung des Reichsindex maßgebend sind, bedeutend 
stärker gestiegen sind als die P: oduktionskosten in 
unserer Industrie. 

Die außerordentli ;he Wertschwankung hat Herrn 
Rechtsanwalt Pick veranlaßt, im Gegensatz zum Reichs¬ 
index, der nur einmal wöchentlich erscheint, den Film¬ 
index zweimal in der Woche zu veröffentlichen. Die 
Stichtage sind immer am Mittwoch und Sonnabend, die 
Veröffentlichung erfolgt Jeweils einen Tag später. Diese 
Tatsache hat in unserer unten stehenden Rubrik insofern 
Berücksichtigung gefunden, als wir den Filmindex ge¬ 
schlossen für eine Woche, das heißt für die Zeit von Sonn¬ 
abend bis Mittwoch, zusammenhängend veröffentlichen. 


1923 

Januar 22 | Mai 22 

Steigerung 

1 Januar 22 [ 

Mal 22 

Steigerung 


Mai 22 

24. Oktober 

in Prozent 

27. Oktober 

in Prozent 

31. Oktober 

Reich>index 

134 782 342 | 79 61:> 351 




349 

627 622 719 

357 472 928 

Film-Industrie 

(gesamt) 

(22. 10. 23, 

679 491 475 1 337 627 066 

29.4 

879 264 851 

462 769 423 

5.1 

924 107 258 

486 370 664 

Filmlabrikation 

824 298 564 406 220 667 

18.6 

977 618 097 

481 777 711 

3.5 

1011 834 731 1 

498 639 93 t 

Film-Verleih 

904 971 063 506 726 727 

36,7 

1 237 095 444 

692 695 436 

6.7 

1 319 980 838 

741 106 030 


Das Erwerbslose affirsorge ge setz. 

Wie wir erfahren, steht die Einführng des Erwerbslosen¬ 
fürsorgegesetzes unmittelbar bevor. Nach der neuen 
Regelung sollen diese Kosten nicht wie bisher von den 
Gemeinden, sondern gemeinsam von Arbeitgebern und 
Arbeitnehmern aufgebracht werden. Inwieweit sich diese 
Verordnung auf die Filmindustrie auswirken wird, ist im 
Augenblick noch nicht abzusehen; wir behalten uns vor, 
in der nächsten Nummer auf diese Frage noch eingehend 
zurückzukommen. 


Hans Scharlach &Co.,A.G. 

BANKGESCHÄFT 

| Wertbeständige Abteilung | 


Berlin W B BelU.ue.tr B« / T.legr.mm, 


B.nk.eh.rto-Berlin 


Alle bankmäßigen Transaktionen 
auf wertbeständiger Basis 

| Wertbeständiger Konto • Kor rem u S<£edtveritf>r 

OPerfbes/ändige Ktpit.Csanfagon 
Wertbeständige Spareintagen 


Kostenlose Beratung In allen einschlägigen Fragen 


Steuerzahlung mit Gofdanleihestücken. 

Wie wir einer Mitteilung des „Berliner Lokal-Anzeigers" 
entnehmen, hat der Reichsminister der Finanzen die 
Finanzämter und Landesfinanzämtcr angewiesen, bei 
Steuerzahlungen Stücke der wertbeständigen Anleihe des 
Deutschen Reiches sowie die für sie ausgegebenen 
Zwischenscheine an Zahlungs Statt anzunehmen. - Nach 
einer Anordnung des Finanzministers wird der Goldwert 
in Papiermark umgerechnet, wobei der Goldrechnungs- 
umsatz zugrunde gelegt wird, welcher am Tage der 
Zahlung für Reichssteuern gilt. Vorläufig gilt der Nenn¬ 
wert als Annahmewert. Bei der Zahlung ist darauf zu 
achten, daß die mit Zinsscheinen versehenen Stücke im 
Werte von 42 Goldmark, denen die laufenden und die 
später fällig werdenden Zinsscheine nicht beigefügt sind, 
sowie beschädigte oder aus anderen Gründen nicht um¬ 
laufsfähige Stücke von der Annahme ausgeschlossen sind. 

Die hier getroffene Verfügung kann sich vorläufig selbst¬ 
verständlich nur auf die Reichssteuern beziehen, und 
nicht auf die übrigen, von der Filmindustrie zu leistenden 
Steuerzahlungen. So ist zum Beispiel eine Regelung der 
kommunalen Lustbarkeitssteuer in dieser Hinsicht bis 
jetzt noch nicht getroffen worden. 

• 

Wichtige Wirtschahszahlen. 

Nach dem amtlichen Börsenkurs vom 2. November 
notierte der Dollar mit 320 Milliarden, in New York bereits 
1 Billion 430 Milliarden. Dollarschätze notierten mit 
380 Milliarden Mark. Der Preis für 1 Goldmark beträgt 
76 190 190 Papiermark. Der Lebenshaltungsindex betrug 
am 29. Oktober 13 671 000 000, der Multiplikator im Film¬ 
verleih, der sich auf Grund der geringen Erhöhung des 
Pickschen Index für die kommende Woche nicht geändert 
hatte, beträgt vom 2—8. November lt. Zentral verband 
700 000 000, während die Südfilm nur 600 000 000 erhebt. 









Nummer 872 


Dtt totmatoffopli 


Seite 11 



Continent-Film Akt.-Ges. 

ln der Generalversammlung am 15. Oktober ist der 
Jahresbericht und die Bilanz einstimmig genehmigt worden. 

Da uns die Gewinn- und Verlustrechnung nicht vorliegt, 
können wir nur fcststellen, daß eine Dividende von hundert 
Prozent gezahlt wurde und daß wahrscheinlich nach dem 
Vorbild der Ufa das Recht eingeräumt worden ist, für zehn 
Dividendenscheine eine junge Aktie zu beziehen. Das 
Aktienkapital wurde auf zwanzig Millionen Mark erhöht. 

Da die Gesellschaft einen Verleih über ganz Deutsch¬ 
land und vier Theater betreibt, ist das Aktienkapital 
naturgemäß im Verhältnis zu dem Umfang des Betriebes 
auch Jieute nach der Erhöhung noch ungeheuer niedrig. 

Die Gesellschaft bemerkt, daß sie sich auch mit der 
Herstellung von Industrie- und Reklamefilmen und mit 
dem Export von Filmen und Filmapparaten beschäftigt. 

Es wird dann noch darauf hingewiesen, daß die Firmen 
Unitas Film-Vertrieb G. m. b. H. und Continent-Film A.-G. 
angegliedert worden sind. Es handelt sich in diesen beiden 
Fällen im Prinzip natürlich lediglich um die Übernahme 
von Fassons, da beide Gesellschaften praktisch in der 
letzten Zeit gar nicht in Erscheinung getreten sind. 

Der Aufsichtsrat der Gesellschaft besteht aus: 

1. Ernst Friedrich Wilhelm Konitzky, Geschäftsinhaber 
der Bremer Privatbank, Bremen. 

2. Bankier W. Schimmelpfeng, Direktor der Commerz - 
und Privatbank, Göttingen, 

3. Dr. Erich Müller, Königsberg i. Pr.. 

4. Bankier A. von Arnim, Berlin-Charlottenburg. 

Ernemann-Werke A.-G.. Dresden. 

Am 3. November findet in Dresden eine außerordent¬ 
liche Generalversammlung der Ernemann-Werke statt, 
deren hauptsächlichster Punkt der Tagesordnung die Er¬ 
höhung des Grundkapitals von 52,5 un 32.5 auf 
35 Millionen Mark bilden soll. Die bestehenden 
2,5 Millionen Vorzugsaktien sollen in Stammaktien um- 
gcwandelt werden, die neu ausgegebenen Aktien im 
Betrage von 31,5 Millionen sollen in Gestalt von Inhaber- 
Stammaktien zur Ausgabe gelangen. Ferner sind Neu¬ 
wahlen des Aufsichtsrats vorgesehen. 

Günsbnrg-Film-A.-G. 

Dieser Tage wurde die Günsburg-Film-Actien-Gesell- 
schaft zu Berlin begründet. Der Aufsichtsrat, bestehend 
aus den Herren Exz. Freiherr von Eppstein, Berlin, Haupt¬ 
mann a. D. von Lülsdorff, Berlin, und Geheimen Kommer¬ 
zienrat Grosser, Amsterdam, bestellte zum alleinigen Vor¬ 
stand den Inhaber des A.-G.-Film, Geh. Intendanzrat a. D. 
Arthur Günsburg. 

Foreign Metro Film A.-G. 

Am 20. November findet eine Generalversammlung der 
Foreign Metro Film A.-G. statt, auf welcher der Vorstand 
einen Bericht über den Stand des Unternehmens abgeben 
wird. Der Name der Firma soll eine Änderung erfahren 


und in die British America Film A.-G. umgewandelt werden. 
Anscheinend soil mit dieser Änderung die Erinnerung an 
die alte Firma ausgelöscht werden, bei der gewisse Vor¬ 
gänge zu wenig erfreulichen internen und externen Aus¬ 
einandersetzungen geführt haben. Ferner soll oer Auf¬ 
sichtsrat durch Zuwahl eine Erweiterung erfahren, wobei 
nicht an eine Persönlichkeit aus der Bankwelt, sondern an 
eine solche aus der Industrie gedacht ist. 

Nach unseren Informationen hat die neue Gesellschaft 
das einzig wertvolle Aktivum der alten Gesellschaft, den 
Vertrag mit der Metro, übernommen Ebenfalls schweben 
Verhandlungen wegen der Übernahme der Metroproduktion 
sowie der anderen Firmen in Deutschland, ln finanzieller 
Hinsicht ist die Frage eines großen Aktienaustauschs von 
Interesse, die zwischen beiden Firmen schwebt. 

Personalien. 

G. Frank-Zeitler, der Leiter der Münchener Terra- 
njederlassung, scheidet am 31. Dezamber nicht nur aus dem 
Verbände der Terra, sondern auch aus der Filmindustrie 
aus. Er tritt als Mitinhaber in das Bankhaus Georg Scharl, 
München, ein, nachdem er schon seit längerer Zeit im Auf¬ 
sichtsrat verschiedener Handels- und Industriefirmen 
tätig ist. 

Seine Interessen bei der „Geofra" werden in der 
Zwischenzeit van einer Treuhand-Gesellschaft wahrgenom¬ 
men, bis eine Umwandlung dieser Kommanditgesellschaft 
in eine Aktiengesellschaft durchgeführt ist. 

Direkter Frank-Zeitler war übet den Rahmen seiner ge¬ 
schäftlichen Tätigkeit hinaus in ausgedehntem Ma3 für 
die Allgemeininteressen der Indus rie tätig. 

Er gehörte dem Vorstand des Zentralverbandes der 
Filmverleiher, Bezirk München, an, wirkte seit langem 
innerhalb des Film-Schiedsgerichts in München und betä¬ 
tigte sich auch filmpublizistisch, wenn es sich um Fragen 
handelte, die den Verleih und die wirtschaftspolitische 
Situation angingen. 

Wir glauben sicherlich, daß er auch nach dem offiziellen 
Ausscheiden aus der Industrie im Rahmen seiner bank¬ 
technischen Tätigkeit dem lebenden Bild starkes Interesse 
bewahren wird. 

Ein neues Lichtspieltheater in Stuttgart. 

Der bekannte Württemberger Theaterbesitzer Herr 
Daub hat am 2. November sein neuerbautes Theater „Die 
Palast-Lichtspiele“ in Stuttgart eröffnet. 


1 » _ 

Ingenieur 

yhlaj | AmlL ^acßverslär.ai g. ;. Kino u Pro/eiflon 

Köln Jfjrippasrr. 19 

^ Fcmsprccfi er : Rheinland 5210 

SU Sndises großes Lager m 

Klno-Apparalen u. Zubehör 


Hugo Caroly I 



SBulenprojektcren 


»■RIKO n ■ v P .. 


Feuerschutz und KQhleinrictitungen für Stillstand-Projektion 

D.R.P. 3*8616. 362820 — D. R-G.M. 853902. 77517. 

1. Verkaufsstelle und Fabrik: j e L ; MuntspUu ISST« 

»Erko« Maschinenbau-Gesellschaft Berlin so 1«, K«p«nicker str. »i 






Seite 12 


Der Ämematogtapfr 


Nummer 872 




Hovembep - Upauff Ohrun 


November I In der „Alhambra" am Kurfürstendamm der E. F. A. - Paramount - Grofjfili 1 

9 I Pe/er der Große 


In der Titelrolle: Emil Jannings — Regie: D. Buchowetzki 


November 


Dienstag 


Im „Mozartsaal" der Paramount-Grotjfilm 

Sonnabend Nacßi 

(“Das Rad des Schicksals) 

In den Hauptrollen: Conrad Nagel / Leatrice Joy / Edith Roberts / Jack Mowcr 
Regie : Cecil B. de Mille 


November 


Dienstag 


Im „Mozartsaal" der Paramount-Grohfilm 

!Der Scßeilc 

In den Hauptrollen : Rudolph Valentino und Agnes Ayres 


November 

20 

Dienstag 


Im „Mozartsaal" der Paramount-Grofjfilm 

Die goldene Cily 

In der Titelrolle: Mae Murray / Regie: Robert T. Leonard 




[\W 















Nummer 872 5tC ftfticnictograph Seile i i 


der National-Film 9.-G. 


Im „Mozartsaal“ der Paramount-Groftfilm 


In den Hauptrollen : 

Wallace Reid / Gloria Swanson Agnes Ayres Bebe Daniels 
Wanda Hawley / Regie: Cecil B. de Mille 


November 


Inatol. ™ 

der Frauenreiter &£ 


Dienstag 


Im „Marmorhaus" der E. F. A.-Paramount-Grotjtilm November 

vSo sind die Männer. . 

(Napoleons Kleiner Bruder) All 

ln den Hauptrollen: 

I Harry Liedtke / Alice Hechy Paul Heidemann / Kurt Vespermann p. 

Regie: Georg Jacoby 


In der „Alhambra" am Kurfürstendamm der Hagenbeck-Grohfilm 


In den Hauptrollen: Mary Odette / Stewart Rome Dora Bergner 
Regie Walter Richard Hall 


November 


m Schallen « A 

der Moschee Jü J 


^üpicäires^ 


> 




ooooooooooooocxxxxxxxxocxtcxxxxxxiooooocxxxxxxoooooooaococooocxxxxxxxxxxxxxoocxxxxxxxxxioc 














Seite 14 


9et Ätnematogtapfj 


Nummer 872 


Aus dem Ausland 


„Deutsche Verstimmungen.“ 

„Die Deutschen“, so schreibt d e französische Zeitschrift 
„Hebdo-Film“, „bekunden einige Verstimmung wegen des 
Erstaunens, das wir über den ebenso überraschenden wie 
ungewöhnlichen Erfolg einer stattlichen Reihe ihrer Filme 
zum Ausdruck gebracht haben." Mit Unschuldsmienen 
fährt die französische Zeitschrift, die ständig bemüht ist, 
die deutsche Produktion zu bekämpfen und herabzusetzen, 
fort: „Weniger als irgend jemand sonst können wir der 
Deutschenfurcht verdächtigt werden, und wir glauben, daß 
wir nur eine unbestreitbare Tatsache feststellen. Die 
Deutschen selbst erklären mit Befriedigung, daß England 
ein willkommenes Absatzgebiet für unsere Ex-Feinde ge¬ 
worden sei. Warum sollen wir nicht das Recht haben, 
ohne der Tendenz beschuldigt zu werden, es zu bedauern, 
daß unsere gleichwertigen und oft überlegenen Filme sich 
nicht jenseits des Kanals einer ebenso guten Aufnahme er¬ 
freuen? Im übrigen handelt es sich dabei um eine Streit¬ 
frage, die nur die Engländer und uns angeht, und in die 
es den Deutschen schlecht ansteht, sich hineinmischen zu 
wollen. Vielleicht tun sie dies aber nur, weil sie sich noch 
nicht sehr sicher auf dem fremden Gebiete fühlen.” Und 
Hebdo-Film“ schließt mit den Worten: „Was die Tat¬ 
sache anbetrifft, daß ein englischer Filmregisseur sich 
neulich über die Verhältnisse, unter denen in den Berliner 
Ateliers gearbeitet wird, mit Zurückhaltung geäußert hat, 
so haben wir uns beschränkt, darauf hinzuweisen. Meinen 
die deutschen Kinoleute, ihre Unzufriedenheit darüber aus¬ 
sprechen zu müssen, so sind sie auf einem Irrwege, wenn 
sie sich an uns halten." — Wären die französischen Filme 
wirklich den deutschen „gleichwertig und oft überlegen", 
so würden sie deren Konkurrenz schwerlich zu fürchten 
haben, weder in England noch anderswo. 

New-Yorker Kampf um die Stargagen. 

Aus New York wird gemeldet, daß die Ateliers der 
Famous Players Lasky Gesellschaft zeitweilig geschlossen 
werden, um „eine Deflation in den Gehältern der Film¬ 
schauspieler" herbeizuführen. Dieser Beschluß hat unter 
den amerikanischen Filmstars eine große Erregung hervor¬ 
gerufen. Die Leiter der Famous Players Gesellschaft geben 
an, daß sic etwa für 3 000 000 Pfund Sterling fertige Filme 
auf Lager haben und daß daher eine weitere Produktion 
vorläufig nicht notwendig ist. Der Besuch der amerika¬ 
nischen Kinos hat in letzter Zeit nachgelassen. 

Es wird ferner erklärt, daß die Zeit gegenwärtig günstig 
sei, eine Reduzierung der Gehälter der Filmschauspieler 
und der Direktoren vorzunehmen. Infolge der starken 
Konkurrenz unter den Filmgesellschaften erhielten Film- 
Schauspieler in letzter Zeit häufig 1200 Pfund Sterling und 
sogar noch höhere Gagen per Woche, die noch vor einem 
.fahre recht froh waren, wenn sie 240 Pfund Sterling per 
Woche verdienen konnten. 

• 

Der Film als Schützer der Schwiegermütter. 

In Amerika stellt das Kino sich zuweilen in den Dienst 
recht sonderbarer Ideen. So wird dort jetzt, wie man 
aus New York berichtet, ein Film vorbereitet, der „die 
Schwiegermütter rehabilitieren soll". Und zwar besteht 
die Absicht, den neuen Präsidenten der Vereinigten 
Staaten Coolidge um die Übernahme des Patronates 
dieses Films, den man wohl zu den „Aufklärungsfilmen" 
rechnen muß, zu bitten. 

Kino und Box-Salon. 

Die Vereinigung eines Kinos mit einem „Boxing Saloon", 
d. h. einer Arena für Boxkämpfe, ist das Neueste auf dem 


Gebiete der englischen Kinoindustrie. In Hightown bei 
Liverpool hat das St. James-Kino-Theater sich einen 
„Boxing Saloon" zugelegt. 

Die englische Aristokratie und der Film. 

Mit Betrübnis stell! die französische Fachzeitschrift 
„Hebdo-Film" fest, daß der Film in England selbst in den 
obersten Kreisen der Gesellschaft Eingang gefunden hat, 
während er „bei uns in Frankreich noch unter der unge¬ 
rechtfertigten Verachtung vieler Leute selbst der 
niederen Stände zu leiden hat". Und die genannte Zeit¬ 
schrift berichtet, daß in dem historischen Schlosse 
Varwick eine Filmvorstellung stattgefunden hat. der der 
Herzog von Marlborough und ein hocharistokratisches 
Publikum beigewohnt habe. „Glückliches englisches Kino," 
so ruft der „Hebdo-Film" aus, „das auf solche Weise sein 
Adelspatent erlangt und seine Sache vor der öffentlichen 
Meinung gewonnen hat!" — Ob der Herzog von Marl¬ 
borough, der bisher die öffentliche Meinung seines Vater¬ 
landes eigentlich nur mit seinen Eheaffären beschäftigt 
hat, am Film Gefallen findet oder nicht, scheint uns, im 
Gegensatz zum „Hebdo-Film", im Grunde gleichgültig. 


Kino-Namen nach Filmstars. 

In New York ist man, wie uns von dort geschrieben 
wird, gegenwärtig damit beschäftigt, die Namen einer 
Reihe der größten Kinos abzuändern. Die Kinos sollen 
künftig nach den bedeutendsten amerikanischen — 
männlichen oder weiblichen — Filmstars benannt werden. 


proWern 

der Dio-Prolektion mit.e's 
Spiegellampen ohne die 
störende Schattenbildung 
auf der Projektionswand 

ifi gelofl 

durch die neue 

HAHNGOERZ 

©c&attenfreie 

X)ta*(£tnrtd?tung 

für ftino C^pieaellompen 

Fordern Sie kostenfrei unsern Sonder-Prospekl 

AKTIENGESELLSCHAFT HAHN 
FÜR OPTIK UND MECHANIK, CASSEL 




Nummer 872 


Dt t Rm mota atop ft 


Seite 15 


Stuttifdtau 

Eine amerikanische Stimme zur Innenbeleuchtung 
der Kinotheater 


/^Lerade als die vorige Nummer des Kinematographen 
gedruckt wurde, hat uns der Zufall, der launenhafteste 
aller Götter, eine Arbeit von Lloyd A. Jones aus der Zeit¬ 
schrift der amerikanischen Beleuchtungstechniker auf den 
Tisch geweht. Sie hat eine experimentelle Unter¬ 
suchung über die für Kinotheater zulässige Innen¬ 
beleuchtung zum Gegenstand. Die ersten Messungen 
erfolgten in einem Saal von 13 m Länge und 4 '4 m Höhe, 
dessen Decke weiß war und dessen Wände einen braunen 
Ton hatten. Als Proiektionsschirm wurde eine metalli¬ 
sierte Wand von Gaumont benutzt, bei der die Strahlung 
bei Winkeln von 15" rechts und links der Achse rasch 
abnimmt, innerhalb dieses Winkels aber stark ist. Der 
Strom der Projektionslampe betrug 25 Ampere. Dabei 
erscheint die Wand innerhalb des ausgenutzten Winkels an¬ 
nähernd so hell wie ein Stück weiße« Papier, das von einer 
25-Watt-Glühlampe aus 36 cm Abstand beleuch.et wird. 
Es ist dies eine Beleuchtungsstärke, wie sie erfahrungs¬ 
gemäß in vielen Theatern benutzt wird. 

Von vornherein stand fest, daß nur eine diffuse Be¬ 
leuchtung im Saal herrschen darf und daß von den 
Leuchtkörpern unmittelbar Licht weder auf den Schirm 
noch in das Auge des Zuschauers gelangen soll. Es 
wurde deshalb ein nach unten geschlossener, nach oben 
hin offener Lichtkasten verwendet, der an Schnüren ver¬ 
schiebbar an einem an der Decke angebrachten Ge¬ 
stänge hing. In der Kasten waren vier 60-Watt- und 
zwei 40-Watt-Lampen eingesetzt' er wurde am günstigsten 
so eingestellt, daß er 1 'A m unter der Decke und etwa 
9'4 m vom Schirm entfernt war und sich nach diesem 
etwas hinneigte. 

Bei dieser Versuchsanordnung erhielt man eine Decken¬ 
beleuchtung, die vorn verhältnismäßig schwach war und 
nach hinten hin zunahm. Wurden bei projiziertem Bild 
die Lampen des Lichtkastens abwechselnd ein- und aus¬ 
geschaltet, so konnte eine wahrnehmbare Änderung im 
Bild auf dem Schirm nicht festgestellt werden. In Tisch- 
höhe gemessen herrschte im Saal infolge der Decken¬ 
beleuchtung eine Helligkeit, die auf den hinteren 
Plätzen etwa der von einer in vier Meter Abstand 
brennenden Kerze entsprach, nach den vorderen Plätzen 


hin nahm sie etwa auf %—% dieses Wertes ab Schaltet 
man den Lichtkasten aus und beleuchtet man den Pro¬ 
jektionsschirm, ohne daß ein Film eingelegt ist, mit 
25 Ampere, so ist die von ihm in Tischhöhe hervor- 
gerufene Beleuchtung im Mitte! etwa 'j des von der 
Deckenbeleuchtung auf den hinteren Plätzen erzeugten 
Lichtes. 

Auf Grund dieser Messungen ließ sich nun ein Beispiel 
für einen mittleren Theatersaa! ar.geben. An der Decke 
sind in einem Abstand von —S Meter nach unten voll¬ 
ständig abgeschlossene, nach oben strahlende Leucht¬ 
körper angebracht, die an Lieh .stärke von vorn nach 
hinten zu stetig zunehmen, etwa ip der Weise, daß dit 
Lichtstärken im Verhältnis 1 :8 wachsen. Die stärker 
beleuchteten Teile der Decke belästigen den Beschauer 
deshalb nicht, weil er nach dem Schirm hinschauend diese 
helleren Teile nicht wahrnimmt. S nd Logen und Galerien 
vorhanden, so kann die Deckenbeleuchtung in ihnen 
etwas reichlicher bemessen sein, als dies im eigentlichen 
Saal der Fall ist, denn diese S'.ellen können gleichfalls 
nicht störend wirken, und andererseits ist in ihnen eine 
stärkere Beleuchtung besonders erwünscht. Vorteilhaft 
ist es. den Übergang aus dem vollen Licht der Vorräume 
zu dem Dunkel des eigentlichen Saales nicht plötzlich, 
sondern allmählich zu machen und schon aus diesem 
Grunde den Zugangswegen eine etwas stärkere Beleuch¬ 
tung zuzumessen. Besonders störend können beleuchtete 
Notenblätter der Musiker wirken, es ist deshalb Sorge 
zu tragen, daß nicht nur die Orchestcrlampen selbst, son¬ 
dern auch die notwendigerweise hellbeleuchtetcn Noten 
vom Zuschauer nicht wahrgenommen werden können. 
Auch die dem Zuschauerraum zugekehrte Wand des 
Orchesterraumes muß aus demselben Grund dunkel ge¬ 
halten sein. 

Die Umrahmung des Projektionsschirmes soll etwa 
ebenso stark beleuchtet sein wie die dunkelsten Bildteilc: 
da diese bei einem gut kopierten Film nicht vollständig 

schwarz sind, sondern immer noch ’ — 1 ,. von dem 

Licht erhalten, der auf die hellsten Bildstellen fällt, so 
empfiehlt es sich nach Jones, dem Rahmen eine neutral 
graue Tönung zu geben. 


Der Lichtbogen - Regulator — — — — — 

Es sind zwei gute Freunde, die sich auf der Wanderung durch die Lichtbild¬ 
theater getroffen haben und nun nicht mehr voneinander lassen wollen und 
können. Im Gegenteil, täglich stündlich vertieft sich ihre Freundschaft- 

Die gute Olag-Spiegellampe UHU d er neue Lichtbogen - Regulator sind 
aber auch aufrichtige und treue Freunde aller Theaterbesitzer, denn sie 
helfen ihm in seinem besonders schweren Existenzkampf. 

Sie sparen Kohlen und Strom in beträchtlichen Mengen, zirka 65 — 75‘V 

— — — — — — — — Die Olag - Spiegellampe 

OSKAR LANGE, AKT.-GES., BERLIN SW48, F RIE D R IC H S T R A S S E 220 






Seite 16 


Öft Rmcmatogrnpf) 


Nummer 872 


Zum Schluß finden wir noch e.ne Anregung, die viel¬ 
leicht Beachtung verdient. Heute liegt der Schirm 
durchweg in der Wand des Theaters. Es hindert min¬ 
destens bei langgestreckten Theatersälen nichts, ihn zu 
versenken oder wohl einfacher ihm einen Vorbau vor¬ 
zusetzen, durch den er gegenüber der Decke abgeschirmt 
wird. In diesem Falle würde es leicht möglich, die 
Deckenbeleuchtung etwas stärker zu wählen, ohne daß 
deshalb mehr falsches Licht au' den Schirm fällt. Ein 
Versuch in dieser Richtung dürfte unter Umständen sich 
lohnen. 


Kinoprofcklion im Hellen 

(Schluß) 

Sollen Kinobilder zum Zwecke der Reklame vorgeführt 
werden, so müssen sie an solchen Stellen geboten werden, 
wo Verkehr stattfindet. Es kann sich also nur um etwas 
handeln, was mit der Lichtreklame Verwandtschaft hat, 
und diese ist auf Orte beschränkt, wo nur relative 
Dunkelheit herrscht. Hier müssen wir Lichtverluste durch 
tremde Lichtquellen mit in Kauf nehmen und deshalb mit 
den Stärkstmöglichen Beleuchtungsstärken auf dem Schirm 
und mit den wirksamsten Schirmen arbeiten. 

Beim Theaterschirm verlangen wir ein gleichmäßig 
gutes Bild über einen Streuwinkel, der durch die Ab¬ 
messungen des Saales gegeben ist. Bei der Straßen- 
reklameprojektion wäre dieser W : nkel wenigstens in den 
meisten Fällen an sich klein; d _nn die Verkehrspolizei 
würde derartige Projektionen wohl nur für Plätze oder 
so breite Straßen gestatten, auf denen der Beschauer 
einen großen Abstand von der Wand hat, und außerdem 
würde es nicht stören, wenn das Bild nach der Seite hin 
an Helligkeit stark abnimmt. Ob die zurzeit schon auf 



Kölner Photo- und Kino-Zentrale 

Neuraarkt 32-34 KÖLNa^RIv Tel.: Kinozentrale 

dort bekommt man fachminniack geholfen, dort hat 
man die größte Auswahl in allen *utea Fabrikaten. 


Maschinen 

Spiegellampen 

Umformer 

Gleichrichter 

Transformatoren 

Widerstände 

Kohlen 

Objektive . sonstigr 

kinotedmiidie Artikel 

angemessenen Preisen. 



General-Vertrieb g K?.?“ 1 ? Blfl 


Eneotaisi« 

Vestlilei. 


dem Markt befindlichen Schirme für eine derartige 
Straßenkinoreklame ausreichen, mag dahingestellt bleiben. 
Die Forderungen, die an einen Schirm für Reklamezwecke 
zu stellen sind, wären: äußerste Helligkeit, erzielt durch 
eine etwa nach Art der Perlenwändc. aber möglichst regel¬ 
mäßig ausgebildete reflektierende Oberfläche, und Kon¬ 
zentration des Lichtes auf einen verhältnismäßig engen 
Streukegel mit einem scharfen Lichtabfall nach außen hin. 
Dieser scharfe Lichtabfall ist deshalb notwendig, weil er 
gleichzeitig verbürgt, daß von anderer Stelle zum Schirm 
gelangendes Licht nicht in die Richtung reflektiert wird, 
in der sich der Beschauer befindet. Außerdem müßten 
sie entweder von Hause aus einigermaßen wetterbeständig 
sein, oder es müßte doch die Möglichkeit bestehen, sie 
gegen den Einfluß des Wetters schützen zu können, ohne 
daß ihre Helligkeit wesentlich vermindert würde. Einer 
Reklame, der ein derartiger Schirm zur Verfügung stehen 
würde, würde, geschickt geleitet, jedenfalls für eine be¬ 
stimmte Zeit der Erfolg nicht versagt bleiben. Sie müßte 
sich, wie jede Reklame, der Öffentlichkeit anbieten, ohne 
aufgesucht zu werden, und deshalb würde für sie nur eine 
solche Projektionswand in Frage komme», die von 
fremden Lichtquellen und der Beleuchtung, wie sie die 
Straße der Großstadt während der Dunkelheit aufweist, 
nicht gestört wird. 

Richtige Tageslichtprojektion würde für Reklame in 
Warenhäusern oder von direkter Sonnenheleuchtung nicht 
getroffenen Passagen in Frage kommen. Hier ist an 
erster Stelle zu sagen: Eine wirksame Reklame muß an 
diesen Stellen verkehrshindernd wirken, sich also ver¬ 
bieten; tut sie es nicht, so lohnt sie nicht die Kesten. 
Versuche, die Kinoreklame in dieser Richtung auszu¬ 
bilden, erscheinen deshalb verfehlt 

Die Aufgaben, die man bisher der Tageslichtproj«ktion 
gestellt hat. dürften deshalb kaum lohnend sein. Für das 
Theater wird es wohl sein Bewenden haben müssen mit 
der Projektion im Dunkeln, wenn man das Dunkel viel¬ 
leicht auch so weit vermindern könnte, daß ein ganz 
schwaches Dämmerlicht über dem Zuschauerraum aus¬ 
gebreitet ist: es muß aber das Dunkel so weit erhalten 
bleiben, daß beim Zuschauer weder die Konzentratin i 
gestört noch das Auge von fremdem Licht getroffen wird 
Ein weites, zurzeit noch vollständig brach liegendes Feld 
für die Projektion im Hellen bietet aber die Reklame, und 
hier dürfte cs für die Technik und für die Organisation 
möglich sein, mit Erfolg zu arbeiten. 


Rad : o im Kino 

Durch die Freigabe des Radic-Verkehrs in Deutschland 
ist die Frage aktuell geworden, dem Beispiele Englands 
und Amerikas zu folgen und in den Kino-Theatern Deutsch¬ 
lands die Gäste drahtlos auf dem laufenden über die 
Tagesereignisse zu halten. 

In den vorgenannten Staaten werden während jeder Vor¬ 
führung in Kinos oder Varietes von Zeit zu Zeit die 
neuesten Ereignisse veröffentlicht. 

Es geschieht dies in der Weise, daß ein drahtloser Tele- 
phonie-Empfänger an einer beliebigen Stelle, eventl. auf 
der Bühne, montiert ist, der von den benachbarten Gebe¬ 
stationen. Broadcasting genannt, alles Wissenswerte auf¬ 
nimmt und durch einen Lautsprecher das Gehörte den 
Anwesenden vermittelt. 

Der Besitzer eines solchen Apparates ist natürlich auch in 
der Lage, außerdeutsche Sende-Stationen zu empfangen, 
soweit sie im Bereiche der erlaubten Wellenlängen liegen, 
so z. B. die Konzerte und Vorführungen der Londoner 
Oper. 

In England und in den nordischen Staaten werden bereits 
seit geraumer Zeit Vorführungen der großen Theater und 
Opern, hinter deren Bühnen Sender aufgestellt sind, in die 




Nummer 872 


Oer Rmcmotagropfj 


Seite 17 


Welt gefunkt, so daß es möglich ist, einen beliebigen 
großen Sänger, der z. B in Coventgarden in London auf- 
tritt, hier in Deutschland in jedem Kino-Theater oder 
sonstigen Etablissement zu hören. 

Kino-Schuch. Berlin SW. 48. Friedrichstraße 31, hat. 
dem Zuge der Zeit folgend, sich eine Radio-Abteilung ein¬ 
gerichtet, woselbst in Kürze Vorführungen und Besichti¬ 
gungen stattfinden können. 

Die Ausgaben für einen derartigen Apparat sind eine 
einmalige; die Zubehörteile funktionieren bei guter Be¬ 
handlung jahrelang; lediglich die 6-Volt-Heizbatterie muß 
von Zeit zu Zeit aufgeladen werden. 

Für Kino-Theater und Varietes muß mit Apparaten von 
großer Lautstärke gerechnet werden, da an diese ein 
Lautsprecher angeschaltet wird. Es kommt in dtesem Falle 
ein 4-Röhren-Empfänger in Frage, der durch 2-Röhren-Ver- 
stärker die nötige Kapazität und Lautstärke erhält. 

Wer ist der Erfinder der Kinema*ographie? 

In der Königlich Britischen Gesellschaft für Photo¬ 
graphie in London hielt kürzlich E. Vilburn Scott einen 
Vortrag über den Ingenieur Augustin Le Princc, den er 
für den eigentlichen Erfinder des Kinematographen 
erklärt. Le Prince hat in den Jahren 1880 bis 1890 eine 
Kamera konstruiert, auf der er mehr als 16 Aufnahmen 
in der Sekunde machte. Er hat ferner die Glasplatten 
durch den biegsamen Film ersetzt, hat die Führung mit 
perforiertem Zclluloidstreifen unter das dazugehörige Rad 
mit Knöpfen erfunden, die in die Löcher der Führung 
eingreifen, u. a. m. Schließlich hat er bereits im Jahre 1889 
in der englischen Stadt Leeds einen Apparat vorgeführt, 
der in schneller Folge Momentaufnahmen auf eine weiße 
Flache warf, wodurch der Eindruck bewegter Bilder ent¬ 
stand. Also würde Le Prince in der Tat den Kinemato¬ 
graphen vollständig eriunden haben und alles Spätere 
wäre nur noch technische Verbesserung und Vervoll¬ 


kommnung. Am 16. September 1890 bestieg Augustin 
Le Prince zu Dijon den Eisenbahnzug. um nach Paris zu 
fahren. Seit diesem Tag ist er verschwunden: man hat 
ihn nicht wieder gesehen und nichts von seinem Verbleib 
gehört. Der englische Gelehrte rechnet mit der Möglich¬ 
keit, daß er Agenten amerikanischer Erfinder in die 
Hände gefallen sei, die von seinen Erfolgen gehört haben 
und den Konkurrenten um die Ecke brachten. Das ist 
eigentlich eine schwere Verdächtigung, die unter den 
englisch - amerikanischen Freunder nicht Vorkommen 
sollte, außerdem etwas reichlich an die Erfinderschicksale 
in den angelsächsischen Unterhaltungsfilmen erinnert. 


Bekanntgemachte Patentanmeldungen 



Kl. 57a. Gr. 36. B. 101 350. angem. 2. IX. 1921. Amerika 29 
V. 1914. P. D. Brewstcr, East Orange. New Jersey. Verfahren 
zum Herstelien farbiger Kinofilme (3. IX. 23.) 


Kl. 57a. Gr. 36. B. 102 693. angem. 8. XII. 1921. A. d. Brayer. 
Paris. Verfahren zum Herstellen von P.elief-Kinofilmen. (3- IX. 231 
Kl. 57a. Gr. 36. H. 91 523. angem. 26. X 1922. England 1 XI. 
1921 R. 0. P. Humphery. London Bridge & C. H. Friese-Greene. 
Bromley. Verfahren und Vorrichtung zur Farbenkinematographie. 
(3. IX. 23.1 

Kl. 57a. Gr. 36. P. 42 963. angem. 7 X. 1921. Frankreich 24 
XI. 1920. Path* Cinema, Paris. Farbenkino. P. 43 596. angem. 
1. II. 1922. Frankreich 10. II. 1921. Bi dbandiräger für Spiclzcug- 
kino. (3. IX 23.) 

Kl. 57a. Gr. 37. A. 36 712. angem. 30 XI. 1921. Akt.-Ges. Hahn. 
Ihringhausen. Kino-Spiegellampe. (3. IX. 23.) 

Kl. 57a. Gr. 37 A. 38 355. angem. 28. VIII. 1922. Allg. Elcktr 

Ges., Berlin. Einrichtung zum Umwardlen eines gewöhnlichen 
Kinoprotek ors in einen Stillstandsprojektor. — A. 39 038. angem. 
22. XII. 1922. Stillstandskino. Zus. zu D. R. P. 353 1C6. (3. IX 23 I 
Kl. 57a. Gr. 37. A. 39 284 angem. 30. I. 1923. Askama-'Ä'erke 
und Carl Bamberg. Berlin-Friedenau. Verschluß für Auinahmc- 
kino (3. IX. 23.) 

Kl. 57a. Gr. 37. P. 44 732. angem. 4. V 111 1922. Prisma Appa 
ratebau. Berlin. Se bsttätige Kuppelung lür die Fortschalt', or- 
richtung bei Kinematographen. (3. IX 23.) 









Seite 18 


Nummer 872 




Einsendungen an« der Industrie. 

Unter dem Titel „Derdeutsc i e V cinbau" vollendete die 
Kulturabteilung der „Ufa“ eines dar größten Filmwerke der Neu¬ 
zeit. In einer über 2000 in langer. Filmfolge wird in vier großen 
Abteilungen in einer eingehenden Weise, wie sie gewissenhafter 
wirklich undenkbar ist, der Werdegang des edlen Rebensaftes 
vom Erzeugungsort bis zur Trinkfertigkeit geschildert. Der 1. Teil 
beginnt mit der Vorführung der deutschen Weinbaugebiete, im 
2. Teil lernen wir die Einzelheiten der Rebenzucht vom Anbau 
bis zur Ernte kennen. Weiterhin wird die Fertigstellung von 
Still- und Schaumweinen in allen Einzelheiten vorgeführt; zuerst 
die Kelterung, die Vorgänge der Gärung. Abfüllung. Lagerung 
usw. Der letzte Teil behandelt erschöpfend die Schädlinge des 
Weinbaus und ihre Bckämpfurg. Die wissenschaftliche Auf¬ 
nahmeleitung und Bearbeitung s-.ammt von Dr. Ulrich K. T. 
Schulz, der bei seinen langwierigen Arbeiten tatkräftig vom 
Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft unterstützt 


Drei Filme aus der wissenschaftlichen Abteilung der Ha: 
..Aus Wildvogels Kinderzcit", ..Schlangengezücht'' und der 
wissenschaftliche Großfilm ..Vom Halm bis zur Flasche" (Die 
Herstellung des Bieres). Ferner bringt das Programm der Ha 
einige Lustspiele darunter eines mit Henry Bender: ,,Der falsche 
Selbstmörder 


Ein Spiel zum Lachen und zum Weinen nennt Charlie Chaplin 
sein neuestes großes Werk „The Kid". Es ist die einfache und 
doch rührende Geschichte von der Liebe eines Heimatlosen, der 
sein ganzes Herz an ein Findelkind hängt. Trotz dieses Vor¬ 
wurfes zeigt der Film doch wieder den tiefen Menschen Chaplin, 
der das Leben sieht, wie es ist; lustig und ernst. 


Wissenschaftliche Filmvorträge ab t. November bis 10. Novem¬ 
ber abends ':9 Uhr im Hörsaal der Urania, Taubenstraße 48 49. 
„Was uns die Tierwelt der Nordsee erzählt", ein biologischer 
Film der Kulturabteilung der Ufa, mit farbigen Diapositiven und 
Begleitvorträgen eines Fachwisscnschaftlcrs. Außer den Stamm¬ 
karten zu den Sericnveranstaltungen (50 Prozent Ermäßigung! 
sind Eintrittskarten nur noch in beschränkter Zahl an den Vor¬ 
führungsabenden erhältlich. 


in vollem Gange sind die Aufnahmen zu dem neuen Gro߬ 
hirn der Paul-Wegener-Film A.-G. „Lebende Buddha s", 
einer Phantasie aus dem Schneelande Tibet. Das Werk ist das 
Ergebnis jahrelanger hingebungsvoller Arbeit und liebevoller 
Beschäftigung Wegcners mit dem merkwürdigen Zauber dieses 
Landes. Wegener selbst leitet die Inszenierung des groß ange¬ 
legten phantastischen Filmes und spielt den Groß-Lama. Die 
weibliche Hauptrolle spielt Asta Nielsen. In den anderen 
Hauptrollen wirken mit: Käthe Hcack, Grigory Chmara. Karl 
Ebert, Friedrich Kühne. Max Pohl, Heinz Schroth, Hans Sturm. 
Die architektonische Ausgestaltung leiten Prof. Hans Poelzig 
und Botho Ilöfer; Kostüme: Berti Rosenberg. Operateure: 
Sceber. Kuntze und Rona. Die gesamte Produktionsleitung hat 
Berthold Held übernommen. 


In dem neuen Turma-Großfilm „Judith" (Manuskript: Lothar 
Knud Fredrik und Theo Frenkel-Bouwmeßler) wird die Titel¬ 
rolle Helena Matkowska verkörpert. In weiteren Rollen: Olga 
Limburg. Claire Rommer. Oskar Marion. Heinz Saltner, Ernst 
Rückert. Adolf Klein. Die Aufnahmen in der Jofa haben be¬ 
gonnen. 

Harry Liedtke wurde von der Trianon-Film A.-G. für die 
männliche Hauptrolle des Films „Ein Traum vom Glück" 
verpflichtet. Regie: Paul Ludwig Stein. 


Die Deutsche Sport-Film G. in. b. H , die kürzlich ihr erstes 
Filmwerk „Motorlos in den Lüften" fertiggestellt hat. hat ihr 
Interessengebiet insofern erweitert, als die Firma „Alpina" 
Deutsche Alpen-Film G. m. b. H. in ihr aufgegangen ist. Die 
„Alpina" wird künftig als ein besonderer Produktionszweig der 
Sport-Film G. m. b. H. in Erscheinung treten und sich beson¬ 
ders mit der Herstellung alpiner und hochalpiner Filme be¬ 
fassen. Der bisherige Leiter der „Alp-.na" Deutsche Alpen-Film 
G. m. b. H., Siegfried Wagener, tritt somit auch in die Leitung 
der Deutschen Sport-Film G. m. b. H. ein. 


Unter dem Titel „Die Prinzessin und derFremde 
erscheint demnächst im Rahmen der Viola Dana-Filme des 

Film-Verlages Wilhelm Feindt ein fünlaktiges Drama mit Viola 

Dana in der Hauptrolle. Die Handlung spielt in Japan vor dem 

Erdbeben. 

Dem Film-Verlag Wilhelm Feindt ist es gelungen, die authen¬ 
tischen Aufnahmen von der Filmexpedition der Universal-Film- 
Manufacturing Co., New York, nach Siam und Neu-Guinea zu 
erwerben. Das Filmwerk wird unter dem Titel „Erlebnisse 
auf Neu-Guinea" — „Schiffbrüchige unter Kannibalen" 
im Rahmen der Juwclklasse herauskommen. 


Für die Spielzeit 1923 24 bringt die Ifa (Internationale Film- 

A.-G.) ein umfangreiches und besonders ausgewähltes Verleih¬ 

programm, das sich in drei Abteilungen gliedert. 

Ifa-Produktion: „Menschen" (Regie: Rudolf Meinert). „Quaran¬ 
täne" (Regie: Max Mack), „Die Hochzeit von Valcni" und als 
vierten den diesjährigen historischen Großfilm „Vaterland". 


Eine Auswahl der neuesten und besten Goldwyn-Produktionen 
„Um Weib und Kind". „Im letzten Moment", „Die geheimnis¬ 
volle Goldinsel", „Die Frau an der Kette“, „Sintflut" und den 
berühmten Film „Seelcnhandel". 


Ein wissenschaftlicher Lehrfilm über die Hypnose wird von Dr. 
ined. C. Thomalla für die Kulturabteilung der Dafu (Deutsch- 
Amerikanische Film Union) hergestellt. Als fachwisscnschaft- 
lichen Mitarbeiter hat er den Berliner Nervenarzt Dr. Kronfcld 
vom Institut für Sexualforschung verpflichtet. 


Asta Nielsen wird in dem neuen Metrofilm von Stefan Zweig 
as Haus am Meer“ die Rolle der Katharina spielen. 


Der Trianonfilm „Zwei Menschen" (nach dem Roman von 
Richard Voß) wurde kürzlich in Wien uraufgeführt und wird 
von der gesamten Wiener Presse glänzend besprochen. Die 
„Neue Freie Presse" schreibt: „Die Darstellung ist sehr gut. 
und auch die Regie leistet Erstajrliches. Hinreißend schöne 
Bilder aus der Hochalpenwelt gibt cs da zu sehen und auch die 
in Rom spielenden Szenen machen tiefen Eindruck." Die 
übrige Presse lobt den Regisseur Hanns Schwarz, sowie die 
Darstellung von Olaf Fjord und Agnes Esterhazy. 



J 























Öct Rinctnntograpfi 




von langjährigem 1-ilmfach- 
mann zu pachten gesucht, 
la Referenzen. Eingehende 
Mitteilungen erbeten unter 
K. Z. 8166, Scherlhaus, 
Berlin SW 68. 


Theater 

mit Wohnung 


An unsere Inserenten! 

L'm unsere Berechnungsart für Anze : gen 
den Bedürfnissen des Geschäftsverkehrs 
anzupassen, berechnen wir seit dem 
t. November d. J. in Goldmark. Die Anzei¬ 
genpreise sind jeweils aus der Fußnote am 
Schluß dts Anzeigenteils ersichtlich. 

Für die Abrechnung gelten die Richt¬ 
linien der Vereinigung Großstädtischer 
Zeitungsverteger e V.: 

1. Die Rechnungen werden in Gold- 
mark ausgestellt. Eine Goldmark = 
ein Dollar geteilt durch 4.20 

2. Die Beträge müssen spätestens inner¬ 
halb 8 Tagen, gerechnet vom Datum 
der Faktura, in unseren Händer sein. 

3. Die Zahlung erfolgt durch: 

ai Goldgiroüberweisungen.Gol Jscheck 

b) Devisen, soweit gesetzlich zulässig 

c) Dollarschatzan Weisungen. Goldar, 
leibescheine — nach freier Verein¬ 
barung auch andere wertbeständige 
Zahlungsmittel — 

et Papier mark. 

Gutschrift der Zahlungsmittel erfolgt 
zu dem am Zahung-abgangs'age 
letztbekannten amtlichen Berliner Kurs. 
Verrechnungsscheck und Schecks auf 
auswärtige Plätze, die auf Papiermark 
lauten, werden nicht angenommen. 

4. Bei Zahlung nach Fähigkeit werden 
unter Vorbehalt der Geltendmach mg 
anderer Rechte ßankzinsen md 
Kosten berechnet. 

August Scherl G. m. b. H. 


Anhau! von Filmrollen, 
Filmabfällen undPerio- 
rierspänen Ausarbei¬ 
tung sftmti. edelmefall- 
halfigen Rückstände. 


F | Perforier-Späne, Abfälle. 
| Filmrollen sowie 

’ilmabfälle 

kauft jeden Posten 

W, NELKE 

Berlin SW61. Belle Alliance Str 95 

1 Kinoapparat 



ALT-FILME 


mit hohem kauft jeden Posten 

' F Oenzin SOLBACH & KAULERTZ 

" DÜSSELDORF, Graf - Adolfstraße 44 


erhalten ihre Kritiken und sonstige 
Zeitungsausschnitte am besten vom 
ältesten Zeitungsausschnitt - Bureau 

Arfius-lfochrichtenbureau G.m.b.H. 
Berliner Liter.-Bureau G, m. b. H. 

Berlin IW« / Wilhelm,trat»« 11* 

Telephon Lützow 6797. 















































20 


t>cr Rincmotoßtopfi 


Nummer 872 


















































































Der richtige Spicgeilampenfransformator 

ist unser 

„PILOT“ 


ein Triumph der kinoinduMrir 

Verlangen Sie postwendend Ausführliches durch das 

Westdeutsche technische Büro für 
Projektion und Kinematographie, ESSEN 


Man 

schreibt uns: 


. _ ^ 


yy/**- ' 


Diese unaufgefordert eingesandte Anerkennung trägt 
das Datum vom 5. 10. 23 und beweist, daß trotz 
der ungünstigen Verhältnisse die Möglichkeit besteht, 
durch Anzeigen in unserem Fachblatt 

Der KinemaloorapI) 

neue Geschäftsverbindungen anzuknüpfen. 


APPARATE 

aller Systeme 


nur Original-Ersatzteilen I = 

Für fachgemäße Ausführung 
wird Garantie geleistet. 

Reichhaltiges Lager in L.rni pleiten 

Kino-Einrichtungen aller Fabrikate 

„Krupp - Ernemann" 

Spiegellampen 


.Kinograph“ Franhiurl a.M. 

nur Moselstrabe 35 


Spezial-Kohlen 

für Kino-Projektion aller Art ’v 

Regulier-Widersländc 

Saalverdunkler * Apparate ^ 

eigener Fabrikation, billigst 

A. Frankel» Leipzig 




filme für Italien 

Bekannter deutscher Fachmann reist 
regelmäßig nach Italien und ist bereit 

Filmverkäufe in Italien 

xu 'vermitteln. Offerten unter K. A. SlöT an den 

Scherlverlag, Berlin SW ÖS, Zimmerstraße 00—41 


Erste Referenden und Sicherheiten stehen zur Verfügung 

























»THE KID« 

VERFASSER, REGISSEUR U. HAUPTDARSTELLER 

CHARLIE CHAPLIN 

Unter den Mitwirkenden: 

JACKIE COOGAN / EDNA PURVIANCE 

Der Film, der in der ganzen Welt durch 
viele Monate auf das Publikum die 
ungeheuerste Anziehungskraft ausübte 




URAUFFÜHRUNG IN DEN 
UFA - LICHTSPIELEN 

TAUENTZIEN-PALAST 

AM FREITAG, DEN 9. NOVEMBER 1923 



































17. Jahrgang, Nr. 873 Berlin. 18. November 1923 

DER BESTE FILM-KOMIKER 
DER WELT! 



in der großen fünfaktigen 
amerikanischen Komödie 


Max heiratet sein Weibchen 



ALTHOFF-AMBOS-FILM A.-G. 








Seite 2 


Öet Rftrcmatograpfi 


Nummer 873 



Münchener Lidilspficlkunsf A.-G. 

MÜNCHEN, Sonnenstraße 15 

FERNRUF 55601-03 TELEGR.-ADR. „EM ELK A" 



Eine eigenartige Handlung von fortreißender dramatischer 
Wucht — Darstellung und Ausstattung allerersten Hanges 



MANUSKRIPT: A. Schirokauer und Franz Seitz 

REGIE: FRANZ SEITZ 

BAUTEN: Willi Reiber u. Max Heiibronner 

KÜNSTL. BEIRAT u. KOSTÜME: Kunstmaler Franz Paul Gla$ 
PHOTOGRAPHIE: Franz Koch u. Friedrich Weinmann 
HAUPTROLLEN: Eduard von Winterstein, Agnes Straub, Maria 
Mindszenty, Olaf Fjord, Wilhelm Diegelmann, Rolf Münz, Paul Biensfeldt, 
Ferdinand Martini, Fritz Kampers 


VERLEIH 

Bayerische Film G. m. b. H. im Emelha-Konzern 

München / Berlin / Frankfurt a. M. / Hamburg / Düsseldorf ' Breslau / Danzig 

















Nummer 873 


Oct Rinctrctopraph 


Seite 3 


MOZARTSAAL BERLIN 



1 ' 1 












Seite 4 


3er Rmcmatograpft 


Nummer 873 



Ein moderner Filmroman in 5 Akfen von H. L. Rodgerson 


Mr. Vändertelier.William O'Murray lAmeriHa) 

Evelyne, seine Frau . . Lanfelme Dürrer (Schweiz) 

Winnie, ihre Sch wester. Lotte Neumann (Deutschland) 

Jonny .Luigl Serventi (Italien) 

Re fiaelo, Prokur isi b Vanderfeiler Emil Moser (Deutschland 

Petruccio.Tanja Splridoncft Rußland) 

Die Gespielin .... Dubroonlka Zimolo (Jugoslawen) 
Die Sklavin.Jeanne MousmO (Türkei) 

REGIE' F W.KOEBNER 

Aufnahmen In: Eerlin • Rom- Mailand -Venedig-Triest 
Fiume • Circvenica • Veglia • Abbazia 
Brioni • Prag • Belgrad 
Budapest 


Der Film 

Ist am 1. Dezember 19123 
vorfilhrungsberelt 


MOLDAVIA-CONSORTIUM EXPORTVERKAUF 

BERLIN - LEIPZIGER STRASSE 114 - TELEPHON: ZENTRUM 3604 UND 7006 







































17. Jahrgang, Nr. 873 Berlin, 18. November 1923 



Deutschland und Amerika 

Wirtschaftspolitische Bemerkungen zu der amerikanischen Filminvasion. Von A r 


Internationale Premierenhochflut in Berlin. Es ist, als 
* ob der Damm, den man künstlich und naturwidrig 
jahrelang gegen den amerikanischen Film aufgerichtct 
hat, plötzlich geborsten ist. 

Es ergießen sich über die deutschen Kinobesitzer und 
über das deutsche Kinopublikum gute und böse, neue und 
alte Erzeugnisse der Vereinigten Staaten. Ein Glück 
und ein Unglück zugleich. Ein Glück, weil man jetzt 
endlich einmal wirklich eine umlassende Uebersicht über 
die Filmleistungen unserer Fachgenossen drüben in 
Amerika erhält, ein Bild von dem jetzigen und von dem 
früheren Stand 

der Filmherstel- D a s B ' 1 d d 

lung im Lande 
des Sternenban¬ 
ners. 

Es kann fest¬ 
gestellt werden, 
daß bei aller 

Überlegenheit 
und bei allen Vor¬ 
zügen auch drü¬ 
ben mit Wasser 
gekocht wird, und 
daß die Yankees 

neben Qualitäts¬ 
werken Durch¬ 
schnittsware her- 
stellen. die zwar 
nicht schlechter, 
aber auch nicht 
besser ist als das. 
was aus deut¬ 
schen Ateliers 
hervorgeht. 

Zunächst ist 
man natürlich 
vom amerikani¬ 
schen Film en¬ 
thusiasmiert. Man sieht neue Gesichter, eine ganz andere 
Art der Photographie, fremde Landschaften, Möbel, von 
denen man nicht totsicher feststellen kann, ob sie von 
Beermann oder Dahlheim stammen, kurz, etwas ganz an¬ 
deres, das zunächst einmal gefällt, weil bekanntlich jede 
Abwechslung ergötzlich ist. 

Dann aber erfreut am Amerikaner die einfache, 
schlichte Handlung. Er erzählt eine populäre Geschichte 
und verlangt nicht, daß man ihm auf das Gebiet der 
schwierigsten psychologischen Problematik folgt. Er 
sieht das Wesen des Films, wie wir schon so oft betonen, 
in der Erschöpfung der rein filmischen — also der dar¬ 
stellerischen und optischen — Möglichkeiten. 

Dieses Prinzip ist durchführbar, solange man erst¬ 



klassige Darsteller zur Verfügung hat, und solange man 
es sich leisten kann, Ausstattungsszeren und Sensationen 
einzufügen, bei denen es nicht darauf ankommt, ob sie 
ein paar hundert Dollar mehr oder weniger kosten. 

Dieses Prinzip versagt aber vollständig bei der billigen 
Fabrikation, bei der Stapelware, und es ergibt sich dann, 
wenn diese Bilder zu uns komtren, die erfreuliche und un¬ 
erfreuliche Tatsache, daß sie unsere Kinobesucher lang¬ 
weilen, daß man sie abgeschmackt findet. 

Wahrscheinlich werden die Dirge in Amerika — wenig¬ 
stens, wenn man den Berichten deutscher Fachleute glau¬ 
ben darf — genau 
so liegen. Un¬ 
sere exzeptionel¬ 
len Werke, alles 
das, was aus dem 
Rahmen des ame¬ 
rikanischen Films 
herausfällt, findet 
Beifall, wenn es 
in der Handlung 
einigermaßen dem 
amerikanischen 
Geschmack zu¬ 
sagt, unsere 

Durchschnitts¬ 
bilder. vor allen 
Dingen unsere 

Kammerspielc. 
werden abgelehnt, 
weil die schwere 
Problematik dem 
Amerikaner nicht 
zusagt, der im 
Kino keine philo 
sophischc Ausein¬ 
andersetzung er¬ 
wartet, sondern 
in ihm Unterhal¬ 
tung und Erho¬ 
lung sucht. In der ausgezeichnet geleiteten Filmrubrik der 
„Neuen Freien Presse" in Wien nimmt P. N. Brinch, der 
Generalrepräsentant der „Famous Players Lusky Cor¬ 
poration" für Zentral-Europa, in der letzten Woche zu¬ 
fällig zu dem hier behandelten Thema das Wort. Er 
tröstet die Österreicher in der Hauptsache damit, daß er 
darauf hinweist, daß die Mißerfolge der französischen und 
englischen Erzeugnisse eigentlich noch größer seien, und 
mit der Aussicht auf künftige Erfolge. 

Er hofft auf günstige Erfolge und vor allen Dingen auf 
eine Vermählung amerikanischer Fähigkeiten mit euro¬ 
päischen Talenten durch die Arbeit Lubitschs. Burho- 
wetzkis, Varkonyis in den Riesen-Filmwerkstä'ten 
Amerikas. 




Seite 6 


5et Rmcmatograph 


Nummer 873 


Das ist für uns ein schwacher Trost. Wir tun gut 
daran, uns ernsthaft zu überlegen, ob es nicht andere 
Wege gibt, die zum Ziel führen. 

Im übrigen scheint mir, daß d e Frage Deutschland und 
Amerika gerade unter dem Eindruck der augenblicklichen 
starken Filminvasion auch noch von einem anderen Ge¬ 
sichtspunkt aus zu betrachten ist 

Wir stecken augenblicklich ii einer schweren wirt¬ 
schaftlichen Krise. Die Erhaltung der deutschen Wirt¬ 
schaft in all ihren einzelnen Faktoren und in ihrer Ge¬ 
samtheit ist das wichtigste Problem und die vornehmste 
Aufgabe jedes einzelnen deutschen Staatsbürgers. 

Das ergibt, auf den Film speziell angewandt, die Ver¬ 
pflichtung zu einer weitgehenden Unterstützung der 
heimischen Produktion, zumindest aber eine Bevorzugung 
der rein deutschen Unternehmungen. 

Man verstehe das nicht falsch. Wir sind absolut für 
die internationale Durchdringung des deutschen Kinospiel¬ 
plans. Wir wünschen den Amerikanern, Italienern und 
Österreichern dieselben kaufmännischen Möglichkeiten in 
unserem Land, die wir selbst innerhalb dieser Länder er¬ 
warten und erhoffen. Aber wir wünschen in diesem 
Augenblick auch stärkste Unterstützung der deutschen 
Filmfabrikation durch den heimischen Verleih und den 
heimischen Theaterbesitzer. 

Wir sind auch heute grundsätzlich gegen eine Be¬ 
schränkung der Einfuhr in irgende.ner Form, weil wir den 
Standpunkt vertreten, daß im freien Wettbewerb der Ge¬ 
samterzeugung des Auslands von selbst nur die großen 
Qualitätserzeugnisse Aussicht auf Absatz in Deutschland 
haben, während jetzt, unter dem Zwang des Kontingents, 
nur eine begrenzte Zahl von Bildern überhaupt Eingang 
auf dem deutschen Markt Anden kann. 

Im Augenblick ist auch schließlich die Situation so, daß 
die zur Verfügung stehende Kontingentmenge vollständig 
verbraucht ist, so daß die Erwerbung von Bildern, die erst 
jetzt oder in den nächsten Wochen in Amerika fertig¬ 
gestellt sind, schon aus koniingentstechnischen Gründen 
unmöglich ist 

Selbstverständlich ist das bis zu einem gewissen Grade 
Schuld der Verleiher und Fabrikanten, die ihr Kontingent 
nicht schnell genug verwerten konnten. Aber letzten 
Endes liegt das doch im System, dessen Schattenseiten 
immer mehr hervortreten, je länger es besteht. 

Im übrigen wird ja die Überschwemmung des Marktes 
mit amerikanischer Ware in der nächsten Zeit durch Vor¬ 
gänge innerhalb der amerikanischenEabrikation gehemmt, 
die letzten Endes auf die gleichen Erkenntnisse zurück¬ 
zuführen sind, die auch in Deutschland zu einer Steige¬ 
rung der Qualität auf Kosten der Quantität geführt haben. 

In dem schon vorher zitierten Artikel eines prominenten 
Amerikaners in dem Wiener Blatt wird unter anderem 
mitgeteilt, daß Famous Players in diesem Jahr nur die 
Hälfte der Filme herstellt, die im vorigen Jahr im Pro¬ 
duktionsprogramm gestanden haben. 

Bei Universal liegen die Dinge nach unseren Informa¬ 
tionen genau so. Man will drüben auch das Ausmaß der 
einzelnen Bilder, die Qualität der Darsteller, die Dekora¬ 
tionen und die technische Durcharbeitung vervoll¬ 
kommnen. 

Man hat häufig gesagt, daß die Einführung des deut¬ 
schen Films drüben so schwer sei, weil die nötige Propa¬ 
ganda fehle. Die Leute von Famous Players und auch 
Ben Blumenthal, einer der energischsten Vorkämpfer für 
die Einführung deutscher Filme in den Vereinigten 
Staaten, erklären übereinstimmend, daß sie Riesen¬ 
reklamen für die von ihnen gekauften Bilder gemacht 
hätten und daß der Erfolg trotzdem ausgeblicben sei. 

Uns will scheinen, daß das nur bedingt richtig ist. Es 
kommt nicht darauf an, daß überhaupt Reklame gemacht 
wird, sondern darauf, wie man sie aulzieht, und mit 


welcher Intensität sic dauernd und unermüdlich durch¬ 
geführt wird. 

Nach dieser Richtung hin ergeben sich sicher große und 
dankbare Aufgaben, aber es hat nur Zweck, sie in Angriff 
zu nehmen, wenn man weiß, daß die Bilder und die künst¬ 
lerischen Persönlichkeiten, auf die sie abgestellt sind, 
auch wirklich nachher die Erwartung erfüllen, die durch 
die Reklame in sie gesetzt werden. Wenn nicht alles 
trügt, bietet die neucs.e deutsche Produktion dafür außer¬ 
ordentlich viel Gewähr. 

Deutschland und Amerika, seit langer Zeit das bren¬ 
nende Problem, vielleicht im Augenblick sogar die 
wichtigste wirtschaftspolitischc und damit auch künst¬ 
lerische Frage — eine wichtige, aber keine entscheidende 
Frage, denn wir können, wenn man alles in allem zu- 
sammenfaßt und betrachtet, anscheinend viel eher auf 
Amerika verzichten, als Amerika auf uns. 

Die Herren aus dem Dollarland erklären zwar immer 
wieder: Was soll uns schon die schlechte Mark? Es 
gibt Vertreter amerikanischer Häuser, die den Eindruck 
erwecken, als ob sie uns einen besonderen Gefallen damit 
täten, daß sie uns liebenswürdigerweise überhaupt ihre 
Filme überlassen. 

Diese Herren müssen nicht annchmen, daß sic uns im¬ 
ponieren oder daß wir sic nicht durchschauen. 

Amerika erkennt die Bedeutung des deutschen Film¬ 
marktes in vollem Umfang. Es weiß, daß Deutschland 
wichtiges Absatzgebiet in dem Augenblick wird, wo die 
Verhältnisse konsolidiert sind. 

Es beginnt heute mit der Arbeit bei uns, um am Tage, 
wo das gute Geschäft beginnt, gewappnet und gut organi¬ 
siert dazustehen. 

Auch daraus sollten wir lemer. und gerade bei der Be¬ 
urteilung der deutschen Aussichten in Amerika bedenken, 
daß auch Rom nicht an einem Tage erbaut ist. daß die 
rechtzeitige Aufnahme der Vorarbeiten zur wirtschaft¬ 
lichen Durchdringung eines Landes manchmal das Wich¬ 
tigste, und daß der Erfolg meist davon abhängt, daß man 
rechtzeitig und zäh den Grundstein legt, auf dem man 
das große Haus aufbauen will. 

Diese Arbeit muß geleistet werden teils aus materiellen, 
teils aus ideellen Gründen. Es wird bei geschickter Arbeit 
allerhand Mittel und Wege dazu geben, nämlich besonders 
dann, wenn man grundsätzlich besonders die amerikani¬ 
sche Einfuhr von der Kompensation abhängig macht, und 
zwar von der Kompensation mit Amerika. 

Die großen Hersteller drüben stehen meist in mehr oder 
weniger engem Konnex mit einflußreichen Theater¬ 
gruppen. 

Wenn sie deutsche Filme im Tausch gegen amerika¬ 
nische übernehmen, ist das für sie ein verhältnismäßig 
kleines Risiko. Die deutsche Produktion ist groß und 
auch zugkräftig genug, die Herren drüben haben genügend 
Auswahl. Sie müssen sich allerdings die Mühe geben, 
ihr Publikum für den deutschen Film zu gewinnen. Aber 
diese Arbeit macht sich ja dadurch belohnt, daß ihnen 
umgekehrt der deutsche Markt erschlossen ist. Chaplin 
und Jackie Coogan sind auch nicht allein durch ihre 
Leistungen berühmt geworden. Man hat besonders in 
Berlin für diese amerikanischen Cracks eine ausgiebige 
Reklame gemacht, hat Artikel über sie direkt und indirekt 
in einem Umfange lanciert, der, an deutschen publizisti¬ 
schen Verhältnissen gemessen, ganz erheblich ist. 

Eine Hand wäscht die andere Das muß den Ameri¬ 
kanern einmal mit aller Deutlichkeit gesagt werden. Wir 
haben, wenn man bei diesem Vergleich bleiben will, mit 
dem Entgegenkommen begonnen. 

Wir warten darauf, daß nunmehr der amerikanische 
Teil auch seine Pflicht tut. Es wird höchste Zeit, denn 
sonst wird man gezwungen sein, dem amerikanischen Bild¬ 
streifen gegenüber eine andere Stellung einzunehmen. 



Nummer 873 


Zftr äincmatograpfi 


Seite 7 


Typus und Maske 

Von Ernst Ulitztch. 




I~^as Phänomen des Schauspielerischen läßt sich gesetz- 
mäßig nicht umschreiben Als Äußerung nervöser Reiz¬ 
barkeit wechselt es Wesen und Gebärde in der kürzesten 
Zeit, so daß die für sine Rolle 
notwendige innere Spannung 
selten die ganze Zeit in ent¬ 
sprechender Weise durchgehalten 
werden kann. Das Kino ist hier 
der Sprechbühne überlegen, da 
es die Szenen über eine längere 
Zeit verteilt, in der sich die Ner¬ 
ven des Schauspielers immer wie¬ 
der erholen können, wenn sie 
physisch der Spannungsdauer 
nicht gewachsen sind. Unterlegen 
freilich darin, daß der belebende 
Kontakt zwischen Darsteller und 
Zuschauer fehlt, der, richtig tem¬ 
periert, die versagende oder 
schwankende Energie von neuem 
antreibt. 

Wenn sich auch nicht sagen 
läßt, woher der Schauspieler die 
Kraft gewinnt, fremde Dinge in 
sich zu gestalten, so läßt sich 
doch manches Mittel erkennen, 
das ihm zur Verstärkung der 
Wirkung dient. Auch Hie Bühnen¬ 
kunst ist, so sehr sie der Unter¬ 
stützung des Wortes bedarf, in 
erster Linie eine optische An¬ 
gelegenheit. Die Erscheinung des 
Schauspielers bleibt bestimmend 
für den Erfolg, den der akusti¬ 
sche Reiz des Wortes freilich 
wirksam fördert. Der Film kennt 
nur die Erscheinung, er ist optisch selbst im Text des 
Zwischentitels, dessen glücklichste Form immer noch die 
des Dialogs ist. Die äußere Wirkung des Schauspielers 
braucht nun keines¬ 
wegs auf dem Ge¬ 
sicht zu beruhen, 
obgleich Schönheit 
immer von Vorteil 
ist. Aber auf der 
Bühne oder dem 
Film wirkt nicht so 
sehr die Gestalt, 
sondern die Erschei¬ 
nung, das heißt, 
was der Darsteller 
aus sich zu machen 
versteht. 

In den allersel¬ 
tensten Fällen wird 
er seinen bürger¬ 
lichen Menschen 
ausstellen. Das wäre 
gegen den Sinn der 
Schauspielkunst. Er 
wird in solchen Fäl¬ 
len versuchen, 
sich den Typus 
einer bestimmten 
Gestalt, die ja im 
Leben immer wie¬ 


derkehrt, zu erzeugen, und wird dies entweder durch die 
Auslösung einer bestimmten Gebärdensprache oder durch 
die Maske versuchen. Der Film hat es hierin schwieriger 
als die Bühne, er kann nur Zu¬ 
stände geben, während dort mit 
einem Wort eine seltsame Wen¬ 
dung der Ereignisse erläutert 
wird. Bei ihm bleibt die Hand¬ 
lung unwahrscheinlich und 
sprunghaft, wenn sic nicht durch 
Motivierung eine Stütze erhält 
Motivierung nun ist die Grund¬ 
lage aller Dramaturgie. Bereits 
im griechischen Drama wurde 
der Motivierung durch Typi¬ 
sierung nachgeholfen. 

Der Zuschauer wird, sobald 
das Spiel anhebt, mitten in eine 
dramatische Entwicklung gesetzt, 
in deren Verknüpfung er sich 
erst finden muß. Um dieses Hin¬ 
einfinden zu erleichtern, setzt 
man ihm gern typische Vertreter 
einzelner Rollen vor, so daß 
seine Phantasie sich leicht die 
Vorgängc in die Wirklichkeit 
umse zen kann. Die altgriechische 
Bühne half sich mit ganz scharf 
charakterisierten Masken, wie es 
die primitive Bühne heute noch 
in aller Welt macht. Auch das 
Mittelalter, vor allem die autos 
sacramentalcs der Spanier, von 
denen das neuzeitliche Drama 
herstammt, waren auf die fest¬ 
stehenden Masken angewiesen. 
Es ist bemerkenswert, daß scnauspielernde Kinder auch 
heute noch gern zu jenem Mummenschanz greifen. Niemand 
hat die Psyche der Kinder bisher im Film besser dargestellt 
als die Amerikaner 
die darin außer¬ 
ordentlich viel Fein¬ 
gefühl zeigten und 
deren Bilder des¬ 
halb auch in der 
ganzen Welt mit 
Beifall überschüttet 
wurden. Wenn 
„Fredy als Hamlet" 
auftritt, so ist das 
natürlich ein Scherz, 
der über die Grenze 
kindlicher Auffas¬ 
sung hinausgeht. 
Aber in der Art, 
wie die Maskerade 
ausgeführt ist, ver¬ 
rät sich die unbe¬ 
fangene kindliche 
Phantasie, die sich 
der nächstliegend¬ 
sten Dinge bemäch¬ 
tigt, um sie in sei¬ 
nem Sinne zu ge¬ 
brauchen. 

Für den Regisseur 


Mouchoukin als Tolstoi in „Vater Sergius'' 


.Fredy spielt Hamlet ". Maskeradeszene in einem amerikanischen Kinderlustspiel 



$ce Rincrnatopraph 


Nummer 873 



(Phot. Ocr.dl 

Werner Krauß als ..Puppenmacht r von Kiang-Ning" 


ergibt sich nämlich heute dringender denn je die Frage: 
Soll eine bestimmte Rolle mit dem Typus des Vertreters 
besetzt werden — oder soll irgendein Schauspieler die 
Maske machen Die Sprechbühne kannte früher die strenge 
Teilung der Rollen. Jeder einzelne hatte sein Fach und 
glitt langsam durch die ewigen Wiederholungen in den 
Typus hinein. Die Bühne kann sich das gestatten — der 
Film steht vor ganz anderen Aufgaben, denn die Photo¬ 
graphie zeichnet schärfer und läßt der Phantasie des 
Zuschauers nicht den breiten Rahmen, schon durch die 
schnellere Folge der Bilder, die keine Pause erlauben 
dürfen, während gerade die kurzen Pausen auf der Sprech¬ 
bühne von Reiz sind und von der Regie in jedem 
Falle sorgfältig abgetönt werden müssen. 

Im Film hat sich der Typus bisher scharf 
durchgesetzt, und das ganz besonders in 
den Chargen. Wie im Theater, so gibt es 
auch oeim Film Bösewichte, Heldenväter, 
komische Alten und dergleichen mehr, die 
schon von außen das Gepräge der dar¬ 
gestellten Rolle tragen. Es bedeuten diese 
Typen sowohl für den Regisseur als auch 
für das Publikum eine große Erleichterung 
im Erfassen der Handlung. Im Leben würde 
man ja den verwachsenen und schielenden 
Intriganten im großen Bogen ausweichen, 
aber in der Schaustellung nimmt man keinen 
Anstoß daran, daß die seelischen Gebrechen 
sich auch als Körperfehler manifestieren. 

Der Film ist hier zur selben Rolle verurteilt 
wie o*e Malerei, die den Schurken ebenfalls 
finstere Mienen verleihen muß. Das Theater 
cönnte lebensechter sein, wenn es nicht die 
bequemere Lösung durch den Typus vor¬ 
zöge, der bei ihr freilich Schwäche der 
Dramatik ist. 

Der populärste Fall ist hier der des Judas. 

Judas. der Verräter, läuft durch die 
Malerei und Literatur seit alters her als 


jener finstere Verräter, dem bei der Geburt bereits 
das Kainszeichen aufgedrückt wurde. Sicherlich ist 
das ganz falsch. Judas war entschieden ein schöner Mensch 
mit glattem, unbeschriebenem Gesicht, der den Trieb zum 
Bösen tief innerlich in sich versteckt trug. Die Sprech¬ 
bühne oder die Oper könnte die Judasfigur von einem 
jungen Liebhaber spielen lassen und trotzdem durch das 
Wort seinen schwankenden Charakter betonen. Der Film 
muß hier wie die Malerei den Typus des Bösen von vorn¬ 
herein benutzen, weil eine seelische Wandlung von dieser 
Schärfe sich nicht bildlich darstellen läßt. Deshalb ist 
Granach der Judas des Inrifilmes und nicht etwa Josef 
Schildkraut, der die Rolle auf der Bühne gespielt hätte. 

Der Typus bedeutet aber eine Verarmung immer dort, 
wo nicht ein starkes Temperament dem Typus individuelle 
Züge aufzuprägen versteht. Das vermögen nun sehr wenige 
Schauspieler, unter denen immer noch Hugo Döblin an 
erster Stelle zu nennen ist, der wirklich seinen Figuren 
einen gespenstisch humorigen Zuschnitt gibt, und der als 
einer der wenigen expressionistischen Schauspieler an¬ 
gesprochen werden muß. Sein Rollengcbiet ist begrenzt, 
aber innerhalb dieser Grenzen ist er Meister seltsamer 
Seelenzustände. 

Die Mehrzahl der Schauspieler versucht es mit der 
Maske. Es gibt allerdings sehr viele Schauspieler, die 
niemals Maske machen, sondern sich mit ihrer bürgerlichen 
Erscheinung der Rolle bemächtigen, aber rur sehr selten 
wird etwas Vernünftiges daraus. Es treten dann jene 
Filme an das Tageslicht, in denen man sämtlichen Dar¬ 
stellern den Schauspieler ansieht. Dieser Eindruck ist 
nicht vorteilhaft, denn somit bleibt alles vor dem Zuschauer 
in dem Maße Spiel, wie es nicht sein dürfte 

Der Künstler schlüpft in jedem Fall in eine Maske. 
Welcher Mittel er sich bedient, um seine Erscheinung der 
Rolle anzupassen, das hängt völlig davon ab, wie weit er 
die Kunst der Maske beherrscht. Soll er eine historische 
Figur neu erstehen lassen, so ist vor allen Dingen erforder¬ 
lich, ihre charakteristischen Züge nachzuahmen und in sein 
Gesicht hineinzuschminken. Ob man dem Typus oder 
der Maske den Vorzug geben soll, das hängt von der 
Fähigkeit des Darstellers ab, seine Persönlichkeit nicht zu 
verlieren. Sonst sinkt er zur Marionette herab die sich 
aufstellen und bekleiden läßt, ohne anderes als eine 
Puppe zu sein. 



Eugen Klöpfer als ..Totenklaus" 




Nummer 873 


det Rinentatogcapf) 


Seile 0 




Fabrikat: First National. New York 
Länge: 1915 m 'ft Akte) 

neueste Jsckie Coogan-Fll 


i r k u s k i 

Hauptrolle Jackie Coogan 


n d 


der wieder 


großen Pub1ikum<erfoIg I 


Der 

V ier Akte lang ist man etwas enttäuscht. Man sieht 
hübsche Bilder, freut sieb über den kleinen talentie 
Amerikaner, aber man fragt sich innerlich, was denn 
eigentlich in New York und London diesen Riesenerfolg 
gebracht hat. 

Dann aber setzt es ein. Zuerst eine rasende Fahrt von 
Zirkuswagen durch eine Sturmnacht. Wildgespenstig, in 
einem rasenden Tempo und doch so wundervoll und ge- 


Eines Tages, als es wieder einmal Haue geben soll, rückt 
der kleine Tobby aus und wird Eiscremeverkäufer im 
Wanderzirkus. Er zieht mit der Truppe von Siadt zu 
Stadt und schickt regelmäßig einmal jede Woche seiner 
Mutter den Dollar, den er sich in schwerer Arbeit verdient 
Eines Tages springt er für seine kleine Freundin ein und 
wird mit einem Schlage ein berühmter Mann, der fünf 
undsiebzig Dollar die Woche verdient 



schickt beleuchtet, daß man zu 
dem Resultat kommen muß. es 
handelt sich letzten Endes um 
eine Atelieraufnahme. Aber das 
Publikum wird auf diesen Ge¬ 
danken nicht kommen, cs wird 
auch gar nicht erst überlegen, 
wie es gemacht wird, sondern 
es wird staunend eine tech¬ 
nische Höhenleistung sehen, die 
allein schon ein Stadtgespräch 
werden kann. 

Dann kommen jene Szenen 
im Zirkus, wo Tobby für seine 
kleine Freundin den Ritt auf 
dem ungesattelten Pferd wagt, 
obwohl er noch nie Reitstudien 
gemacht hat — außer auf dem Rücken einer zahmen Kuh! 

Dieses erste Zirkusdebüt wird ein ungeahnter Erfolg, 
weil sich die komischsten Dinge ergeben, bis schließlich 
der Held des Films wie ein kleiner Weihnachtsengel an 
der Leine kußhandwerfend in der Luft schwebt. 

Der Beifall des Zirkus im Bild wird sich todsicher auf 
den Zuschauerraum jedes Kinotheaters fortpflanzen. Wenige 
Szenen sichern für sich allein dem Film eine Spieldauer, 
die so leicht von keinem anderen Film erreicht wird. 

Die Handlung selbst ist echt amerikanisch. Der kleine 
Tobby lebt mit seiner Mutter bei Verwandten. Der Onkel 
läßt Mutter und Kind deutlich immer wieder das Ab¬ 
hängigkeitsverhältnis fühlen. 


octzt kann er seine Mutter 
gar.z zu sich nehmen. Kr 
kommt bei den Verwandten ge¬ 
rade an dem Tage an, wo man 
sie endgültig vor die Tür 
setzen will. 

Die Handlung ist in diesem 
Jackie Coogan-Film genau so 
wie bei „My boy" nichts an¬ 
deres als ein Soufflierbuch der 
Stichwörter, während das, was 
die Filmwirkung ausmacht, an¬ 
scheinend in der engsten Zu¬ 
sammenarbeit mit Autor, Re¬ 
gisseur, Darsteller und Operateur 
im Atelier entsteht. 

0« Man fühlt deutlich aus den 
meisten Szenen das Improvisierte. Es sind Extempores, 
die aber im Moment der Ausführung bis ins kleinste 
Detail durchdacht und durchgearbeitet sind. 

Es ist, kurz gesagt, eine Arbeitsmethode, die wir bei uns 
in Deutschland nicht kennen und können, und die vielleicht 
zum erstenmal bei der „Tragödie der Liebe" bis zu einem 
gewissen Grade Verwendung gefunden hat. 

So wird dieser Jackie Coogan-Film nicht nur ein wich¬ 
tiger Faktor im Spielplan jedes deutschen Kinotheaters, 
sondern genau wie „My boy" ein Studienrbjekt allerersten 
Ranges. 

Ein Film, den jeder sehen muß. der nur irgendwie etwas 
mit Kino zu tun hat. 





der Rmcmatocrar 


Der Puppenmacher 
von Kiang-Ning 


phantasti 


1 geschwungenen Architekti 
le. Lia Eibenschütz, die Pi 
hseltc leider auBcre Starre 
'halb ihr Spiel leer und liet 
..Puppenmachers" wirkte. 





















































































Nummer 873 


Cer Rtncmalogtapf) 


Seile II 


Alles tür Geld 


Fabrikat: 
Regie: 
Manuskript: 
Hauptrollen: 


Jannings-Film-Gcscl'schalt Bauten: Kurt Richter 

Kcinhold Schünzel Länge: 2850 Meter (6 Akte) 

Hanns Kräly und Rudolph Stratz Vertrieb: Jannings-Film 

Emil Jannings. D gny Servacs Uraufführung: U. T. Kurfürstendamm 

Photographie: Alfred Hansen und Ludwig Lippert 


Ein Bild. halb Lusispiel, 


Drama, kinowirksam, glänzend gcspiel> 




Lh in Film aus der Zeit. Zuerst ein ausgezeichnetes Lust- 
■*—* spiel, das aber gegen Ende tragisch wird. Im Mittelpunkt 
der Handlung, die Hanns Kräly und Rudolph Stratz er¬ 
dachten. der Typ des neuen Reichen, aber nicht etwa 
parodistisch, sondern mehr menschlich gesehen. Die Ver¬ 
filmung eines tragischen Geschicks, dem alle diese Neu- 
rcichs anheimfallcn, weil sie sich meist nach dem sehnen, 
was für sie unerreichbar, was für Geld nicht zu kaufen ist. 

ln diesem besonderen Falle verliebt sich S. J. Rupp. der 
Besitzer der großen Konservenwerke, in ein adliges Fräu¬ 
lein. Ihretwegen kommt er in einen Konflikt mit seinem 
Sohn, den er wider Willen durch eine Schiebung in den 
Tod treibt. 

Juristisch muß er freigesprochen werden, aber menschlich 
verläßt er gebrochen, erdrückt von der Wucht des Schick¬ 
sals. den Gerichtssaal. 

Der erste Film in Jannings eigener Gesellschaft, eine 
Rolle, die er mit besonderer Freude gespielt ha , vielleicht 
weil es ihn reizte, einmal unmittelbar aus der Zeit heraus 
zu schaffen. 

Eine Rolle, die es ihm ermöglicht, alle Seiten seines 
großen Könnens im wahren Sinne des Wortes ins rechte 
Licht zu rücken. Unerreicht zum Beispiel bei ren Szenen 
im Badezimmer, oder abci die Duellszenen mil all ihrem 
Di um und Dran. Grandios und 
vielleicht das Beste, was Jannings 
bisher überhaupt gespielt hat, der 
Augenblick, wo er draußen auf der 
Rennbahn vom Arzt erfährt, daß s in 
Sohn tot ist. 

Überhaupt diese Szenen auf der 
Rennbahn, sowohl als Ganzes wie 
au.h im einzelnen gesehen, ein 
Muster dafür, wie man fortlaufend 
Massenszenen mit dramatischer Hand¬ 
lung verknüpft. 


Im übrigen der erste Regieversuch Reinhold Schünzels. 
der wirklich gelungen ist. Ein Beweis dafür, wie richtig 
cs ist, wenn der Spielleiter auf die tragende, führende Rolle 
verzichtet. 

Dagegen macht es nichts, wenn er. wie in diesem Fallt-, 
eine kleine Episode übernimmt. Man kann auch aus 
solchen Rollen Kabinettstückchen machen. Das große 
Können zeigt sich vielleicht in solchen Fällen viel mehr. 

Interessant auch der junge Rupp. ein neuer Name. 
Ullrich ßettac. Hübsch, elegant, der Typ des Film¬ 
bonvivants, anscheinend eine wertvolle schauspielerische 
Ergänzung auf einem Gebiet, wo wir in Deutschland wenig 
geeignete Kräfte haben. 

Alles andere nur kleinere oder größere Chargen, unter 
denen Walter Rilla, Kurt Göt> und Ernst Slahl-Nachbaur 
angenehm auffallen. 

Die weibliche Hauptrolle übergab man Dagny Servaes. 
Sic sieht hübsch aus und zeigt in den wenigen großen 
Szenen, die das Manuskript ihr zuwics, ihre reiche Filni- 
begabung. 

Kurt Richters Bauten unterst!eichen das Parodistischc in 
diesem Film, eine Schnitzeljagd bringt neben den Renn¬ 
bahnszenen szenische Abwechslung. 

Alles :n allem ein guter Film im internationalen Stil. 

einer der wertvollsten deutschen 
Spielfilme der diesjährigen Produktion 
Besonderen Beifall fand dieser 
Film beim Publikum deshalb, weil er 
einen kecken Griff in das moderne 
Leben bedeutet und Probleme des 
Tages behandelt 

Daran war die deutsche Produk¬ 
tion bisher vorübergegangen und dar¬ 
um der amerikanischen an aktuellem 
Welterfolg unterlegen. Es ist erfreu¬ 
lich. daß sich das jetzt ändert 


EMIL JANNINGS 
DAGNY SERVAES (links) 
MARIa KAMRADEK (rechts) 
in dem Janningsfitm 

„ALLES FÜR GELD" 




Seite 12 


Oer Rmcmatograpft 


Nummer 873 


Brautfahrt mit Hindernissen 


Sonnabend-Nacht 


Fabrikat: 
Regie. 

Hauptrollen: 

Vertrieb: 

Uraufführung: 


Paladium- Film 
Lau Laur-.tzen 


Pat und Patachon 
1795 Meter (6 Akte) 
Ufa 

U. T No lendorfplatz 


Fabrikat: Paramount 

Regie: Cccil B. de Mille 

Haup’rollen: Leatrice Joy. Conrad Nagel 
Länge: 2496 Meter (6 Akte) 

Vertrieb: National-Film A. G. 

Uraufführung: Operctten-Thealcr am Nollcndorfplalz 




rvm Regisseur Lau Lauritzen schwent sicher so etwas wie eine 
Vereinigung des europäischen Lustspiels mit der amerikanischen 
Groteske vor. Dabei kommt das Lustspiel aber über konventionelle 
Züge nicht hinaus und nur die possenha >en Elemente der Groteske 
sind mit reiner Freude anzu- 
schauen. Lauritzen besitzt aber 
genug Temperament. um die 
neckischen Vorgänge in einem 
dänischen Mädchenpensionat mit 
originellen Einfällen zu füllen 
und den Backfischszenen eine ge¬ 
wisse Herbheit zu verleihen. Aber 
Lauritzen besitzt in Pat und 
Patachon zwei Komiker, die 
nicht allein ein vollwertiger Er¬ 
satz für die amerikanischen Ko¬ 
miker sind, sondern sic in vielen 
Dingen übertreffen. Auch 
..Brautfahrt mit Hindernissen " 
ist ein Salonlustspiel, weit das 
elegante Milieu von der Mehr¬ 
zahl der Kinobesucher verlangt 
wird und weil cs in aller Welt 
Anklang findet. Dabei lassen 
sich konventionelle Züge nich. 
vermeiden, die von der Regie 
aber geschickt verdeckt und mit 
amüsanter Milieuschilderung 
ausgefüllt werden. So z. B. mit 
sehr netten Kindertänzen, ln das 
Milieu der großen Gesellschaft 
platzen nun die Landstreicher 
Pal und Patachon hinein, die 
von einem Stellenvermittlungs¬ 
bureau vermietet werden. Sie 
sind zuerst Tafeldeckcr, die mit 
den Utensilien eines gedeckten 
Tisches allerlei Unfug treiben 
hinterher Detektive, denen nun 
die Menschen zu eben diesem 
Unfug dienen müssen Über die 
Komik der beiden Kerle, die mit 
tödlichem Ernst durch die Sze¬ 
nen gehen, wurden Tränen ge¬ 
lacht. Aber man muß es eben ge¬ 
sehen haben, wie Pat den langen 

Schädel 


Freundes 

Tischkasten ein¬ 
klemmt. ihm zärt¬ 
lich übe die Wan 
gen streicht, um 
plötzlich die Hand 
zu einer schallen 
den Ohrfeige aus- 
zuholcn und ihm 
darauf freund - 
schafllichst der 
Bart in die Höhe 
zu drehen. Man 
muß es gesehen 

um ihr bockendes 
Auto bemühen, das 
immer anders 

will. als die 
Chauffeure. Und 
man muß. um den 
Beifall des Par¬ 
ketts zu begreifen, 
die tolle Jagd 
durch alle Hotel¬ 
zimmer und -bet¬ 
ten auf der Lein¬ 
wand miterlebt 
haben, um die Be¬ 
geisterung im Nol- 
lendorf-U.-T. zu 


E in großer, anscheinend neuer Film der Paramount Die 
Handlung wiederum s.-hr einfach und unkompliziert. 

Eine Lady, die sich mit ihrem Chauffeur verheiratet, und 
ein Gentleman, der ein kleines Mädel aus dem Volk als Frau 
heimgeführt, obwohl eigentlich 
die reiche Erbin und der vor¬ 
nehme junge Mann für einander 
bestimmt waren. 

Drei Akte zeigen uns an un¬ 
zähligen Beispielen, daß derartige 
Extratouren im allgemeinen an 
Stelle des ersehnten Glücks nur 
Arger und Verstimmung bringen, 
zeigen das interessant und amü¬ 
sant, gut aufgemacht, ausge¬ 
zeichnet gespielt und noch besser 
photographiert. 

Die Menschen, die in diesem 
Film agieren, sind durchweg bild¬ 
hübsch. «ird sympathisch und 
vermeiden peinlich, in dieser an 
sich sentimentalen Geschichte 
sentimental zu werden. 

Für den F ilm entscheidend war 
natürlich die Ausstattung. Da ist 
ein Badefest im Hause mit einem 
wundervollen Schwimmbassin, mit 
ausgesucht eleganten Toiletten. 

Da spielt ein großer Teil des 
vorletzten Aktes im New-Yorker 
Luna-Park, der, wahrscheinlich 
irgendwo rekonstruiert, mit seiner 
Lichtfülle und mit seinem Mcn- 
schengcwogc ein selten hübsches 

Bild gibt. 

Am Anfang flicht man eine sen¬ 
sationelle Autokatastrophe und 
am Schluß einen Riesenbrand 
ein. Einen wirklichen Brand, bei 
dem die Feuerwehr im Galopp 
vorfährt, Riesenleitern irr die 
Höhe geschraubt werden, die 
Menschen sich drängen, obwohl 
natürlich diejenigen Szenen, in 
denen die Akteure zu tun haben, 
gestellt und eingeschnitten sind. 

Ein verheißungs¬ 
voller Auftakt, mit 
I dem sich die Para¬ 
mount ebenso gut 


ir führt 


die 


National. die s 
diese Bilder für 
uns gesichert hat. 

Ce -ilB. de Mille 
führt sich mit die¬ 
sem Bild sehr vor¬ 
teilhaft ir Deutsch 
land ein. Es gibt 
die Vorgänge nicht 
als Einzelfall, son¬ 
dern als typischen 
Durchschnitt und 
erhöht damit die 
Wahrscheinlich¬ 
keit derVorgänge. 
Deshalb motiviert 

raschungen sehr 
geschckt. und ver¬ 
rät namentli--h 

Schnitt der Bilder 
eine außerordent¬ 
liche Befähigung 
zur Steigerung der 
Szene durch den 
Kontrast, der das 
Wechselspiel in 
angenehmer Weise 
erhöht. 







5er Rincmatoarapfr 


E F.A.-Paramounl 
Ludwig Metzger-Hollands 
timitri Buchowctzki 
Emil Jannings. Dagny Servaes. 
Bernhard Goetze. Fritz Kortner 


Bauten : Dipl -Ing. Hans Dreie- 

Photographie : Curt Courant. Wi !i Han 
Länge : 2545 Meter (6 Akte) 

Vertrieb : Nationaliii-n A.-G. 

Uraufführung : Alhambr . Kurfürstcndar 
ierl and «asgezetchni 


Derlin hat augenblicklich seine Jannings-Woche. Den Schauspielerisch bietet Jannings die größte und über- 
Auftakt bildete der Buchowetzki-F lm „Peter der ragendste Leistung. Er hat hier zum erstenmal in einem 


Große“, ein Bild, das den Versuch macht, diesen historischen Film 
populärsten aller russischen Zaren von der menschlichen herausgearbeitet. 
Seite zu zeigen. Das Schwächste an 
diesem Werk: das Manuskript, in dem 


das rein Menschliche besonders stark 

Glänzend besonders der Schlu߬ 
akt. da, wo sich der Übergang voll¬ 
zieht, wo der starke, selbstbewußte 
Mensch zusammenbricht, weil ihn der 
Sohn verriet. 

Eine gute, wenn auch nicht über¬ 
ragende Leistung die Katharina der 
Dagny Servaes, eine feine Charakter¬ 
stücke der Menschikoff (Bernhard 


der Geistlichkeit ist gewissermaßen die Exposition, 
während der Krieg mit Schweden Episode wird. 

Einzeln gesehen, sind die Bilder wirkungsvoll arrangiert, 
zu einem Teil sowohl rein dekorativ — ein Verdienst des 
Architekten Hans Dreier —, als auch regietechnisch 
meisterhaft. 

Der russische Charakter des Ganzen ist absolut gewahrt. 
Die historische Treue bis in die kleinste Einzelheit hinein 
wird diesen Film besonders wertvoll machen. 


Götzke), erwähnenswert der Patriarch (Fritz Kortner), dei 
Zarewitsch, der schon im Manuskript nicht gut wegkommt 
wurde von Walter Janssen etwas weichlich dargestelli 

Von den Massenszenen fesseln einzelne Augenblicke im 
Kampf um Sewastopol, ein Fest bei Hofe mit interessanten 
Einzelausschnitten. 

Die Photographie benutzt alle Hilfsmittel moderner 
Technik und bringt stellenweise Effekte, die weit über 
gutem Durchschnitt stehen. 






PANTOMIM-FILM 

AKTIENGESELLSCHAFT 


über Deutschland ausgedehnt 

•» 

und zu diesem Zwecke in Berlin, Dresden, 
Hamburg und Frankfurt a. M. Filialen errichtet. 
SämtlicheVerträge der G.m. b H. wurden übernommen. 


Die bisher in 

Westdeutschland unter der Firma 
Pantomim-Film G. m. b. H., Köln 
betriebeneVerleihgesellschalt ist in eine 

Aktien-Gesellschaft 

umgewandelt und hat ihren Verleih 


ZENTRALE: 

KÖLN, VICTORIASTR. 2 


Verleih-Filialen: 

BERLIN, KÖLN am rhein, DRESDEN 
HAMBURG, FRANKFURT 

AM MAIN 






Nummer 873 


£>cc Kincmaiograpt) 


Seite IS 


Der Reklame-Kongreß in Paris 

(Von unserem G—ll-Sonderberichterstatter.) 


\ Tan muß es den Franzosen lassen, daß sie sich auf die 
3VI äußere Aufmachung verstehen und zu repräsentieren 
wissen wie keine andere Nation. Sie können im gleichen 
Maße ja auch liebenswürdig sein, wenn sie es wollen 
und man muß eingestehen, daß sie diesmal dazu ganz 
besonderen Willen zeigten. Der Kinematographen- 
Kongreß, der von der französischen Fachpresse so dar- 
gestellt wurde, als handle es sich wirklich um einen Welt¬ 
kongreß der Kinematographie, war ja nur als Propaganda- 
mittel für die französische Industrie gedacht, deren Er¬ 
zeugnisse trotz aller Bemühungen der Urheber in der Welt 
nicht den gewünschten Anklang finden. Es hatten sich 
zwar auf den Ruf hin etwa ISO Teilnehmer cingefunden 
von denen aber nur ein gutes Dutzend aus Großbritannien 
und aus Amerika kaum die Hälfte waren. Aus kleinen 
neutralen Ländern bemerkte man ebenfalls Anwesende, 
und selbstverständlich Vertreter der Kinematographie aus 
den französischen Vasallenstaaten im Osten, die gutheißen 
durften, was die Franzosen zu diktieren für gut befanden. 

Die Franzosen faßten den Kongreß auch sehr geschickt 
als scharmant zu bewältigende gesellschaftliche Angelegen¬ 
heit auf, bei der es Bankette. Feste, Empfänge mit Militär¬ 
musik und dergleichen gab, und wo auch einige Stunden 
den Aufgaben der Industrie gewidmet wurden. Es schien, 
als wären die Vertreter Großbritanniens etwas enttäuscht 
darüber gewesen, und sic waren es, die die vernünftigsten 
Reden und die nachhaltigsten Anregungen gaben. 

Herr Leon Gaumont, dun man gtoße Erfahrung nicht 
absprechen kann, sprach viel über die Kinosteuern, die er 
bald abgelöst zu sehen hoffte; er verbreitete sich auch über 
die Zensur, deren internationale Regelung er wünschte 
wobei natürlich an eine Regelung im profranzösischen 
Sinne gedacht war. Unter dem Vorwand, 'cchnische Ver¬ 
besserungen zu erklären, zeigte er seinen ..Sprechenden 
Film" und den „Farbenfilm", von denen letzterer den 
Berliner Fachkreisen noch von jener Vorstellung aus in 
Erinnerung ist, die kurz vor dem Kriege stattfand. Ver¬ 
besserungen sind an dem „Chromochrom-Gaumont" nicht 
vorgenommen worden; und auch von Gaumonts sprechen¬ 
dem Film darf man sagen, daß er hintei den deutschen 
Erfindungen auf diesem Gebiet weit zurückbleibt. 

Von den Engländern sprach Majcr Gale und machte den 
Amerikanern mehrfache Verbeugungen, indem er die 
amerikanischen Verhältnisse als sehr vorbildlich pries. 
Namentlich die Art der amerikanischen Pachtverträge 
scheint ihm geeignet, anderswo wiederholt zu werden. Die 
zu hohen Preise der gesamten Weltproduktion müssen ab¬ 
gebaut werden. Die hohen Produktionskosten sind, nach 
ihm. auf übermäßige Gehälter, zu hohe Verwaltungskosten 
und unnötige Ausgaben an verschwenderischer Ausstat¬ 


tung zurückzuführen. Er geißelte die hohen Stargagen, 
das System, sich einander die Stars abzulocken, scheute 
sich auch nicht, gewisse Produzenten anzugreifen, denen 
es vor allen Dingen auf einen schnellen und mühelosen 
Gewinn ankommt, ohne daß sie die Folgen für die All¬ 
gemeinheit bedenken. 

Der Engländer Dovener, der französisch sprach, betonte 
im Verlauf seiner Rede, welche eigentümlichen Verhält¬ 
nisse sich in der Filmfabrikation herausgebildet haben. 
Nur Amerika ist, wie er fcststellte, imstande, die Pro¬ 
duktionskosten im eigenen Lande aufzubringen. Alle- 
anderen Länder sind darauf angewiesen, andere Nationen 
für ihre Filme zu interessieren, im Falle sich die Her¬ 
stellungskosten lohnen sollen. Trotzdem dieser Zustand 
auch Herrn Dovener Wirtschaft! ch bedenklich erschien, 
sah er doch in diesem internationalen Austausch einen 
gewissen Fortschritt in der Anbahnung guter Beziehungen 
zwischen den einzelnen Nationen. 

Die Vertreter der kleineren Nationen kamen auch zu 
Wort, aber was sie vorbrachten, waren meistens Klagen 
über mangelhaftes Interesse des Weltpublikums für ihre 
Produktionen, worüber man höflich, aber entschieden hin¬ 
wegging 

Die englischen Redner betonten auch wiederholt die Be¬ 
deutung der deutschen Kinematographie und stellten fest, 
daß ohne die deutschen Fortschritte ein Ausbau der Kine¬ 
matographie nicht möglich sei, aber davon wollte man in 
Paris nichts hören und ging über die Einwürfe mit der 
Bemerkung hinweg, daß der Kongreß in erster Linie den 
verbündeten und befreundeten Nationen gelte. 

Den größten Teil der für den Kongreß angesetzten Zeit 
nahmen dann auch Besuche von Museen und Ausstellun¬ 
gen, von Ateliers und dergleichen ein, soweit sie nicht 
durch geschickt arrangierte Diners unterbrochen waren 
Man ließ ein paar international bekannte Filmsterne, die 
sich gerade in Paris aufhielten, den Kongreßteilnehmern 
vorführen, französische Schauspielerinnen rezitieren, rus¬ 
sische Sänger Opernarien herausschmettern, während 
andere Personen andere angenehme Dinge vorführten, die 
eigentlich nichts mit der Kinematographie zu tun hatten, 
aber amüsant und geschmackvoll zu sehen waren. 

Die Mehrzahl der Kongreßteilnehmer wird gewiß von 
Paris mit der Erinnerung an reizende Eindrücke und 
liebenswürdige Menschen fortfahren. Ob aber der ge¬ 
wünschte Zweck, der französischen Filmindustrie dadurch 
wieder zu seiner einstigen Bedeutung zu verhelfen, erreicht 
wird, scheint noch einigermaßen zweifelhaft, denn letzten 
Endes bestimmt das Publikum Jen Spielplan, und das 
Publikum urteilt nach den Eindrücken der Leinwand und 
nicht nach den Pariser Eindrücken der Kongreßteilnehmer 


Eilte« Attgcnblith bitte??? 

Immer wird sich 
ein Besuch bei 
KINO-SCHUCH 
Berlin SW 48 
Friedrichstr 3t. 
lohnen! — Sie 
finden immer 
Neuheiten. die 
Ihren Betrieb 



Seite 16 


der Junematogropf) 



An unsere Abonnenten. 

Der Berliner Buchdruckerstreik hat das Erscheinen 
dieser Nummer um eine Woche verzögert. Wir ent¬ 
schädigen unsere Leser durch den erweiterten Umfang der 
nächsten Ausgabe, die pünktlich zum Versand ge¬ 
langen wird. 

Eine deutsch-afrikanische Filmexpedition. 

Mit dem Dampfer ..Wadai" trat gestern Hans Schom- 
burgk mit einer größeren Filmexpedition die Ausreise nach 
Liberia an, wo er. unterstützt von führenden Persönlich¬ 
keiten der Negerrepublik, ethnographische und Großwild¬ 
filme drehen wird. 

Der Regisseur Karlheinz Boese, der ihn begleitet, wird 
gleichzeitig mit Meg Gehrts und Ernst Rückert einen 
großen mehrteiligen Abenteurerfilm drehen, zu dem 
Rudolph Stratz und Richard Hutter das Manuskript ge¬ 
liefert haben. 

Vor der Ausreise fand im Hotel Esplanade in Hamburg 
eine Abschiedsfeier statt, an der die deutschen Vertreter 
der Verwaltung Liberia, offizielle Vertreter der Universität, 
der städtischen Behörden, führende Persönlichkeiten aus 
der deutschen kolonialpolitrschen Bewegung. Vertreter der 
großen Schiffahrtsgesellschaften, die Hamburger Presse 
und Vertreter der deutschen Filmindustrie teilnahmen. 

Der liberische Generalkonsul, Vertreter der deutschen 
kolonialen Verbände. Freunde des Forschers aus dem 
ganzen Reich blieben als Gäste Schomburgks und als Gäste 
der Wörmann-Linie bis unmittelbar vor der Abreise auf 
dem Dampfer. 

Fachleute behaupten, daß diese Afrika-Expedition in 
ihrer technischen Ausrüstung umfassender und besser als 
alle früheren gleichartigen Unternehmen ausgestattet ist. 

Wir bringen in unserer nächsten Nummer einen ein¬ 
gehenden Spezialbericht. 

• 

Eine rheinische Filmgründung. 

ln Köln ist in der vorigen Woche die Peter Heuser A.-G. 
in das Handelsregister eingetragen worden, die zunächst 
ein reines Finanzierungsinstitut für dietenigen Firmen dar¬ 
stellt, die bis jetzt im Promo- und Westfalia-Konzern ver¬ 
einigt sind. An der Gründung sind führende rheinische 
Banken beteiligt. 

Es scheint nach den Informationen, die uns aus Köln 
zugehen, als ob hier der Anfang zu einer rheinischen Film¬ 
zentrale großen Stiles gelegt werden soll, bei deren 
Gründung sowohl rheinische als auch allgemein deutsche 
wirtschaftspolitische Erwägungen mitgesprochen haben. 

Wir möchten im Augenblick die uns mitgeteilten Einzel¬ 
heiten noch nicht veröffentlichen, weil die Verhandlungen, 
die noch i;lcht ganz zum Abschluß gekommen sind, unter 
Umständen ungünstig beeinflußt werden könnten. 

Bekanntlich hat Heuser im Rheinland mit rheinischem 
Kapital den Grundstock zur Rheinlicht-Bioscop-Gesell- 
schaft gelegt und es auch damals schon verstanden, 
wichtige politische Gruppen in einer Weise für den Film zu 
interessieren, die der Industrie nur Vorteile brachte. Auch 
diesmal handelt es sich um ein Projekt, das die Förderung 
aller Kreise in jeder Beziehung verdient. 

Fünftägige Kinosperre in München. 

Die jüngsten Münchener Novemberereignisse haben dem 
Kinogewerbe schwer geschadet. Auf Anordnung des 
Geheralstaatskommissars mußten die Lichtspieltheater fünf 
Tage geschlossen halten. Eiqp für den vierten Tag schon 
gegebene Spielerlaubnis wurde einige Minuten nach Spiel¬ 


Nummer 873 

beginn wieder zurückgezogen. Durch den Einnahmeausfall 
wissen eine ganze Reihe von Theaterbesitzern nicht, wo¬ 
von sie in jetziger Zeit der rapiden Geldentwertung und 
Geldnot ihr Personal entlohnen sollen. Da sich aber die 
Theater durch den Übergang zu wertbeständigen Ausgabe¬ 
verpflichtungen und dadurch bedingten gesteigerten Ein¬ 
trittspreisen, die das Publikum vorläufig noch nicht be¬ 
zahlen kann, in einer schweren Krise befanden, so lassen 
sich die Folgen dieses Ausfalls nicht absehen. 

Generalversammlungen und Kapitalserhöhungen. 

Die Ha hat in ihrer letzten Generalversammlung eine 
Erhöhung des Aktienkapitals beschlossen und ihren 
Aktionären ein Bezugsrecht von 1 : 1 eingeräumt. Dieses 
Bezugsrecht soll eine Sondertantieme an die Aktionäre 
darstellen, da der befriedigende Geschäftsgang eine Er¬ 
höhung aus finanziellen Gründen überflüssig macht. 

Die British American Films A. G. (Bafag) ruft ihre 
Aktionäre zum 20. November in der Hauptsache zur end¬ 
gültigen Konstituierung der Gesellschaft, die bekanntlich 
eine Umwandlung der Foreign Metro Films A. G. darstellt. 
Die British American besitzt wertvolle Verträge mit der 
Metro Pictures Corporation in New York Diese Verträge 
waren bisher das Hauptaktivum der Foreign Metro 
Film A. G.. die aber liquidiert wurde, weil innerhalb der 
leitenden Kreise Unstimmigkeiten entstanden waren. 

Die Verwaltung der Emelka in München hat sich eben¬ 
falls die Ermächtigung geben lassen, eine Kapitalserhöhung 
durchzuführen. Ob von dieser Ermächtigung Gebrauch 
gemacht wird, liegt vorläufig noch offen. 

Wir kommen auf all diese Vorgänge, die zum Teil 
grundsätzliche Erörterungen notwendig machen, in unserer 
nächsten Nummer zurück. 

Eine Kombination Sascha-Famous Players. 

Wie die ..Neue Freie Presse“ berichtet, sind bindende 
Abmachungen zwischen Famous Players in New York und 
Sascha in Wien getroffen, wonach diese Gesellschaften — 
den Vertrieb der Paramount-Produktion für den Bereich 
der ehemaligen Österreich ungarischen Monarchie über¬ 
nehmen. Neben den Paramountfilms bringt die Sascha 
natürlich auch die Bilder der E. F. A. heraus. Augenblick¬ 
lich läuft der Janningsfilm „Alles für Geld“, den die 
„Sascha" für Österreich erwarb, in neun verschiedenen 
Kinotheatern. 

Bezugsrecht-Ausübung. 

Die der Filmindustrie nahestehende Optische Anstalt 
C. P. Goerz A.-G. fordert ihre Aktionäre auf, ihr Bezugs¬ 
recht auf 10 Millionen M. (von 20 Millionen M.) neue, für 
1922 23 voll dividendenberechtigte Aktien Sei der Di- 
rection der Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank 
bis zum 26. November einschließlich auszuüben. 

Die neue, über 1000 M. lautende Aktie kann zum Kurse 
von 10 000 Prozent zuzüglich Bezugsrechtssteuer und 
Schlußscheinstempel für je 5000 M. alte Aktien bezogen 
werden. 

Die Bios fusioniert. 

Die Bios-Film-A.-G„ welche in einem Rundschreiben die 
für den 8. November einberufene Generalversammlung ab¬ 
gesagt hat, steht, wie wir aus gutunterrichteter Quelle er¬ 
fahren, seit längerer Zeit in Verhandlungen über die 
Bildung einer Interessengemeinschaft mit der Ufa und 
Richard Oswald A.-G. Welcher Plan zur Verwirklichung 
gelangen wird, läßt sich im Augenblick noch nicht Vor¬ 
aussagen, da die Verhandlungen sich noch im Fluß befinden 
und vor Mitte nächster Woche kaum zum Abschluß ge¬ 
langen dürften. Die frühere holländische Verbindung ist 
aufgelöst, so daß die Bios in jeder Hinsicht frei ist. 



873 


Der Rmematograph 


Seite 17 


HANDELSTEIL DES 


KINEMATOGRAPH 


Wertbeständige Währung und Filmindustrie 


W enn man dem Problem einer wertbeständigen Wäh¬ 
rung in unserer Industrie nähertritt, so muß man 
vor allem die Frage aufwerfen, welche Sparte unserer 
Industrie, Theaterbesitzer. Verleiher oder das Ver¬ 
edelungsgewerbe (Fabrikanten und Kopieranstalten), das 
größte Interesse an einer Währungsreform haben. — Wir 
haben in unserer Nummer 87 t an Hand einiger 
Zahlenbeispiele nachgewiesen, wie schwerwiegend das 
Währungsproblem für die Theaterbesitzer ist. Vergegen¬ 
wärtigt man sich noch, daß in dieser Sparte unserer In¬ 
dustrie, soweit es sich nicht um Konzerntheater handelt, 
vielfach Elemente sich befinden, deren kaufmännische 
Vorbildung viel zu wünschen läßt, so erübrigt cs sich 
eigentlich, auf die immense Bedeutung hinzuweisen, die 
die Einführung einer wertbeständigen Währung für den 
Thcaterbcsitzer nach sich ziehen würde. Wenn man 
ferner die Fiktion unterstellt, daß durch eine stabile 
Währung die Kaufkraft des Kinopublikums gehoben wird 
weil den Arbeitnehmerschichten nicht mehr das Geld 
unter den Fingern entschwindet, kann man annehmen. daß 
einer gesteigerten Einnahme der Theaterbesitzer relativ ge¬ 
ringere Ausgaben entgegenstehen, da auch das Geld in den 


Kassen der Lichtspieltheater (und damit in denen der 
Filmindustrie) nicht mehr vom Abend der Einnahme bis 
zum nächsten Morgen der Ausgabe für Leihmieten an 
Zehrungsschwund leidet. 

Wesentlich günstiger als in Theaterbesitzerkreisen 
liegen die augenblicklichen Verhältnisse im Filmverleih, 
der, durch eine Indexberechnung geschützt, wertbestän¬ 
dige oder wenigstens annähernd wertbeständige Ein¬ 
nahmen erzielt. Auch die Veredi lungsindustrie hat eben¬ 
so wie der Verleih vornehmlich infolge einer besseren 
kaufmännischen Schulung weniger unter den Inflations¬ 
folgen zu leiden als die Theateibesitzen Ferner muß 
darauf hingewiesen werden, daß die Filmindustrie, wie 
aus den statistischen Nachweisen hervorgeht, in hohem 
Maße eine Devisen einbringenoc Industrie ist. an deren 
Export ein großer Teil der Fabrikanten sowie der Ver¬ 
leiher beteiligt ist. Für diesen Teil ist das Problem einer 
wertbeständigen Währung deswegen weniger aktuell, weil 
die Einnahmen ohnehin wertbeständig erfolgen. Ganz 
anders verhält es sich mit den Ausgaben: diese dürften 
infolge der gesteigerten Produktionskosten für Löhne und 
Gehälter im ganzen Wirtschaftsleben eine bedeutende 








Seite IS 


Sec Aincmatogropf) 


Nummer 873 


Erhöhung erfahren, so daß damit zu rechnen ist, daß die 
Filmfabrikation, die Leihmieten und die Eintrittspreise 
rapide anstcigen werden. Das Emporschnellen der Aus¬ 
gaben triff: aber die einzelnen Sparten unserer Industrie 
relativ gleichmäßig, so daß den Kernpunkt der Frage die 
Einnahmen bilden. Wie wir gezeigt haben, besitzt dieses 
Problem die größte Aktualität für den Theaterbesitzer, 
es mindert sich progressiv für die übrigen Sparten. 

Leopold Schwarzschild hat im Tagebuch Heft 42 die 
Frage aufgeworfen, wie sich in Deutschland die Verhält¬ 
nisse bei der dreifachen Währung der wir entgegensehen 
— Papiermark. Rentenmark, Goldanleihe — gestalten 
werden. Da die Goldanleihe, als allgemeine General¬ 
hypothek auf das deutsche Privateigentum gedacht, nicht 
realisierbar ist, unterliegt sie einem Disagio zur Gold¬ 
mark. Auch die Rentenmark ist als Generalhypothek 
auf den deutschen Grundbesitz und als Generalobligation 
auf die deutsche Industrie gedacht. Insofern stellt die 
neue Rentenbank eine Art holding Company dar, welche 
auf Grund dieser Schuldverschreibungen Rentenbriefe 
ausgibt. Da die Spitzenverbände, die den Verwaltungsrat 
stellen, es abgelehnt haben, das Umlageverfahren zu über¬ 
nehmen. sind die Finanzämter damit beauftragt worden. 
Ob die Finanzämter dieser Aufgabe gewachsen sein werden, 
und ob es ihnen gelingen wird, infolge der Befreiungs¬ 
klausel des § 21 die vorgesehenen 3,2 Goldmilliarden auch 
aufzubringen, erscheint immerhin zweifelhaft. 

Für die Filmindustrie erwächst damit die Verpflichtung, 
an dieser hypothekarischen Sicherheitshaftung der Renten¬ 
bank teilzunehmcn. Soweit sie sich im Besitze von Ge¬ 
bäuden und Grundstücken befindet, kann und wird sie 
sich dieser Verpflichtung nicht entziehen, obwohl auch 
hier die Frage der Bewertung eine wichtige Rolle spielt, 
da das Wehrbcitragsgesetz vom Jahre 1913 längst veraltet 



Photo- und Kino-Zentrale 

Ncumarkt 32-34 KÖLN es. Rh. TtL: Kinozentrmlc 


Maschinen 
Spiegellampen 
Umformer 
Gleichrichter 
Transformatoren 
Widerstände 
Kohlen 
Objektive.. 

kMeiMe IM 

na 

angemessenen Preisen. 



fipnprai vprtriph Hahn - Goerz- Kino - Erzenaiissa 

üflrcny »ciuieu ^ lhe i aliad al | vestlalti. 


yl 


und überholt ist und daher kaum als Bemcssungsgrundlage 
in Betracht kommen kann. Dies sind jedoch Einzelheiten, 
die noch manchen Streit verursachen werden, die aber 
eins nicht vertuschen können: Von der hypothekarischen 
Sicherheitshaftung werden in erster Linie die großen Fir¬ 
men getroffen, die eigentlich infolge ihres Exports und 
ihier guten finanziellen Leitung das geyngste Interesse an 
einer Stabilisierung haben. Ferner sind die großen Be¬ 
triebe — die kleineren schalten auf Grund des bereits er¬ 
wähnten § 21 aus — zu einer Generalobligation heranzu¬ 
ziehen. Dies bedeutet nichts weniger als die Einfüh¬ 
rung des Staatskapitalismus, der infolge 
seiner Eigenart der Unternehmerpersönlichkeit nur wenig 
Spielraum läßt. Bei einer Umlage steht demnach zu be¬ 
fürchten, daß sich die großen Betriebe wenigstens de jure 
wieder in die kleineren Tochtergesellschaften zurückver¬ 
wandeln, was trotz des § 5 der RAO. nicht verhindert 
werden kann. Die kleineren Betriebe werden nur insofern 
an dieser Generalobligation teilnehmen, als z. B. bei 
F'abrikations- oder Theaterbetrieben ein Fundus vor- 
handeu ist, an den der Tatbestand der Sicherheitshaftung 
anknüpfen kann. Eine viel geringere Möglichkeit liegt bei 
den kleineren Verleihfirmcn vor, bei denen der Filmfundus 
meist auf Reisen ist und daher kaum erfaßt werden wird. 
Somit kommen als Träger und Finanziers der neuen Wäh¬ 
rung diejenigen Kreise in Betracht, die eigentlich das 
geringste Interesse an der Wertbeständigkeit der Währung 
in dieser Form besitzen, den größten Vorteil haben die¬ 
jenigen Kreise, die am wenigsten zu ihrem Zustande¬ 
kommen opfern. 

Wir können vom Standpunkt der Filmindustrie eine 
Währungsreform in Gestalt der Rentenmark in ihrer 
jetzigen Form daher nicht begrüßen und halten die 
Einführung der neuen Währung nach dem Beispiel 
Danzigs für zweckmäßiger. Die erste Tätigkeit der 
Danziger Währungsreform bestand in einem Notendruck 
auf die neue Währung, wonach die emittierende Bank sich 
verpflichtet, diese Noten jederzeit in andere hochvaluta¬ 
rische Devisen (englische Pfunde) einzutauschen. Nach 
dieser vorbereitenden Maßnahme erschien ein Gesetz, das 
von einem bestimmten Tage an die Unternehmer zwang, 
die Arbeitnehmer in dieser neuen Währung zu entlohnen; 
dadurch waren die Arbeitgeber gezwungen, sich gegen 
Hergabe von hochvalutanschcn Devisen mit den neuen 
Danziger Noten einzudecken, wodurch zwei nicht zu 
unterschätzende Vorteile erzielt wurden. 

1. Das neue wertbeständige Zahlungsmittel konnte ni^ht, 
wie bei uns in Deutschland die Goldanleihestücke und 
Dollarschätze, gehamstert werden, da es voll gedeckt und 
in genügender Menge vorhanden war, und da es nicht erst 
auf dem Umweg über die Banken in die Hand der breiten 
Masse der Bevölkerung gelangte 

2. Die einzelnen Unternehmungen wurden nach ihrer 
Leistungsfähigkeit zur Deckung herangezogen, wobei das 
Maß der Leistungsfähigkeit die Anzahl der vorhandenen 
Arbeitnehmer bildete. 

Ob das hier wiedergegebene Beispiel des kleinen 
Danzigs in allen Punkten auf das große Gebiet Deutsch¬ 
lands anzuwenden ist % erscheint im Hinblick auf den viel¬ 
leicht zu erwartenden gewaltigen Devisenansturm zweifel¬ 
haft. Aber vielleicht dürfte in Deutschland der Devisen¬ 
besitz groß genug sein, um eine starke Hausse zu verhindern. 
Die Haussebewegung der letzten Börsentage läßt leider er¬ 
kennen, daß ein Anziehen der Devisen unvermeidlich ist, 
solange nicht ernsthaft eine Währungsreform vorgenommen 
wird; es kommt auch gar nicht mehr darauf an, ob der 
Dollar um einige hundert Milliarden mehr steigt, wenn 
nur ein Ende des ganzen Währungsverfalls vorauszusehen 
wäre. Aber endgültig ist dieses Ziel nur bei voller Gold¬ 
deckung zu erreichen, und dahin müssen wir endlich 
kommen, koste es, was es wolle! 



Nummer 873 


Der Rmc-natograph 


Seite l<» 


SrttltOfjf’itylltptlpg <VfUttvpnt<IK 

Kinoprojektion im durchfallenden Licht 


E in aus dem Leserkreis uns dieser Tage zugegangenes 
Schreiben wirft die Frage auf. ob die Projektion im 
durchfallenden Licht, also von rückwärts auf einen durch¬ 
scheinenden Schirm, für das Kinotheater von Bedeutung zu 
werden verspricht. Es ist hierzu verschiedenes zu er¬ 
örtern. Zweifellos würden manche Unschönheiten mit 
dieser Projektionsart verschwinden. Vor allem das so 
häufig geübte schräge Projizieren wäre dann endgültig be¬ 
seitigt; denn der Wunsch dort, wo der Natur der Sache 
nach die wertvollsten Plätze liegen, solche nicht für die 
Projektionskabine zu opfern, bringt den Projektor beim 
Arbeiten mit auffallendem Licht immer noch und selbst in 
guten Theatern in der Höhe und in der Seitenrichtung so 
weit aus der Mittelachse, daß eine mehr oder weniger 
starke Verzerrung des Bildes zustandekommt. Beim durch¬ 
fallenden Licht würde dies Wegfällen. Aber man muß 
dann notgedrungen hinter dem Schirm Raum schaffen. 
Einmal den für die Kabine, und dann bedarf man noch 
eines gewissen, nicht zu klein zu bemessenden Abstandes, 
um die erforderliche Vergrößerung zu erzielen. Um diesen 
Abstand nicht unnötigerweise zu sehr anwachsen zu 
lassen, müßte man mit Projektionsobjekti-'en kürzerer 
Brennweite arbeiten; denn in runden Zahlen ausgedrückt 
muß der Abstand zwischen Objektiv und Schirm, dasselbe 
Verhältnis zur Brennweite haben, wie cs die Längsseite 
des Schirmes zur Längsseite des Bildfenst .-rs hat. Geht 
man aber mit der Brennweite herunter, so muß auch, 
gleichen Typus des Objektivs vorausgesetzt, dessen freier 
Durchmesser ebensoviel kleiner gewählt werden, und da¬ 
mit wird die Gefahr größer, daß nicht alles vom Kondensor 
gelieferte Licht vom Objektiv nutzbar gemacht wird. 
Jedenfalls ist dann auf die Auswahl des Kondensors und 
die Justierung der Lampe und des Kohlenkraters be¬ 
sondere Sorgfalt zu verwenden. Es muß also auf alle 
Fälle hinter dem Schirm ein beträchtlicher Abstand zur 
Verfügung stehen und es werden dadurch zweifellos bei 
vielen Theatern recht beachtenswerte Schwierigkeiten in 
baulicher Hinsicht entstehen. Es ist doch sehr frag¬ 
lich, ob die dadurch notwendig werdenden Mehrausgaben 
bei der Anlage nicht erheblicher sind, als die Kosten aus¬ 
machen. die der Verzicht auf einige gute Plätze im Zu¬ 


schauerraum bei der Projektion im aufallenden Licht nach 
sich zieht. 

Verwendet man als Schirm bei der Durcbprojektion eine 
einfache Leinwand (Nessel oder dergl.). so zeigt der ein¬ 
fache Versuch, daß das Bild sowohl von vorne wie von 
hinten sichtbar ist. Es heißt dies aber zunächst, daß vom 
Zuschauerraum her nur annähernd ebensoviel Licht aus¬ 
genutzt werden kann wie von rückwärts, oder mit anderen 
Worten nur die Hälfte des gesamten Lichtes. Ein der¬ 
artiger Schirm arbeitet aber nur mit 50 Prozent Nutz¬ 
effekt. An dieser Tatsache ist nichts zu ändern. Sie tritt 
auch dann auf, wenn man als Schirm Mattglas verwenden 
wollte, eine Einrichtung, die Sici aber bei einigermaßen 
beträchtlichen Abmessungen des Schirmes aus prakti¬ 
schen Umständen verbietet. Auch Schirme aus anderen 
Stoffen, wie Papier usw., müsse 1 sie zeigen. Außerdem 
verschluckt jede derartige Wand je nach ihrem Stoff mehr 
oder weniger Licht, läßt also tatsächlich auf ihre Vorder¬ 
seite weniger Licht gelangen, a'.s nach Abzug des nach 
rückwärts reflektierten Lichtes von der gesamten auf¬ 
fallenden Strahlung überhaupt noch übrig bleibt. 

Die Durchprojektion muß aber wenn auch in verschie¬ 
den starkem Grad, noch eine unter Umständen recht 
störende Erscheinung aufweisen. Machen wir die Wand 
zunächst möglichst stark durchscheinend, so müssen wir 
durch sie hindurch, wenn kein Bild in das Bildfenster 
eingesetzt ist. die helle Öffnung des Objektivs sehen. Und 
zwar nehmen wir einen mit dem Abstand zwischen Ob¬ 
jektiv und Schirm wachsenden hellen Lichtfleck in der 
Mitte des Schirmes wahr. Ist e : n Bild in das Fenster ein¬ 
gesetzt. so nimmt die Helligkeit dieses Lichtfleckes zwar 
ab, aber er bleibt bestehen. Ist die Wand weniger stark 
durchscheinend, so wird der Lichtfleck zwar weniger 
störend, aber wir müssen schon ziemlich weit gehen, um 
seine Helligkeit soweit herabzusetzen, daß er praktisch 
gesprochen ganz verschwindet. Damit setzen wir aber die 
Lichtausbeute bei dem Schirm naturgemäß auch weiter 

Der zur Durchprojektion zu benutzende Schirm muß 
also, wenn er wirklich befriedigende Ergebnisse und zwar 
zumal für die starken Lichtquellen, wie sie das Theater 



















Der Kmematogcopfr 


Seite 21 


erfordert, zeitigen soll, eine Reihe von Bedingungen ge¬ 
nügen, die in ihrer Wirkung gegeneinander gerichtet sind. 
Er soll so stark sein, daß er möglichst viel Licht nach 
vorne gelangen läßt und doch so wenig lichtdurchlässig 
ist, daß der unleidliche Lichtfleck nicht stört; seine innere 
Struktur soll möglichst wenig Licht verschlucken, aber 
andererseits soll sie zusammen mit der Ausbildung der dem 
Zuschauerraum zugekehrten Schirmfläche das Licht so 
stark streuen, daß innerhalb des durch die Länge und 
Breite des Zuschauerraumes festgelegten Winkels das Pro- 
jektionsbiid überall einigermaßen gleich hell erscheint. 
Diese Bedingungen befriedigend zu erfüllen, ist weit 
schwieriger, als es bei dem Schirm für auffallendes Licht 
der Fall ist. 

Es kann deshalb nicht wundernehmen, daß die Pro¬ 
jektion im durchfallenden Licht jedenfalls für große Zu¬ 
schauerräume bis jetzt nicht die guten Ergebnisse liefern 
. onnte, wie wir sic bei der Projektion im auffallenden 
Lic!.* zu erreichen gewöhnt sind. Bei dieser bedarf nur 
die Ausladung der Vorderfläche besonderer Sorgfalt, die 
Struktur des Schirmes im Innern ist bei ihr belanglos, falls 
nur möglichst viel Licht an der Vorderfläche reflektiert 
wird, also kein Licht nutzlos in den Schirm eindringt. 

Es soll damit keineswegs behauptet werden, daß die 
Durchprojektion keine Bedeutung habe, doch liegt diese 
unseres Erachtens nicht im Bereich des Kinotheatzrs. Sie 
hat ihre Berechtigung in besonderen Fällen, so vor allem 
bei den Heimprojektoren in Form der Kinoautomaten, der 
• ’rojektionsschränke; bei ihnen soll der ganze Apparat 
eingebaut sein, und aus dieser Forderung ergibt sich ohne 
weiteres, daß die Projektionswand den Schranknum ab¬ 
schließen muß. Das ist nur möglich, wenn sie das Licht 
von rückwärts empfängt und nach vorne ausstrahlt. Wir 
werden also zweifellos dem durchscheinenden Schirm 
häufiger begegnen, wenn sich diese Gattung von Pro¬ 
jektoren ein weiteres Feld erkämpft haben werden. Die 
Mühe, die sich zahlreiche Techniker damit gtgeber haben, 
brauchbare Projektionswände für durchfallendes Licht zu 
schaffen, wird dann wohl auch gelohnt werden. Für das 
Kinotheater glauben wir aber derartigen Wänden eine 
besonders aussichtsreiche Zukunft nicht Vorhersagen zu 


Ein neuer Kleinprojektor 

Unter der Bezeichnung „Mercur-Ufa-Heimprojektor" 
hat die B<*liner Firma Kannengießer. Aders und Wehler 
einen neuen Vorführungsapparat herausgebracht, der als 
Schul-, Heim-, Werbe- und Reisekino gleich zweckmäßig 
ist. und die Ufa vertreibt diese neue Maschine. Der ganze 
Bildwerfer samt Motor, Widerstand, Wand und Vorrats¬ 
spulen ist in einer kofferartigen Holzkiste untergebracht; 
oeide Seitenwände sind abnehmbar, die aus Pausleinen 
hergesiellte Tageslichtwand von 45 mal 60 Zentimeter wird 
vorgezogen und ausgerollt, die Seiten werden durch 
schwarzes Tuch abgedeckt, der Projektor wird quergestellt 
— dann kann die Tageslichtprojektion beginnen. Der 
eigentliche Projektor ruht auf einer hölzernen Grund¬ 
platte; der Kopf ist festgeschraubt, die Arme, die die Film¬ 
spulen tragen, sind schwenkbar. Das Werk ist sehr ein¬ 
fach und übersichtlich eingerichtet; es sind dabei nur 
Schraubenräder benutzt, drs Maltesergesperre läuft im 
eingekapselten ölbade, und daher arbeitet die Maschine 
leicht und fast geräuschlos. Das Einfädeln des Films ist 
bequem; man braucht nur das Objektiv emporzuschwenken 
und die Tür zu öffnen, um den Film einlegen zu können. 
Die Bildverstellung erfolgt mittels eines bequemen Hebels. 
Der Kopf des Apparates als Ganzes ist ebenfalls mittels 
eines Hebels zwecks Einstellung des Bildes auf der Wand 
schwenkbar. In dem gutgelüfteten Lampenhause ist für 


Reisezwecke eine Halbwattlampe zu benutzen; wird der 
Mercur-Ufa-Heim-Apparat in der Schule oder im Hause 
benutzt, steht er also dauernd an der gleichen Stelle, so 
tut man besser, die wirtschaftlichere Niedervoltlampe zu 
benutzen, die mit 20 Volt Spannung brennt, aber die An¬ 
wendung eines Transformators erfordert. 

Da der Apparat als Stillstandskino benutzt werden 
soll, — zum Motor gehört eine einfache Stoppvorrich- 
tung —, ist die Blende als Klappblende ausgebildct. 
Die Herstellerfirma liefert zu dem Apparat Objektive 
von 52,5 Kubikmillimeter, so daß bedeutend hellere 
Bilder als mit den sonst üblichen kleineren Objek¬ 
tiven erzielt werden bzw. Lampen von geringerer Ker¬ 
zenstärke die gleiche Helligkeit ergeben wie sonst 
stärkere in Verbindung mit den kleineren Objektiven. Der 
Motor — Universalmotor für Gleich- und Wechselstrom 
und 110 oder 220 Volt — sowie cer Widerstand befinden 
sich unterhalb der Grundplatte. Dort st auch der Steck¬ 
anschluß. der durch eine mitgclieferte Litze an jede ge¬ 
wöhnliche Lichtleitung angeschlossen werden kann. 

Auf eine Einzelheit ist besonders hin'.uweiscn: der Klein¬ 
projektor ist an sich bereits vollkommen feuerungefährlich, 
und das Filmbild kann beliebige Zeit stehend projiziert 
werden. Dennoch können besoncere allseitig geschlossem- 
Filmtrommeln zu dem Apparat geliefert werden, die die 
Sicherheit noch weiter erhöhen. Sie zeichnen sich dadurch 
aas. daß sie weder offen zur Vorführung benutzt, noch, 
während sie auf der Welle des Apparates sitzen, geöffnet 
werden können. 






Seite 22 


Da Rincmatogtapf) 


Nummer 873 



Einsendungen aus der Industrie. 

Die Ossi-Oswalda-Lustspiele, d <: bereits bis nach Japan vor- 
gedrungen sind, haben einen neuen Erfolg in Ägypten zu ver¬ 
zeichnen. Nach der „Austernprinz ssin" wird jetzt in Alexandria 
und Kairo das „Milliardensoupe •" gespielt. Das griechische 
Journal „Tilegralos" in Alexandrien schreibt dazu: „Ossi Os- 
walda ist der einzige deutsche Star, der eine persönliche 
Schöpferkraft und eine Spezialität des heileren Wesens der 
Lichtbildbühne darstcllt . . . Ihr Genre steht einzig da." 


Die Aufnahmen zu dem neuen ’rimus-Fttm „Die vier Ehen 
des Mathias Merenus”. nach dem gleichnamigen Roman von 
Karl Hans Strobl, sind unter der Regie von Werner Funck so¬ 
eben beendet worden. In den Hauptrollen spielen mit: Grete 
Reinwald. Hans Unterkirchner. Margarete Kupfer. Emmy Wyda. 
Clementine Pleßner, Ernst Hofmar.n, Leonhard Haskel, Heinrich 
Marlow. 


Filmes, der Mitte Dezember in Deutschland herauskommt, sind 
beschäftigt: Fritz Kortner. Maria Leiko. Jakob Tiedtke, Joachim 
Ringelnatz. 

Die Trianon-Film-Comp. hat von B. E. L ü t h g e ein Film- 
■nanuskript „Ein Traum von Clück" erworben. 

Die Aufnahmen werden im Oktober unter der künstlerischen 
Oberleitung von Paul Ludwig Stein beginnen. 


Das Produktionsprogramm der Hofer-Film-G. m. b. H. für die 
Saison 1923-24 ist folgendes: 1. ,. Dschebel en nar" (Der 
Feuerberg), 2. „Der Abenteurer vom Rhein", 3. „Die 
Türme des Schweigens". Die Vorarbeiten zu vor¬ 
stehenden Filmen beginnen in aller Kürze. 


Die Aladin-Filro-Comp. Akt.-Ges. verkaufte ihren Film „D i e 
Sonne von St. Moritz" für folgende Gebiete: Deutschland. 
Deutsch-Österreich, Griechenland. Türkei, Rußland, Finnland. 
Randstaaten, Polen, Spanien und Italien. 


Paul Wegcner hat soeben die Aufnahmen zu dem Groß-Film 
„Lebende Buddhas" beendet. Das Interesse für diese phanta¬ 
stische Neuschöpfung Wcgeners ist stark und nicht nur durch 
Jie Darstellung und Regie, sondern auch in dem geheimnis¬ 
vollen Milieu des inneren Tibets begründet. Das Manuskript 
stammt von Paul Wegcner und Hans Sturm. Mitwirkende 
waren Asta Nielsen. Käthe Haack und außer Wegcner (der 
selbst Regie iührtc) Chmara und Karl Ebert. ln kurzer Zeit 
wird der Film einem kleinen Kreis von Fachleuten vorgeführt 
werden. 


Vor einigen Tagen fand in London die Uraufführung des 
Hagenbcck-Films „WeltUuf ums G I ü c k". der in Deutsch¬ 
land so außergewöhnlichen Beifall fand, statt. Der Film fand in 
England unter dem Titel „The wolf of Tibet" eine ungewöhnlich 
gute Aufnahme bei Presse und Publikum. Die Tages- und Fach- 


Das Kammerspiel der Albani — Produktion der Nivo-Film- 
Corap. „Im Rausche der Leidenschaft" (Regie: Schamberg, 
Hauptrollen: Marcella Albani, Alfred Abel, Gertrud Welcker. 
Erich Kaiser - Titz, Ernst Hofmann, Hugo Dublin, Leonhard 
Haskel, Hermann Vallentin) ist vorfuhrungsbereit. 


Die Filmlicht Akt.-Ges. vormals Straßburger & Co., Filiale 
München, Hohenstauffenstraße 6 (Telephor. 31 3611. übernahm für 
den Bezirk Süddeutschland den gesamten Verleih der Union-Film 
Comp. München; den Verleih betreffende Zuschriften sind von 
jetzt an an die Filmlicht Akt-Ges. zu richten. Außerdem er¬ 
warb die Firma zum Vertrieb für ganz Deutschland von der 
Filmindustrie Akt.-Ges. den Corda-Film „Das unbekannte 
Morgen“. Regie: Alexander Corda. Hauptrollen: Marie Corda. 
Werner Krauß, Olga Limburg, Louis Ralph, Friedrich Kühne, 


Zeitungen brachten lange, teilweise illustrierte Abhandlungen 
und lobten die wundervollen Landschaftsaufnahmen, das Spiel 
und die Photographie; u. a. schreiben „Bioscope“: „. . . dies ist 
eine hochkünstlerisch.' Leistung . . ." „The Cinema": .. . . starke 
und bewegte Handlung . . . die Schneeaufnahmen sind einfach 
wundervoll, und den Photographen kann man herzlich gratu¬ 
lieren." „Kinematograph Weckly":.die Geschichte ist ent¬ 

zückend erzählt und zeigt entschieden eine neue Note . . . die 
Photographie ist ausgezeichnet . . . der Film enthält wundervolle 
Schneeszenen" etc. 


i Hugo Caroly 

Ingenieur 

Ar.nl. ,o fr.- stgndl.:. f. Kino u. Protektion 

Köln - iri f >r>tislr 19 

Fernspreefier: Ufielrüanö 5210 
Släncilges großes Lager in 

Kino-Apparrtfen u. Zubehör 



























Nummer 873 


Ott Rincrr.ctograph 


Seite 23 




Modernes Lichtspieltheater in Badeort. 

Nähe Frankfurt a.M., im unbesetzten Gebiet, 

251 Sitzplätze n-.it allen neuzeitlichen Einrichtungen, 

soforl zu verkaufen. 

Chiffre K. J. 8176 an den Scherlverlag. Berlin SW 68. 


Ko 


nzern 


sucht mehrere Theate- im besetzten 
Gebiet durch Kauf, Pacht oder Be- 
te.ligung zu übernehmen. Gefl. Of¬ 
ferten auch von mittleren und kleinen 
Theatern unter K. E. 8172 an den 
Scherlverlag, Berlin SW68, erbeten 



An unsere Inserenten! 

Um unsere Berechnunzsart für Anzeigen 
den Bedürfnissen des Geschäftsverkehrs 
anzupassen, bere.hnen wir seit dem 
! November d J. in Goldmark Die Anzei¬ 
genpreise sind jeweils aus der Fußnote am 
Schluß des Anzeigenteils ersieht ich. 

Für die Abrechnung gel en die Richt¬ 
linien der Vereinigung Großstädtischer 
Zeitungsverleger e V.: 

1. Die Rechnungen werden in (iokl- 
mark ausgestellt Eine Goldrnark 
ein Dollar geteilt durch 4.20 

2. Die Beträge müssen spätesten« inner¬ 
halb von« l agen, gerechnet vom Datum 
der Faktura, in unseren Händen sein. 

3. Die Zahlung erfolgt durch: 

ai Goldgi*o iberweisungen.Gol Jscheck 
bi Devise i. soweit gesetzlich zulässig 
c) D jllarschatzanWeisungen. GoHan- 
leihesc.teine — nach ireier Verein¬ 
barung auch andere wertbeständige 
Zahlungsmittel — 
ei Papiermark. 

Gutschrift der Zahlungsmittel erfolgt 
zu den am Zahlung-abgangs'age 
letetbeka.inten amtlichen Bei liner KCu s 
Verrechnungsscheck und Schecks auf 
auswärtige Plätze, die auf Papiermark 
lauten, werden nicht angenommen. 

4. Bei Zahlung nach Fälligkeit werden 
unter Vorbehalt der Geltendmachung 
anderer Rechte Bank 2 in$en und 
Kosten berechnet. 

August Scherl G. m. b. H. 


SAAL¬ 

KINO 


Kinos iS 


ALFRED FRANZ 

Dipii.Vtsh1r.6l • Tel. 298 98 

; Privat: TCL 416 & 3 . Rückporto | 


I Perforier-Späne, Abfälle. 
Filmrollen sowie 

’ilmabfalle 

kauft jeden Posten 

W. NELKE 


Transformatoren 























































































































































































BRITISH-AMERICA-HLMS-AG. BAFAG 


Berlin SW45, Friedrichstrafee 5/6, 4. u. 5. Stock (Jlsenhof) * Telephon: 1213 und 1214 
DIREKTION: N1VELLI UND SPEARMAN 


4 Monumentalfilme mit JACK IE COOGAN 
4 Monumentalfilme mit MAE MURRAY 
2 Monumentalfilme mit N A Z I M O V A 


mehrere REX-INGRAM Monumentalfilme 


ALICE TERRY BARBARA LA MARR 
RAMON NAVARRA RUDOLF VALENT1NC 


Deutschland / Randstaaten (verkauft) / Österreich (verkauft) 
Tschecho-Slowalcei (verkauft) / Polen / Jugoslawien / Rumänii 
















. 


S EENEN BILD AUS DEM NEUEN PAUL WEGHNER-Ftl.M 

„LEBENDE BUDDHAS" 


17. Jahrgang 


August Scherl G. m. b. H., Berlin SW 68 


Nummer 874/75 














Oie närrische Wette 
des Lord Alding 



Abenteuer 
zwischen Erde, 
Himmel und Wasser 


In den Hauptrollen: 

Violetta Napierska * Carlo Aldini 

Milieu der Handlung London, New York, Südrußland 


Uraufführung 29. November 

T2ic£>ara Oswald-Cicf)tspiele 

Kanfsfraße 

* 

Fabrikat: Aldini-Film G.m.b.H. 




Monopol für Deutschland: 

Terra-Verleih * Centrale Berlin SWös 





17. Jahrgang. Nr. 874/75 Berlin, 25. November 1923 

31 «« jfö***croa4o<tratrif* 



Die GescQic0le des königlichen UJeibes Helena, von der 
die Sage berichtet, es sei 


die schönste Frau 

des Altertums gewesen, ist nun in einem Film werk von riesigen 
Ausmaßen verfilmt worden. Wer entscheiden will, welches 

der schönste Film 

der Jetztzeit ist. muß ;dieses klassische Monumenlalwerk 
gesehen haben. Nicht allein 

die besten Darsteller 

von internationalem Ruf. die lebhafte ‘PrachtentfaHurig der 
Bauten. Kostüme und Geräte garantieren für den Es folg, 
sondern auch die von höchster Ceidenschaft aufgewühlte 
Handlung, das erschütternde Gemälde vom Untergang eines 
ganzen Volkes in einer vorbildlich schönen Photographie 

bürgen tilr das größte Geschält 

„Helena - 

Der Untergang Trojas" 

1. Teil: Der Raub der Helena . 

2. Teil: Der Untergang Trojas 

Regie: MANFRED NOA Manuskript: HANS KYSER 

In wenigen Tagen vorführungsbereif l 


MÜNCHEN - BAVARIA-EILM A.-G. 
























Nui 


874 75 


9er Rincmatograph 


Filme der „NATIONAL“ urteilt! 


Die „Deutsche Allgemeine Zeitung": 

. . . Wie packend, wenn die Mordbuben just in der 
Hochzeitsnacht mit Katharina den Mordstahl geilen 
den Tyrannen zücken! Wie aufregend, wenn er Folter- 
justiz am eigenen Sohn verübt, um ihm ein Geständnis 
zu erpressen! Und welche Zuspitzung, wenn er sich 
für tot ausgibt, um seine Feinde zu entdecken, und 
wenn er dem Sohn wutschnaubend beim Kronungsfest 
den goldenen Reifen von der Stirn reißt . Die 
Schlacht bei Poltawa mit anstüimenden Reiter¬ 
scharen, mit Pulverdampf und Sturmangriffen n acht 
den Betrachter zum Zeugen wirklichen Kampi- 
getriebes . . . 


Die „B. Z. am Mittag": 

. Peter als Liebhaber und Peter lls Vater sind die 

Inhalte dieses Films, und in den Szenen eit dem Sohn 
gibt Jannings sein Stärkstes, auch von der an ihm 
neuen Seite einer ernsten uno warmen Männlichkeit, 
die dem geliebten, doch entarte cn Sprossen mit 
mahnendem und werbendem Blick in die Seele dringt 
ohne den Schwächling der eigenen Kraii gewinnen zu 
können Erschütternd die Szene, da der Vater mit 
rauchender Pistole an der Leiche des » on ihm gerich¬ 
teten Sohnes steht. Von stärkstem Reiz der Blut 
wärme alle Licbesszenen mit der bezaubernd katzen- 
haiten Kathanna der Servaes . ■ 


Über den PARAMOUNT-Großfilm 


„Sonnabend-Nacht 

schreibt 


Der „Film-Kurier“: 


. . was d.e Regie von Cecil B. de Mille gemacht hat. 

ist ein Gesellschaitsiüm von beschwingter Anmut. 

eine zum bewegten Bild geformte Causerie. . . Diese 
Menschen tun im gegebenen Augenblick immer das. 
worin ihr Wesen plastisch zum Ausdruck gelangt, und 
selbst das Detail dient immer nur dazu, das Wesentliche 
eines Menschen oder einer Situation zu beleuch¬ 
ten. Daß ein amerikanischer Regisseur das Treiben 
in einem Vergnügungspark und eine Feuersbrunst 
virtuos inszenieren kann, ist eine Selbstverständlich¬ 
keit: viel höher steht uns die Fähigkeit dieses Spiel¬ 
leiters. die Darsteller von den Vertretern der Haupt¬ 
rollen bis zur kleinsten Episode so zu formen, daß sie 
die Individuen sind, die sie verkörpern sollen. . . 
Inneres und Photographie stehen ebenfalls auf der 
Höhe, wie man es bei den Spitzenleistungen des 
amerikanischen Films gewohnt ist. 


Die „B. Z. am Mittag“: 

Dieser amerikanische Paramount-Film, der in Berlin 
zum ersten Male gezeigt wurde, ist schlechthin ein 
Meisterwerk. . . 


Das Ganze ist sehr frisch und mit überlegenem Humor 
aufgefaßt. Bemerkenswert die echt demokratische 
Einstellung: die Aristokraten sind weder besser noch 
schlechter wie das Volk. Die Regie ist nicht nur 
im Verwenden und Zuspitzen prachtvoll erfundener 
gegenständlicher Details, sondern auch in der souve¬ 
ränen Beherrschung der technisch geradezu berauschen¬ 
den Photographie fabelhaft, die großen Schaustucke 
musterhaft, nicht als isolierte große Prachthappen 
sonderr. als völlig eingeglicderte Selbstverständlich¬ 
keiten behandelnd. Die Spieler durchweg an ihrem 
Platz Aus Wenigem Unendliches gemacht. Geht hin. 
entzückt Euch und wenn Ihr wollt und könnt: 
lernt! Hier gibt s zu lernen. 

Die „Nene Berliner MitUgszeitung ‘: 

. . . Szenen ans dem Leben der New Yorker Oberen 
Zehntausend, mit Witz. Geschick und reichem Aul¬ 
wand gefügt mit überlegener Laune behandelt 

wird durch prachtvolle Sensationsszenen mit Spannung 
erfüllt und durch eine sorgfältige, geschmackvolle 
Darstellung zu einer angenehmen Augenweide ge- 


urteilt selbst! 













Per ftincmatoprnph 


Nummer 874 75 



Englands bedeutendste Filmschauspieler spielen In Sem große:-. Orientnim 
„Im S|chot(en der Moschee", den die John Hagenbeck>Füm A.*»0. 



























17. Jahrgang, Nr. 871 75 


Kerlin, 25. November 1923 




Gratisfilmaktien 

Von Aros. 


I n der letzten Zeit haben verschiedene Filmgesellschaften. 

Beispielen aus anderen Industrien folgend. Kapitals¬ 
erhöhungen vorgenummen, die damit motiviert wurden, daß 
inan den Aktionären an Stelle einer wertlosen Papierdivi¬ 
dende einen wertbeständigen Gewinn zuführen wolle. 

Man hat diese Aktien an die Aktionäre zu einem lächer¬ 
lich niedrigen Kurs ausgegeben, hat aber gleichzeitig ein 
meist bedeutend größeres Paket durch ein Konsortium ver¬ 
werten lassen, in 
dem die Ver¬ 
waltung oder die 
Inhaber der Vor. 

«ugsaktien stark 
vertreten waren. 

Es hat sich lei¬ 
der in Deutsch¬ 
land in immer 
stärkerem Maßt- 
die Gewohnheit 
herausgcbildet. 
die endgültige 
Verrechnung und 
das definitive Er¬ 
gebnisderartiger 
Emissionen einer 
Gesellschaft 
möglichst zu ver¬ 
schleiern. 

Der Aktionär 
hat sich mit 
diesen Dingen 
wenig befaßt. 

Ihm genügte die 
Kurssteigerung, 
er freute sich 
mit den jungen 
Aktien, weil für 
ihn ja jeder An¬ 
teilschein reines 
Spekulations¬ 
objekt war. mit 
dem er sich vor 
der Entwertung 
schützte, das er kaufte mit dei ausgesprochenen Absicht, 
es möglichst schnell wieder zu verkaufen, wenn es einen 
günstigen Kurs erreicht hatte. Uns scheint, als ob im 
Augenblick, wo man mit einer Eindämmung der Inflation, 
mit einem Übe-gang zur Goldwährung rechnet, derartige 
Gesichtspunkte immer mehr zurücktreten müssen, daß 
vielmehr jetzt einzig und allein ein Gesichtspunkt bei der 
Bewertung von Aktien jeder Art in den Vordergrund ge¬ 
stellt werden muß, nämlich die Bewertung als Anlage¬ 
papier. als Vermögensobjekt, das eine gleichmäßig ange¬ 
messene Verzinsung bringt. 


Von diesem Gesichtspunkte aus gesehen, sind gerade in 
der Filmindustrie größere Kasitalserhöhungen außer¬ 
ordentlich bedenklich, weil unsere Aktiengesellschaften 
durchweg mit einem Kapital begründet wurden, das In¬ 
flationshöhe hat und dessen fr edensmäßige Verzinsung 
außerordentlich schwer, in den meisten Fällen aber sogar 
ausgeschlossen ist. 

Man wird einwenden, daß bei der Umwandlung aller 
Kurse in Gold¬ 
mark Schwierig¬ 
keiten für jede 
Industrie be¬ 
stehen urd daß 
eine etwaige Zu¬ 
sammenlegung 
von Aktien in 
derFilmindustru 
nicht weniger 
und mehr be¬ 
deutet als der 
gleichgerichtete 
Vorgang in an- 
derenlndustricn. 

Das stimmt 
nicht ganz, we¬ 
nigstens nicht 
wenn man alte, 
bewährte Quali- 
tätspapiere ver¬ 
gleichsweise 
heranzicht. und 
zwar aus dem 
sehr einfachen 
Grunde. weil 
hier an sich ein 
Goldfundus vor¬ 
handen war und 
weil in den 
ersten Kriegs- 
jahren reine 
Goldkapitals¬ 
erhöhungen vor¬ 
genommen wur¬ 
den, die in erster Linie Vergrößerungen und Betriebs¬ 
ausdehnungen dienten, die heute, auch in Goldmark un¬ 
gerechnet. bedeutend größere Werte repräsentieren als 
die damaligen Erhöhungen 

Gewiß mag die Ausgabe von Gratisaktien als Gegen¬ 
leistung für Tantiemen gut gemeint sein: wenn aber die 
Golddeckung für das Aktienkapital fehlt, ist sie als 
Danaergeschenk anzusehen, während es wirklich nimmt, 
nämlich einen Teil des inneren Wertes der alten Aktien, 
den man außerdem noch mit dem Agio bezahlen muß. das 
als Bezugsgebühr für die neuen Stücke festgesetzt ist 


Das Bild der Woche 



das berühmte Rennpferd als Filmstar in „Lord Reginalds Derbyritt" 



Seile 6 


Der Rincmatoqrapfi 


Nummer 874 75 


Produktionsstoppung 


P roduktionsstoppung ist kein neuer Begriff für uns. Es 
mehren sich seit einiger Zeit die Anzeichen, daß eine 
Produktionseinstellung auf b-eiter Basis erfolgen muß, 
wenn die Industrie durch diese schlimmste aller Krisen 
kommen soll. An Krisen hat es in der Filmindustrie 
nie gefehlt. Ihre Entwicklung vollzog sich, wenn man 
boshaft sein will, als eine Kett » von Krisen, die von einem 
hemmungslosen Optimismus abgerollt wurde. Wenn aber 
jetzt aus Amerika die Nachricht kommt, daß die Unter¬ 
nehmungen des Herrn Zuckor die Produktion nicht 
nur herabsetzen, sondern sogar eine Zeitlang einstellcn 
wollen, und wenn ein gleiches Gerücht behauptet, daß 
die Dccla sich nach Fertigstellung ihrer Filme eine 
größere Ruhepause gönnen wolle, So ist das doch einiger¬ 
maßen ernst. Vielleicht läuft das Gerücht den Tatsachen 
voraus, vielleicht ändert sich die Weltwirtschaftslage, die 
letzten Endes ja auch die Filmindustrie beeinflußt, im 
Handumdrehen, wie Optimisten noch immer glauben — 
und in den Ateliers 
werden die Jupi¬ 
terlampen nicht 
ausgelöscht. 

Wenn es nach 
den Voraussagen 
der Schwarzseher 
gegangen wäre, so 
müßten bereits 
heute säm liehe 
Verlcihfirme.i am 
Ende ihres Vor¬ 
rats angelangt sein 
und die Kinos die 
Pforten geschlos¬ 
sen halten. Denn 
die Stoppung der 
deutschen Pro¬ 
duktion begann 
mindestens schon 
in der vorigen 
Saison. Aber nichts 
von dem, die Ki¬ 
nos spielen weiter 
und sind um Ma¬ 
terial nicht verlegen. Mag die Einfuhr von amerikanischen 
Filmen in letzter Zeit etwas lebhafter betrieben worden 
sein — es gibt immer noch genug deutsche Filme, die die 
Abwechslung auf dem Repertoire nicht aussterben lassen. 

Der sehr kluge englische Filmfabrikant Marshall 
Dovener hat auf dem Pariser Filmkongreß, der heute 
bereits wieder vergessen ist, auseinandergesetzt, weshalb 
die Filme heute zu teuer wären und weshalb eine 
Änderung in der Produktionsweise erfolgen müsse. Er 
sagte den Zusammenbruch der Industrie voraus, im Falle 
nicht sofort einschneidende Änderungen erfolgen würden. 
Nun ist beim Film nichts leichter zu haben als eine 
Theorie und nichts, was zu falscheren Schlüssen ver¬ 
führen würde. Man kann es nahezu als eine Antwort an 
Dovener ansehen. wenn Zuckor, der auf dem Kongreß 
nicht vertreten war — denn er hatte keine Zeit, an 
Banketten teilzunehmen —, seine Ateliers zu schließen 
gedenkt. Aber es ist sicher als eine Antwort an den 
Präsidenten der Famous - Players aufzufassen, wenn 
Warner Brothers einen Tag darauf ihr Programm ver¬ 
öffentlichen, das in alle die Lücken einspringt, die Zuckor 
durch seine Produktionsstoppung reißen will. 

Klar ist einmal dieses: so lange es Kinos gibt, muß es 
auch Filme geben — wie es Unterhaltung geben muß, 


solange Menschen auf der Erde leben, arbeiten, sich 
abrackern und nach Ausspannung verlangen. Da das 
Kino aus dem einfachen Grunde, weil es mechanisch ver¬ 
vielfältigte Kunst vorführt, immer billiger sein wird 
als das Theater, wird das Publikum die Kinos füllen. Wer 
also die Filme anbietet, wird Abnehmer finden, wobei 
das einfache ökonomische Gesetz eintritt, daß der Wert 
der Ware den Wünschen der Käufer entspricht. Wenn 
Zuckor seine Ateliers schließt, bauen die Gebrüder 
Warner das ihre noch größer, obgleich sich das jetzige 
bereits mit den größten Ateliers der Welt messen kann. 

Dieser Wechselgang der Produktionskräfte scheint in 
der Filmindustrie ewig zu sein — vielleicht hat gerade 
dieser Umstand die Industrie schnell groß gemacht. 

Von den Firmen, die vor einem Dutzend Jahren pro¬ 
duzierten, ist kaum eine übriggcbliebcn. Man darf getrost 
behaupten, daß es in Deutschland keine ist. Oder daß sie 
sich mit anderen Firmen verschmolzen hat wie die Decla. 

deren NamenDeut- 
sche - Eclair nur 
noch Filmphilo¬ 
logen verstehen. 

Vor dem Kriege 
beherrschte die 
Kopenhagene r 
Nordisk Filmkom¬ 
pagnie die Hälfte 
des deutschen 
Spielplans. Als sie 
ihre Produktion 
abstoppte, trat die 
Svenska mit hoch¬ 
wertigen Erzeug¬ 
nissen hervor. Die 
Stelle, die einst 
Gaumont, Pathe. 
Eclair, Ambrosio. 
Itala (wer kennt 
sie noch?) im 
deutschen Spiel¬ 
plan eingenom¬ 
men, ist jetzt von 
den Amerikanern 
besetzt worden. Im Augenblick, da die Union, einst die 
vornehmste deutsche Produktionsfiima, ihre Produktion 
einstellte, trat die Efa mit wenigen, aber hochwertigen 
Erzeugnissen hervor. Die Tradition der „Autorenfilme", 
die einstmals die Deutsche Bioskop ins Leben gerufen, lebt 
in der Produktion der Decla weiter, and selbst Harry Piel 
hat sich in seiner Produktionsfreudigkeit nicht hindern 
lassen, obgleich von der Continental nur noch die Legende 
zu sagen weiß. 

Die Entwicklung der Industrie vollzieht sich nicht 
durch Stabilisierung einzelner Unternehmungen, sondern 
durch den Aufstieg einzelner Personen. Wahrscheinlich 
ist das nicht anders möglich, denn die Erfolge lassen sich 
eben nicht völlig errechnen, wie dies in anderen in¬ 
dustriellen Unternehmungen der Fall ist. sondern bleiben 
an die Wirkung genialer Personen gebunden, die oft vom 
Drange der Veränderung befallen werden. Da sich in 
der deutschen Filmindustrie eine ganze Anzahl starker 
Persönlichkeiten befindet, so braucht nicht befürchtet zu 
werden, daß die Produktionsstoppung zu einem Nieder¬ 
gang oder gar einem teilweisen Erlöschen führen werde. 
Es ist möglich, daß eine Anzahl Firmen ausscheidcn oder 
sich umstellen wird. Für die Produktion an sich spielt 
dieser Vorgang keine Rolle. Dr. E. U. 



Warner Brothers Aufnahme-Atelier in Hollywood 



Nummer 874 75 


Her Ätnematogtaph 


Seite 7 


Der Sinn des Abenteuer-Films 

Von Dr. Otto Ernst Hesse. 


D er Begriff Abenteuer-Film" (nicht Abenteurer-Film!) 

soll in den folgenden Ausführungen nicht im be¬ 
schrankten Sinne des Wildwest-Films oder des Rokoko- 
Films gebraucht werden, sondern es soll darunter jenes 
große, gut drei Viertel aller Filme einschließende Ganze 
von Filmen begriffer. werden, das in der Hauptsache unter¬ 
halten will. Abenteuer: darunter verstehen wir die Si¬ 
tuation, die den Zuschauer verlockt, sich selbst aufzu¬ 
geben und in der Maske eines „Helden" oder einer 
..Heldin“ die Welt zu durchstreifen. Konflikte zu erleben. 
Sensationen durchzumachen, ganz gleichgültig zunächst, 
ob der „Held“ ein Wcltfahrcr, cir. Bauer oder ein „Graf", 
ob die „Heldin" eine Schauspielern, ein Wildwestmädel 
oder eine Gouvernante ist. Hauptsache dieser Filme ist 
nur, daß der Film eine Person hat, in die der Zuschauer 
hineinkricchen. in die er die eigene Sucht nach Aben¬ 
teuerlichkeit des 
Lebens, in die er 
eine Lust an Er¬ 
regung und Bewe¬ 
gung. in die er 
sein Bedürfnis 
nachGlück. Schick¬ 
sal und Genuß 
legen kann. 

Seien wir ehr¬ 
lich : der Schema¬ 
tismus des psycho- 
logischenVorgangs 
ist diesen Aben¬ 
teuerfilmen gegen¬ 
über derselbe wie 
den künstlerisch 
hochwertigen 
Filmen oder irgend 
einem drama¬ 
tischen Kunstwerk 
überhaupt gegen¬ 
über. Ob wir mit 
und in Faust oder 
mit und in Lulu 
die Welt erleben, 
ist im rein mecha¬ 
nischen Vorgang 
dasselbe, wie wenn 
wir mit und in Sherlock Holmes und mit und in 
dem süßen Mädel die Welt durchstreifen. Der Unter¬ 
schied liegt lediglich im menschlichen, ethischen und 
metaphysischen Wert der miterlebten Erregungen, also 
in ihrer seelischen Tiefe. Anders ausgedrückt: das Aben¬ 
teuer kann zwischen der geistigsten Form des Kunstwerks 
und dem bedenklichsten Amüsierstück variieren 

Nur verbohrte Moralisten können übersehen, daß die 
leichteren Formen, die auf den Rang von „Kunstwerken" 
kaum besonderen Anspruch machen, ewig wie die mensch¬ 
liche Natur selbst sind. Sie sind notwendig, und wer 
gegen sie als „Unkultur" und „Unkunst" wettert, ohne 
der Masse neuen Ersatz zu bieten, hat wenig Ahnung 
von dieser menschlichen Natur, die sich auslcbcn will. 
Solange es Theater gibt, hat cs „Unterhaltungsstücke" 
gegeben — die Theater der Kulturen beweisen das; und 
solange es Filme geben wird, wird es Unterhaltungsfilmc 
oder, um unseren Begriff zu benutzen. Abenteuer-Filme 
geben. Ja. es kann kein Zweifel bestehen, daß der Film, 
der noch weit mehr Unterhaltungsmittel der Masse als 
das Theater geworden ist, diese Abenteuer-Filme mit 
Vernunft pflegen muß. 


Das Unterhaltungs- und Zerstreuungsbedürfnis der 
Masse ist ein Faktor n der sozialen Hygiene, dei viel 
zu wenig beachtet wird. Die römischen Imperatoren 
gaben dem Volk panem et circenses. Brot und Zirkus¬ 
spiele. Sic waren sozusagen die ersten praktischen 
Psychoanalytiker. Sic wußten, daß der Mensch eine be¬ 
stimmte Summe von Nervcnenergie täglich verbrauchen 
muß. Verbraucht er sie nicht, besteht die Gefahr der 
Aufspeicherung und der Explosion. Der römische Bürger 
kämpfte nicht mehr selbst mit wilden Tieren er sah zu. 
wie geworbene Gladiatoren mit den Bestien kämpften 
und machte alle Erregungen der Gefahr, der Spannung 
des Sieges oder des Unterganges ir der Phantasie mit durch 
Ja. man muß noch weitergehen und den Mut zur Ge- 
schichtsphilosophic auch dem Film gegenüber haben Man 
kann die Kunst geradezu als ein Ersatzmittel im Leben 
der Völker auf¬ 
fassen. Je enger 
die soziale Reibung 
wird, je mehr der 
Egoismus* des 
einzelnen durch 
die Rücksichten 
auf die Interessen 
und Lebcnsnol- 
wendigkeiten der 
anderen und der 
Gesamtheit ein¬ 
geengt wird, desto 
mehr müssen die 
Wünsche und 
Triebe des ein¬ 
zelnen in der 
Phantasie befrie¬ 
digt werden. Die 
Psychoanalyse 
nennt diese Ent¬ 
wicklung Subli¬ 
mierung. Die 
Kunst — einbe¬ 
griffen die schlich¬ 
testen und unter- 
wertigsten Ver¬ 
suche — ist nichts 
als das Resultat 
dieses Sublimierungsprozesses. in dem die ältesten und 
heftigsten exotischen Triebe des Menschen aus der 
Realität in die Phantasie. in das Vorstellungsleben 
das keine motorischen Wellen mehr in die Wirklich¬ 
keit hinübertreibt, verdrängt werden. Hebbel hat 
einmal von Shakespeare gesagt, es sei sein Glück gewesen, 
daß er Mörder geschaffen habe, er wäre sonst selbst einer 
geworden. Was hier in schärfster Zuspitzung von der pro¬ 
duktiven Phantasie gesagt wird, gilt ebenso von der repro¬ 
duktiven; was vom Kunstschaffenden behauptet wird, 
trifft auch auf den Kunstgenießenden zu. Verallge¬ 
meinernd kann man sagen: cs ist ein Glück (für den ein¬ 
zelnen wie für die soziale Gesamtheit), daß die Millionen 
Menschen die größten und wildesten egoistischen Leiden¬ 
schaften nicht mehr in der Wirklichkeit austoben, son¬ 
dern auf dem Wege der Phantasievorstellung (vor einem 
Theaterstück, vor einer Leinwand) auflösen und abreagie¬ 
ren. Der Kunstgenuß wird (wie das Kunstschaffen) zur 
Befreiung von überschüssigen Energien, zur Erfüllung von 
Wunschphantasien, die Vitalität der Menschen befriedigt 
ihre Bedürfnisse in der Phantasie, die Zuschauer entladen 
ihre angehäuften Affekte ohne Gefahr für die Mit- 





Seite 8 


Nummer 874 75 


menschen auf dem Umwege der Kunst, die zum sozialen 
Ventil wird. 

Der geistige Mensch sucht nach einem geistigen Um¬ 
weg. Er versenkt sich in icne großer Kunstwerke, die 
die Höhe der Sublimierung bedeuten. Die Masse hat die 
Tätigkeit, einen solchen verfeinerten Umweg der Ent¬ 
ladung zu gehen, noch nicht und wird ihn, nach biologi¬ 
schen Gesetzen, die die Rassen immer wieder von unten 
her neu speisen, niemals haben. Die Masse braucht in 
ihrer Kunst jene Scheinrealität, die der Abenteuerfilm 
hat. braucht jene „Kunst", die die Extreme des Lebens 

— Verbrechen, Spiel mit G:ld, wilde erotische Leiden¬ 
schaften. Utopien, exotische Wunder, historische Über¬ 
setzungen — kopieren, Extreme, die nur im Ausnahmefall 
Wirklichkeit werden oder geworden sind. Der Publikums¬ 
liebling im Film wird immer der Held sein, der Erfolg hat. 
wird immer die Heldin sein, die aufsteigt und Glück findet. 
Man mag das kitschig finden: die Masse braucht die Er¬ 
füllung ihrer Wunschphantasien, und die Wunschphanta- 
sien zu erfüllen, ist eine sozialhygieuische Angelegenheit 
von nicht zu unterschätzender Bedeutung, besonders in 
einer Zeit wie der unsrigen. in der die Masse im grauen 
Eiend und phantasielosem Einerlei des Alltags und der 
Hetze nach dem trockenen Brot untergeht. Es ist leicht, 
vom Schreibtisch und einer gut ausgestatteten und ge¬ 
heizten Achtzimmerwohnung über dieses Bedürfnis der 
Menge sich zu moquieren: es ist schwerer, die psychologi¬ 
schen Zusammenhänge zu begreifen; es ist eine Kunst für 
sich, mit etwas Geschmack diesem Bedürfnis zu dienen. 
Sentimentaler Film wie Lustspielfilm erfüllen diese Auf¬ 
gabe in gleichem Maße Der Schrei nach dem Lustspiel 

— der ja auch die Sprechtheater beherrscht — beweist, 
daß heute Heiterkeit mehr gesucht wird als Traurigkeit 
und Sentiments. Das Geheimnis der Wirkung einer Ossi 

Oswalda z. B. beruht durchaus auf dieser immanenten Er¬ 
füllung von Wunschphantasien. Es ist die Überwindung 
des Daseins im Spiel, die ihre Filme geben, und es sind 
ja nicht nur die Backfische, die diese Filme lieben, son¬ 
dern es ist das Zeitbedürfnis, das in dieser spielerischen 
Heiterkeit und heiteren Abenteuerlichkeit Vergessen von 
der Schwere des Alltags sucht. 

Man lasse der Menge diese Abenteuerlichkeit im Spiel, 
das Abenteuer in der Phantasie. Man wettere nicht vom 
Standpunkt der hohen Kunst aus, unsinnig und ohne Ver¬ 
stehenwollen gegen den Abenteuer-Film; man benutze ihn 
sinnvoll und mache sich die Mühe, unter Berücksichtigung 
der vorhandenen Bedürfnisse den Geschmack zu verfei¬ 
nern und die Erfüllung der Wunschphantasien zu subli- 
raieren. Wenn man die Entwicklung des Films über¬ 



blickt, so kann niemand in Abrede stellen, daß diese Ver¬ 
feinerung Fortschritte macht, machen muß, weil die mög¬ 
lichen Stoffe erschöpft sind und die formale Auflösung 
immer mehr in den Vordergrund treten muß. Selbst die 
Masse beginnt heute Gefallen zu gewinnen an der Indi¬ 
rektheit. an der Komplizierung des Spiels, sei's nun ein 
tragischer, sei es ein komischer Film, und ist gewiß dazu 
zu erziehen, sich die Illusionen, die sie notwendig zum Leben 
braucht, auf eine kunstvollere Weise zu verschaffen. 

Ein Einwand, der immer gegen den Abenteuerfilm er¬ 
hoben wird, soll nicht übergangen werden. Man sagt, er 
verschlechtere den Geschmack und mache auf die Dauer 
unempfindlich für feinere Eindrücke. Das ist nicht ganz 
von der Hand zu weisen, aber es fragt sich nur, wie weit 
die Menge überhaupt auf feinere Eindrücke reagiert. Man 
wird die Literatur nicht deshalb verdammen wollen, weil 
es neben dem „Titan“ einen „Rinaldo Rinaldini" gibt, wo¬ 
bei man an der Tatsache nicht vorübergehen kann, daß der 
„Rinaldo" mehr Leser fand als der „Titan". Denn ein 
Vulpius weiß stets Töne anzuschlagen, die ein Jean Paul 
vergeblich seiner Harfe zu entlocken sucht. Je g>auer das 
Leben wird, desto phantastischer verlangt der Mensch 
die Kunst. Man erinnere'sich hier, daß etwa Bismarck 
in den spärlichen Mußestunden nicht etwa nach Gottfried 
Keller oder Wilhelm Raabe griff, sondern das grobe 
Abenteuerfutter eines Ponson du Terrail bevorzugte. 

Einem gebildeten Menschen mögen viele der Abenteuer¬ 
filme läppisch, nicht selten langweilig Vorkommen, und er 
wird nicht selten der Meinung sein, daß das, was er sieht, 
gar nicht so abenteuerlich ist. Aber Phantasie ist eben 
eine seltene Gabe — und wenn schon große Dichter darum 
verlegen waren, so wäre es unbillig, sie von den kleinen in 
verstärktem Maße zu verlangen. 

Nur eines wird man verlangen dürfen: das Einhalten der 
einheitlichen Linie. Ein Abenteuerfilm darf nichts als ein 
solcher sein, er darf nicht zum Schluß in Sentimentalität 
umkippen oder gar Psychologie treiben wollen. Alles, 
was über den Eindruck der klaren Handlungsfolge hinaus¬ 
geht, ist hier vom Übel. Ein Abenteuerfilm darf nur aus 
Handlung und Tempo bestehen. Das Tempo regelt der 
Regisseur, der auch seine Menschen motorhaft ankurbcln 
muß. Ist der Regisseur in der glücklichen Lage, über große 
Schauspieler zu verfügen, so wird dies den Eindruck der 
abenteuerlichen Begebnisse verstärken. Es ist übrigens 
durchaus notwendig, daß in Filmen dieser Art, die ihre 
stärksten Wirkungen aus der hemmungslosen Bewegtheit 
artistischer Disziplin ziehen, irgendwo ein Vorgang ge¬ 
schaffen wird, der darstellenden Künstlern Gelegenheit zu 
überragender Wirkung verhilft. 



Harry P.el in „Menschen und Masken" 


Ossi Oswalda in „Colibri" 









Rincmotograpf) 




First National Film. New York 
Charlie Chap'in 
Charlie Chaplin 
CnarlicChaplin. Jackic Coogan. 

Edna Purviance. Carl Miller 
1692 Me er <6 Akte) 


Tragödie der Liebe 

May-Film 

ipt : Leo Birinski und Adolf Lantz 

len Mia May. Jannings. Gläßner 
Paul Leni 

ph e Sophus Wangoe. Karl Puth 
1719 und 1984 Meter 


Das Schicksal gibt rechtzeitig im letzten Akt dem kl inen 
.lungen die Mutter und den groQen Freund zurück 

Entscheidend für den Erfolg natürlich die Art. wie das Ganze 
gemacht ist. Zuerst gewissenmaßen ein kleines Lustspiel: 
..Chaplin wird Vater". Dann ein kleines Drama „The Kid" mit 
allerhand amüsanten Chaplinadcn. Schließlich noch einmal eine 
Einlage: „Chaplin im Himmel". 

Diese komischen Szenen liegen ihm. Das Tragische nur da. 
wo es tragikomisch ist. Das fühlt Charlie und deshalb läßt er 
— Haupte arslcller. Autor und Regisseur zugleich — dieses Drama 
nie richtig dramatisch werden. 

Niedlich, sympathisch der kleine Coogan. Behaftet mit allen 
Schwächen des Ai fängers, begnadet mit allen Zeichen des großen 
Talents. Ein absoluter Sieg der natürlichen Begabung, eine Er¬ 
scheinung. die alle Herzen in ihren Bann zwingt. 

Entzückend wie er am Kochherd steht, wie er Fensterscheiben 
einwirft, rührend wie er sich wehrt, als er von dem großen 
Freund getrennt werden soll. 

Ein Film, der auch bei uns in Deutschland großen Erfolg haben 
wird, der zwar nicht so groß wie im Ausland sein wird, weil 
die größte Ucberraschung — nämlich das Wunderkind Jackie 
durch My Boy vorweggenommen wurde. Unnachahmlich, wie 
er im Nachtasyl unter die Decke kriecht, wie er durchs Fens er 
hineinklettert, wie er krank im Bettchcn liegt. Beispiele, die 
sich beliebig vermehren lassen und den Erfolg entscheiden. 


Mia May bemuttert und kämpft für ihr Kind spielt e n 
sympathische Rolle, die ihr liegt, und wird sich vicic Freund 
zurückerobern, die sie verlor, weil mm ihr Rollen anvertrauU 

die nicht mehr für sie paßten. 

Erika Gläßner verliert im Vergleich zu den ersten beiden 
Teilen. Sie gibt immer noch eine ausgezeichnete Leistung. zeigt 
in vielen Szenen ihre feine, vielseitige Kunst, aber es fanden 
sich manche tote Stellen, die Gesamtwirkung ist weniger 
einheitlich. 

Nur Emil, der breite kindlichtierische Ombrade. bleibt sich 
gleich. Er fingert die Sache in der Strafkolonie, er verkracht 
und verträgt sich dreimal mit seiner Musette. Er hat so viel 
Nuancen und ist so reich an Einfällen, daß er auch noch zwo 
weitere Teile — man soll den Teufel nicht an die Wand 
malen — überstehen würde. 

Joe May hat das Ganze an sich gut arrangiert. Kr gibt viel 
Nettes im Einzelnen. Aber ein zwingender Grund zu dieser 
Fortsetzung lag nicht vor. Sie wird ein Geschäft sein, weil J.<- 
Publikum neugierig auf den Schluß ist. aber auch eine Ent¬ 
täuschung. 

Eine Enttäuschung durch den Film an sich und durch u- n 
Schluß, der psychologisch und kinotechnisch kein Schluß 
ist, den man nicht verstehen und deshalb auch nicht ver¬ 
zeihen kann, obgleich man Mays Regieleistung bewundert 

























Seite 10 


Nummer 874, 75 


Der Scheik 

Fabrikat: Fox-Film 

Regie : Charles J. Brabin 

Hauptrollen: Estelle TayloMarc MacBermott 

Länge: 1763 m (6 Ak .-| 

Vertrieb: Dcfa 

Uraufführung. Schauburg 


Newyork bei Nacht 

Fabrikat: ' Paramount 

Manuskript: Nach dem Roman von Edith M Hüll 

Hauptrollen: Rudolf Valentino. Agnes Ayres 
Länge: 2007 Mete» (6 Aktcl 

Vertrieb: Nalional-Film A. G 

Uraufführung: Operetten-Theatcr am Nullendorfplalz 




r’W Amerikaner lieben d .n Orient. Man erinnere sich. daB der 
*Lubitsch-Film ..Sumurun“ in dzn Vereinigten Staaten (dort 
..Arabische Nächte" geheißen), einen Erfolg erzielen konnte, der 
weit über den europäischen hinausging. Wenn aber die Ameri¬ 
kaner versuchen, mit eigenen Mitte n das Milieu des Orients zu 
zeichnen, so versagen sie rcgelmäß g in allen den Punkten, die 
wir an einem Film schätzen. Vor allen Dingen in der Echtheit 
des Milieus. Aber was fragt man in New York darnach, ob eine 
Szene, die dem Film zu stärkstei Spannnung verhilft, ethno¬ 
graphisch wirksam ist! Besitzt sie cie Möglichkeit, das Parkett 
inzuregen, so ist sie in amerikanischem Sinne vortrefflich. 
Wir verlangen mehr. 

% iclleicht zu viel, 
und sind nur dann 
geneigt, den Man¬ 
gel an Echtheit 
zu entschuldigen, 
wenn eine bedeu¬ 
tende schauspiele¬ 
rische Kraft sich für 
die Gestaltung einer 
Figur einsetzt. Aber 
auch darin sind wir 
nicht einer Meinung 
mit den Amerika¬ 
nern. Als Vorzüge 
des Filmes müssen 
wieder die Tier¬ 
szenen hervorgehe 
ben werden. Niel 


werden helle Freu¬ 
de an der Szenen 
erleben, in denen 
die Reiterei der 
Beduinenstämme 
durch den Wüsten¬ 
sand jagt. Ein so 
hemmungsloses 
Drauflos sieht man 
nur in den ameri¬ 
kanischen Filmen, 
wo die Reiter das 
LeUte aus den 
Pferden hcraus- 
holen und in iedeni 
Augenblick drauf 
und dran sind, sich 
den Hals zu bre¬ 
chen. Die Beduinen 


Oben: Rudolfo Valent 
Unten Mary Aubrey 


B ine Doppelhandlung aus zwei verschiedenen Welten, wie wir 
sie in schärfs'er Kc ntrastierung in der ..Tragödie der Liebe" 
bewundern konnten, erscheint hier in einem amerikanischen 
Film, der sich von den der Masse derjenigen, die neuerdings den 
deutschen Markt überschwemmen, vorteilhaft unterscheidet. 
Die eine Handlung führt in die Welt des Reichtums, deren Ver¬ 
gnügungssucht durch eine sehr gelungene Varietävorstellung 
charakterisiert wird — die andere in die Slums der Großstadt, 
in das Viertel der dunklen Existenzen, die von ebenso dunklen 
Instinkten besessen sind. Die Vorgänge im ersten Milieu sind 
nicht sehr abwechslungsreich, wenn sie auch äußere Bewegtheit 
besitzen, aber die 
Phantasie des Re¬ 
gisseurs geht nicht 
über die Wieder¬ 
gabe der üblichen 
Lebemannskonflikte 
hinaus. Neu ist da¬ 
gegen die Vorspie¬ 
gelung eines Selbst¬ 
mordes zu Erprcs. 
tunfszwecken. doch 
fehlte diesen Szenen 
der Humor 

Bedeutend inter¬ 
essanter und von 
innerem Rausch 
getragen waren die 
Vorgänge in den 
Kreisen der ver¬ 
brecherischen Ele- 

MUieu ist/dT:; 
sich ständig in 
einer Angriflsstel- 
lung befindet, von 
vornherein inter¬ 
essanter. ' Ein seit- 

roman spielt sich 
da im Dunkel der 
Riesenstadt ab. 
Die Frau eines 
Wächters verbirgt 


io in ..Der Scheik" 
i „New York bei Nacht" 


selbst s 




ropäische 
etwas seltsam; man 
sieht die Schminke 
— und der Sklaven¬ 
markt in der Oasejst 
ohne jedenRealismus 
gestellt Der Aben 
teurer ist diesmal ei¬ 
ne imOrient reisende 
Engländerin, die ty¬ 
pische Heldin einer 
Sonntagsblatt¬ 
novelle. bald ener¬ 
gisch. bald senti¬ 
mental schmach¬ 
tend, unwahrschein¬ 
lich — aber so g 
stallet. 
Durchschnittsameri¬ 
kaner die Frauen 
liebt. Ihr Partner, 
der Scheik. wird 
von Rudolfo Valen¬ 
tino niemals das. 
was er in Amerika ist. 
bei uns würde er 


der den Häschern 
in einer atemrau¬ 
bend sensationellen 
Flucht entwischte, 
in ihrer Wohnung. 
Dabei wird sie von 
ihrem Schwieger¬ 
vater beobachtet, 
der aber voll¬ 
ständig gelähmt ist 
und nur die Augen 
bewegen kann. Der 
ungenannte ameri¬ 
kanische Darsteller, 
machte seine Sache 
ausgezeichnet, so¬ 
gar glaubhaft, was 
schwierig ist. Aber 
wenn ein Künstler 
an seiner Stelle im 
Lehnstuhl gesessen 
hätte. so wären 
diese Szenen, die 
hier nur äußerlich 
sensationell wirk¬ 
ten. von dramati¬ 
sche Schlagkraft ge¬ 
wesen. Wenig über¬ 
zeugend ist aller¬ 
dings der Umstand, 
daß die Polizei {die 
Vorgänge durch die 
Augensprache des 
Gelähmten ei fährt. 











Nummer 874 75 


Oer Rincmotograpfi 


Seile II 


„Daily" 

Zwei netie Publlkumsbflder 


„ S. O. S." 

beliebten Darstellern 


Fabrikat: Zclnik-Mara-Film 

Manuskript: Harry Etting und 
F Carlsen 

Regie: Friedrich Zelnik 

Hauptrollen: Lya Mara.'Alfons 

Bauten: Georg Mayer 

Photographie: Otto Toher 
Länge 2110 Meter 

(6 Akte) 

V eririeb: Dculig 

Uraufführung M armorhaus 

Pye Lya Mara-Produktion ist 
ganz auf Publikumswirkung 
eingestellt. Zelnik hat bewußt 
keine literarischen Ambitionen. 
Er will mit wenig Mitteln eine 
anständige Qualität erreichen 
und stützt sich, absolut be¬ 
rechtigt, dabei auf die Quali 
täten seines Stars. 

Der neue Film bringt des¬ 
halb in der Handlung ein altes 
Motiv, die Geschichte eines 
jungen Mädchens, das aus dem 
Hause des Großvaters flicht, 
weil sie sich nicht an einen 
ungeliebten Mann verheiraten 
lassen will. 

Sie lernt in der Bahn einen 
jungen Milliardär kennen, der 
sich unter falschem Namen 
vorstellt. Vertauschte Koffer 
verraten dem Jüngling den 
richtigen Namen der Geliebten 
auf den ersten Blick, der sie 
nun aber im dunkelsten Lon¬ 
don wieder suchen muß. 

Er läßt sie in dem Glauben, 
daß er ein kleiner Buchhalter 
sei, heiratet sie und klärt dann 
programmäßig im fünften Aki 
die Situation auf, die trotz 
aller Anstrengungen leider 
nicht so verwickelt ist, wie das 
bei einem derartigen Stoff, 
wenn er wirksam sein soll, un¬ 
bedingt notwendig ist. 

Lya Mara ist niedlich. Sie 
hat in vielen Szenen die Lacher 
auf ihrer Seite. Der Film ge¬ 
fällt, aber es fehlt doch die 
enthusiasmierte Begeisterung, 
die man sonst bei Lya Mara- 
Filmen gewohnt ist. 

Vielleicht liegt das daran, 
daß das Prinzip der sparsamen 
Fabrikation allzusehr über¬ 
trieben worden ist. Man ver¬ 
langt heule bei solchen Lust¬ 
spielen in der Ausstattung und 
in der Aufmachung im allge¬ 
meinen wesentlich mehr. 

Alfons Fryland, der die 
männliche Hauptrolle spielt 
sieht hübsch und sympathisch 
aus. Er spielt diese Wiesen-, 
Wald- und Feldrolle routiniert 
herunter und versucht ebenso 
wie Hans Schüren, Adolphe 
Engers und Lilli Alexandra aus 
den paar Szenen, wo Möglich¬ 
keiten zum Spielen vorhanden 
sind, herauszuholen, was hcr- 
auszuholcn ist. Wie immer sind 
Olga Engl und Frieda Richard 
von sicherer Wirkung in ihren 
amüsanten Episodenrollen. 

Sehr hübsch und klar die 
Photographie, sehr fein man¬ 
cher Beleuchtungseffekt. Kon¬ 
ventionell und ohne viel 
Schwung die Bauten eines Ar¬ 
chitekten Georg Mayer. 



Fabrikat: 

Manuskript 

Regie: 

Hauptrollen : 


Photographie 
Länge: 
Vertrieb 
Uraufführung: 


Maxi.n-Film 
Arnold Bron¬ 
nen. Ruth Goetz 
Lothar Mende« 
Paul Wegener 
Lya de Pu ti 
Rudolf Förster 
Felix Reimann 
Balling. Vass 
1832 .n 15 Akt« 
Deulig 

Alhambra 


r'Nie Idee, auf welche sich die 
Filmhandlnng stützt. wurd> 
von Arnold Bronnen ent¬ 
worfen. der in der Literatur 
Bewegung des ..Jüngsten 
Deutschland' in der vorderen 
Re he steht und bei dem 
resultatlos verlaufenen Preis¬ 
ausschreiben Richard Osw. !ds 
wenigs.ens einen Trostpreis 
e-rang Bei dem Maxim-Film 
,-S. O. S.' leistete Ruth Goetz 
mit ihrer schon oft bewährtin 
fVl-nroutine lebhaften Bei¬ 
stand. und so ist denn ein an 
Abwechslungen und Uber- 
nschungen reiches Manuskript 
zustande gekommen, das Ver- 
siändnis für die Bedürfnis*, 
d *s Lichtspicles verrät. Den 
Verfassern hat wohl so eine 
Ar*. amerikanisches Manu 
skript vorgeschwebt, das in 
skript vorgeschwebt, das in 
»eschickter Ausnutzung der 
verschiedenen Publikums- 

instinkte dem kleinen Mann 
wie auch der eleganten Frau 
etwas zu sagen weiß Es ist 
also eine Allerweltshandlung, 
die auch davor nicht zurück 
scnrcckt. verbrauchte Motive 
zu verwenden, im Falle sieh 
diese als publikumswirksam 
erwiesen haben. 

Man erlebt also die bekann¬ 
ten neckischen Szenen im 
Msdchenpensionat. denen als 
Folie die derben Vorgänge in 
einem Seemannsheim gegen- 
übergcstellt werden. Und nun 
die Flandlung, die sich gruselig 
romantisch auf einer einsamen 
fnsel als Folge eines Schiff¬ 
bruches zuträgt, interessant zu 
machen, fehlt die süße Liebes¬ 
geschichte nicht, die zwar an 
einzelnen Stellen sehr träume¬ 
risch-sentimental aufsteigt 
aber auf gut amerikanisch mit 
Fröhlicher Hochzeit endet. 

Lothar Mendcs. der hie Hand¬ 
lung zerlegte, hatte sich eine 
Anzahl prominenter Darstel¬ 
ler verschrieben. die die 
scharf umnssenen Rollen mit 
blühendem Leben erfüllten. 
Von ihnen ist Wegener zuerst 
zu erwähnen, der hier wieder 
einen Seemann spieit (dem 
Ausland gilt er als der Typ 
der deutschen Marinedarstel- 
ler) und eine große Figur im 
Sinne seines ..Steuermann 
Holk'' daraus macht. Lya de 
Putti, wie immer erfreulich 
anzuschaucn. blieb schauspie¬ 
lerisch in Ansätzen stecken 
Es ist merkwürdig, daß die 
Ungarin so wenig Tempera¬ 
ment besitzt! 




Seil« 12 


Der Rincinaloacnph 


«er 87-1 75 


Kleine* 


Gegen übertriebene Schauspielergagen. 

Der Spitzenverband will als nächste praktische Auf¬ 
gabe eine Regelung der Schauspielerfrage versuchen. 
Man faßt diesmal die Sache praktischer an. verzichtet 
auf normale Verträge und Mindestgagen und be¬ 
schränkt sich in absolut richtiger Erkenntnis des Mög¬ 
lichen und Notwendigen au' die Bekämpfung über¬ 
triebener Forderungen. Vertragsbrüche, Doppelcngage- 
ments usw. 

Man will innerhalb der Spiizenorganisation alle Mit¬ 
glieder verpflichten. Schauspieler, die in irgendeiner 
Form gegen Treu und Glauben verstoßen, nicht mehr zu 
beschäftigen. Die Verleiher sollen Filme mit einem 
solchen Schauspieler in Zukunft nicht kaufen und die 
Theaterbesitzer nicht vorführen 

Wir kommen auf die Angelegenheit noch eingehend 
zurück. 

Eine Filmbank in Österreich. 

Aus dem Donauland kommt die Meldung, daß die 
Theaterbesitzer eine eigene Filmbank gründen wollen, 
um ihre Gelder besser anzulegen. 

Das Institut soll anscheinend auf genossenschaftlicher 
Basis aufgebaut werden. Man verspricht den Aktionären 
eine Mindestverzinsung von 24 Prozent pro Jahr, ein 
Satz, der bei den stabilen Geldverhältnissen in Öster¬ 
reich außerordentlich hoch ist. 

Der „Filmbote", das Organ der Kinoindustriellen in 
Österreich, weist im Zusammenhang mit diesem Grün¬ 
dungsplan darauf hin, daß die Unsitte des Kreditnehmens 
bei den Theaterbesitzern in Österreich außerordentlich 
verbreitet ist. 

Wir in Deutschland haben diese Methode, die vor dem 
Kriege auch bei uns gebräuchlich war. heute glücklich 
überwunden, zum Nutzen der Theaterbesitzer und als un¬ 
bedingt notwendige Voraussetzung für ein gesundes 
Arbeiten des Verleihs. 

Das Wiener Blatt weist mit Recht darauf hin, daß es 
vielleicht richtiger sei, ein Unternehmen ins Leben zu 
rufen, das dem Theaterbesitzer, der seine Verleiher nicht 
bezahlen kann, Kredit gibt, und daß erst dann, wenn die 
V orauszahlung drüben genau so wie bei uns durchgeführt 
ist, die Zeit gekommen ist. wo man eine Filmbank gründen 
kann, bei der der Theaterbesitzer sein überschüssiges 
Geld anlegt. 

Wie ziehe ich meine Filme auf? 

Mit einer der wichtigsten Fragen des modernen Theater¬ 
betriebes wird sich von der nächsten Nummer ab eine 
ständige Rubrik des „Kinematograph" befassen, die dem 
Theaterbesitzer Winke geben soll, wie er seine großen 
Filme aufziehen soll. 

Diese Reklameanregungen werden unterstützt durch 
Reproduktionen zugkräftiger Außenreklame und Inserate 
der führenden deutschen Lichtspielhäuser 

Wir rechnen gerade für diesen Teil unseres Blattes mit 
der umfassenden Unterstützung aller unserer Leser. 

Diese Neuerung stellt eine weitere Etappe auf dem 
Wege des Ausbaues der ältesten deutschen Fachzeitung 
dar, der mit der Einführung illustrierter Filmkritiken in 
den letzten beiden Nummern begonnen hat. 

Wir benutzen diese Gelegenheit, um unseren Lesern mit¬ 
zuteilen, daß Herr Dr. Robert Neumann-Ulitzsch in die 
Redaktion unseres Blattes eingetreten ist und daß wir in 
Herrn Max Feige einen weiteren Mitarbeiter, vor allem 
für den wirtschaftspolitischen Teil, verpflichtet haben, der 
sich durch seine umfassenden statistischen Arbeiten in 



anderen Fachblättcrn als einer der besten Kenner der ein¬ 
schlägigen Materie bewährt hat. 

Unser bisheriges Redaktionsmitglied Paul Medina ist 
nach Rom übergesicdclt und bleibt mit dem ..Kinemato¬ 
graph'' als ständiger römischer Korrespondent in engster 
Fühlung. 

Ein neuer deutscher Verleib. 

Die Pantomim-Film-Gesellschaft in Köln, die bekannt¬ 
lich vor kurzem in eine Aktiengesellschaft umgewandelt 
wurde, hat ihren Verleih jetzt über ganz Deutschland aus¬ 
gedehnt. 

Die Berliner Filiale hat ihre Arbeit bereits aufgenom¬ 
men. Die Leitung liegt in den Händen des Herrn S. Nathan. 

In den anderen Filmzentren sind die Vorarbeiten so 
weit gediehen, daß auch hier die Arbeit noch im Laufe 
dieses Monats aufgenominen werden kann. Die Zentrale 
verbleibt weiter in Köln. 

Wie wir von gutunterrichteter Seite erfahren, steht 
die Pantomim-Film-Gesellschaft vor dem Erwerb einer 
Reihe von Filmen der allerneuesten Produktion, die in 
Ergänzung m l dem bisherigen Bestand dies im Rheinland 
bereits bestbekannte Unternehmen auch für den ganzen 
deutschen Bezirk mit an die erste Stelle nickt 

Münchener Filmheim. 

Unter diesem Namen wurde von einem Kreise von 
Film-Interessenten in München eine klubartige Vereini¬ 
gung ins Leben gerufen. Dem Fache nach überwiegen 
unter den Gründungsmitgliedern vorerst die Verleiher. Fs 
ist zu erwarten, daß sich die Theaterbesitzer aber auch 
ziemlich zahlreich einfinden werden. Ebenso greift der 
Personenkreis heute schon in die Reihen der Fabrikanten 
über. Die Münchener Filmpresse steht der Idee des 
Filmheims im allgemeinen sympathisch gegenüber. 

Allerdings ist der Plan des Münchener Filmheims dazu 
benutzt worden, um sehr scharfe Angriffe gegen den Klub 
der Münchener Filmindustrie zu richten. Hieraus ent¬ 
stand eine höchst unerfreuliche Presseauseinandersetzung, 
in die wir aus prinzipiellen Gründen nicht eingreifen 
wollen. Was ein Klub in seinen Räumen tu', ist schlie߬ 
lich seine Privatsache. Es ist mit derartigen Auseinander¬ 
setzungen weder dem Münchener Filmklub noch dem 
Münchener Filmheim gedient. 

Das Filmheim hat eine Aufgabe zu erfüllen, die der 
Klub seiner Natur nach nicht erfüllen kann. Eine ganze 
Reihe von Personen wird beiden Vereinigungen ange¬ 
hören. Das Münchener Filmtieim soll auch den aus der 
Provinz nach München kommenden Filminteressenten als 
Sammelpunkt dienen. 

Die Gründungsversammlung am letzten Montag beschloß, 
eine Kommission einzusetzen, die eine Satzung aus¬ 
arbeiten und der konstituierenden Versammlung nebst 
Vorschlägen für die Vorstandschaft unterbreiten soll. Die 
Kommission besteht aus den Herren Schreiber (Dekla 
Bioskop), v. Krüger (Karlsplatztheater), Dr. Arthur Mayer 
(Syndikus). Aubinger (Chefredakteur der Südd. Film¬ 
zeitung) und Dr. Wollgang Martini (Vorsitzender der Ver¬ 
einigung Münchener Filmkritiker). 

Dem Münchener Filmheim sollen auch Damen der Film¬ 
branche als Mitglieder angehören Das Lokal befindet 
sich im Zentrum Münchens im Nebenzimmer des Wein¬ 
hauses Kurtz, Augustinerstr. 1. Dr. M. 

Der Kampf gegen die Zensur. 

In den Vereinigten Staaten besteht, wie man weiß, ein 
offener Kampf zwischen der Kinoindustrie und der Zensur. 
Die gemeinsam im Rahmen eines Verbandes unternommenen 
Bestrebungen. Übergriffe der Zensur zu verhindern, haben 
im vorigen Jahre Kosten in Höhe von 150 000 Dollar 
verursacht. 



Oct Ritumntofltnpfi 


Seile 13 


Nummer 874 / 75 



■■■■ 


EIN FILM DER MENSCHLICHKEIT 

Am ersten Weihnachtsfeiertag dieses Jahres wird der Film 
I * N * R * I in allen Weltstädten der Erde - vor An¬ 
gehörigen aller Nationen, die in dieser Stunde eine gei¬ 
stige Einheit bilden sollen - zur Erstaufführung gelangen. 
Die geistige Atmosphäre hierfür zu schaffen, waren Zweck 
und Ziel unserer Ankündigungen in Deutschland sowie in 
der ganzen Welt. Jetzt wenden wir uns an Siel 
Folgen Sie unseren Grundsätzen auch für 
die Erstaufführung in Ihrem Theater; wir 
werden Sie in jeder Weise unterstützen! 


NEUMANN PRODUKTION 





Seite 14 Det lUncmolOßCnpfl Nummer 874 75 

I » N * R » I 


Jeder in Deutschland, der sich für den Film interessiert, 
verknüpft mit dem Namen 

»I • N • R • I« 

Ein Film der Menschlichkeit 

bereits jetzt — lange Zeit vor der Uraufführung unseres 
Fümwerkes — eine bestimmte Vorstellung. Die Fülle 
unserer Ankündigungen in der Fachpresse und die zahl¬ 
reichen Notizen und Abbildungen in den Tageszeitungen 
allein hätten es nicht vermccht, einen so starken Ein¬ 
druck bei Millionen von Menschen zu hintcrlassen. Es 
war vielmehr die Form unserer Propaganda, die für die 
Schaffung dieser Vorstellungswelt das ausschlaggebende 
Moment war. 

Für Sic entsteht nunmehr die Aufgabe, das allgemeine 
Interesse, das wir für I. N. R. 1. erweckt haben, auf Ihr 
Theater zu konzentrieren. Eine Aufgabe, die leicht ist, 
wenn Sie in Verbindung mit unserer Vorarbeit hierfür 
unsere Plakatentwürfe, unsere Anregungen für Notizen 
und Inserate benutzen. Alle diese sind der großen Masse 
des Publikums bereits vertraut, und cs genügt voll¬ 
kommen, zu unseren Entwü'fen den Namen Ihres 
Theaters, die Termine und die Spielzeiten hinzuzufügen, 
um das Interesse der Theaterbesucher auf Ihr Unter - 
nehmen zu lenken. 

Unterscheiden Sie bei Ihren Ankündigungen zwei 
Hauptgruppen: 

die Propaganda vor und in Ihrem Theater, 
die Propaganda durch Notizen und Inserate 
in den Tageszeitungen Ihres Ortes. 

THEATERREKLAME 

In der „Lichtbild-Bühne“ sind von uns zwölf Por- 
trätköpfc der Hauptdarsteller un.crcs Filmwerkes 
, I.N. R. I“, sowie farbige Beilagen der Plakate von 
Prof. Vadäsz und Prof. BeruharJ gebracht worden. 
Trennen Sie diese 12 Blätter von der Perforation, kleben 
Sie sic auf grauen Karton, sodaß seitlich je 5, oben 3 und 
unten 8 cm Rand entstehen, und rahmen Sie diese 
Kartons in schwarze Leisten. Reihenweise im Vestibül, 
itn Foyer und in den Treppenaufgängen aufgehängt, ge¬ 
währen Ihnen diese Kunstblätter eine Dauerpropaganda 
in vornehmster Form. Sollte Ihnen das eine oder andere 
dieser Blätter fehlen, so fordern Sie es von Ihrer zuständi¬ 
gen Verleihfiliale unter genauer Angabe der Blattnummer 
nach. Beginnen Sie mit diesen Foycrar.kündigungcn 
mindestens 3 bis 4 Wochen vor der voraussichtlichen 
Uraufführung in Ihrem Theater und befestigen Sie unter 
den Blattern eine sauber geschriebene Tafel, die Ihrer 
Kundschaft den genauen Tag und Stunde der Erst¬ 
aufführung bekanntgibt. 

Lassen Sic 14 Tage bis 3 Wochen vor der Uraufführung 
im verdunkelten Saal nach Beendigung des 
Beiprogramms ein Diapositiv nach unseren beiden 
Plakaten zeigen und geben Sie auf einem unmittelbar 
danach projezierten zweiten Diapositiv Tag und Stunde 
der Vorführung bekannt. Wenden Sie sich an Ihre 


Verleihfiliale zwecks Üherlassuig eines Vorspanns mit 
kurzen Szenen aus !. N. R. I., den Sie 8 Tage vor der 
Uraufführung gegen die Diapositive austauschen. 

Konzentrieren Sie 8 Tage vor der Uraufführung alle 
Ihre Ankündigungen auf den Vorraum und die Straßen¬ 
flächen vor Ihrem Theater in der Weise, daß Sie im 
Vorraum alle I. N. R. I.-Blätter, zu denen noch die Photos 
und beleuchtete Diapositive in derGrößc 24 X 30 kommen, 
vereinigen und erhöhen Sie die Wirkung der Kunstblätter 
durch die Anbringung unserer Plakate in Originalgröße 
(95 X 144). Kleben Sie an den Straßenflächen Ihres 
Theaters auf die großen Plakattafcln abwechselnd einen 



Entwurf Professor Vadäsz 
Originalgröße der J farbigen Kek'amemarkrn 


Entwurf Vadäsz und einen Entwurf Bernhard. Vergessen 
Sic nicht Überklcbcr, die wiederum die genaue Spielzeit 
enthalten müssen! Steigern Sie in den letzten Tagen das 
Interesse des Publikums durch Auswechseln dieser 
Überklcbcr „Morgen . . . Heute Uraufführung“. 

Auch die Verteilung von Handzetteln ist wirksam. Sie 
könnten hierfür die von uns hcrgestelltcn Reklame- 
marken unserer beiden Plakate benutzen und deren 
Rückseite mit dem für Sie in Frage kommenden Text 
bedrucken. Vergessen Sic nicht, daß diese Handzettel 
von Ihren Besuchern mit nach Hause genommen, auch in 
deren Bekanntenkreisen werben. Treffen Sie, wenn es 
Ihnen möglich Ist, mit dem Plakatunternchmen Ihres 
Ortes ein Abkommen, daß Ihnen dieses nur wenige, aber 
besonders bevorzugte Säulen oder Plakattafcln zur 
Verfügung stellt, und bedecken Sie diese Flächen unter 
Ausschaltung jeder anderen Reklame mit unseren Plakat¬ 
entwürfen (Uberkleber nicht vergessen!). 


EIN FILM DER MENSCHLICHKEIT 







Nummer 874 75 


Öct Rincmatcgtopfi 


Seite 15 


IM SONDERVERLEIH DER 


ZE1TUNOSREKLAME 

Beginnen Sic rechtzeitig, also mindestens 10 bis 14 Tage 
vor der Uraufführung, damit, in Abständen von 2 bis 
3 Tagen an die Tagespresse Ihres Ortes Notizen zu geben, 
die sie Ihnen bei einigem Entgegenkommen gern unbe¬ 
rechnet in den Spalten des redaktionellen Teils veröffent¬ 
licht. Hierfür einige Beispiele: 

„Vom Flughafen rum CroBfllmwerk. Bereits im Laute des Frühjahrs 
sind die rieslstn Luttschiifhalicn in Staaken bei Spandau, die früher 
/.um Bau der Zcppelinkrcuzcr dienten, von der Ncumann-Produktion in 
Filmaufnahme-Ateliers von in der Welt einzig dastehenden Ausmaßen 



Entwurf Professor Bernhard 
Strichzeichnung für Tageszeitungen Maier 1 


uratewandeit worden. In die „Große Halle“, die Ober einen Nutzraum 
von UOCO Quadratmetern bei einer Höhe von 45 Metern verfügt, 
können bequem ganze StraBenzüge und StOdtebilder eingebaut werden, 
ohne daß die Freibev eglichkeit auch nur Im geringsten eingeengt wird. 
Die „Kleine Halle“ umschließt einen Fassungsraum, der mühelos die 
Flüche aller Berliner Ateütrs beherbergt. Als erster Film ist im Laufe 
des Sommers in diesen riesigen Anlagen das Filmwerk „I. N. R. I.“ 
— Ein Film der Menschlichkeit - von der genannten Gesellschaft 
hergestellt worden. Dieses Filmwerk wird demnächst im . . . Theater 
gezeigt werden “ 

„Asta Nielsen — Henny Porten. In dem Filmwerk der Neumann- 
Produktion „I.N R I.“ — Ein Film der Menschlichkeit — werden Asta 
Nielsen und Henny Porten znm erstenmal gemeinsam in einem Film 
spielen. Frau Porten vcikürpert Maria, die Mutter des Heilands, 
wahrend Frau Nielsen die Rolle der Maria von Magdala darstellt. Die 
Aufnahmen zu „I. N. R. 1.", der am ... im .. . Theater seine hiesige 
Erstaufführung erleben wird, nahmen über vier Monate in Anspruch.“ 


„Gregor! Chmara“ vom Moskauer Künstler-Theater, der im Oktober 
in den Mazartsaal-Lichtspiefcn in Berlin ic dem Film „Raskolnikow“ 
einen großen Erfolg za verzeichnen hatte, wird auch in den lllmwerk 
„I. N. R. I.“ — Ein FUrn der Menschlichkeit — der Neumann-Produkt n 
die tragende Rolle des Jesus Christus spielen. Der Film, der unter 
der Regie von Dr. Robert Wicne hergestellt wurde, zeigt an weiteren 
Hauptdarstellern Henry Porten. Asta Nielsen. Werner Krauss, ThcoJur 
Becker, Emanuel Reicher. Erwin Kaiser, Bruno Zicner, Alexander 
Granach u. a. Das Filmwerk gelangt im . . . Theater vom ... bis . . 
zur Aufführung.“ 

..Der Wille zur friedlichen Hilfsbereitschaft. Oer F irn ist in hohem 

Maße berufen, als Mittler zwischen den Völkern verschiedener Sprach, n 
zu dienen. Denn er kennt keine Rassen und keine Grenzen: Er spii- ’ 
alle Sprachen und pocht an allj Herzen. Das Filmwerk „I. N. R. I-“ 
der Ncumann-Prodektion — ein Film der Menschlichkeit laß! die 
jedem Bewohner der Erde vertrauten Vorgänge entstehen. Es will in 
einfachen großen Bildern das Erlelen des Erlösers in seiner zchli-Meu 
Große zeigen und an diesem große i. einmaligen. weltumtasscnden 
l eben das Dasein des einfachen Manres jus dem Volke messen, der 
durch blutige Freve'tat ein Erlöse rvc-k tu tun glaubt. Das Erlcbn s 
dieses Christusdramas im Film soll die Seele des Zuschauers auf ein 
großes Ziel richten, das allen Vftlkt ri; und allen Nationen gemeinsam 
ist: Der Wille zur friedlichen Hilfsbereitschaft. Am 1. Weifmachls- 
feiertag dieses Jahres wird der Film „I. N. R. I.“ in allen Weltstädten 
der Erde — vor ArgcliArigcn aller Nationen, die in dieser Stunde eine 
geistige Einheit bilden sollen — zjr Erstaufführung gelangen. Die 
hiesige Uraufführung erfolgt am . . im . . . Theater." 

Benutzen Sie bei Ihren Ankündigungen im Anzeigen¬ 
teil Ihrer Zeitungen ebenfalls unsere Entwürfe der beiden 
Standardplakate. Nicht die Mannigfaltigkeit Ihrer 
Anzeigen, sondern die immerwährende Wiederkehr der 
gleichen Entwürfe sichern Ihren den Erfolg Ihrer Werbe¬ 
tätigkeit. Für ein reines Schiftinscrat können Sie die 
gezeichneten Buchstaben I. \. R. I. mit dem 'Querbalken 
als Mater geliefert erhalten. Fügen Sic in den mittleren 
Raum den Namen des Regisseurs und der Hauptdarsteller 
ein, setzen Sie unter den unteren Balken den Namen 
Ihres Theaters und die Spielzeiten. Beschränken Sie 
sieb bei dem Bernhardentwurf auf ganz knappen Text 
und lassen Sie sowohl bei diesem als auch bei Ihren 
Schiiftinseraten im Anzcigcnspiegcl den freien Kaum 
wiikcn. 

POSTKARTE N 

Die Firma Roß-Bromsilber-Vertrieb hat von dem 
Filmwerk I. N. R. I. eine Serie Postkarten von 12 Exem¬ 
plaren hergestellt. Auch diese liefert Ihnen zwecks 
Verkauf Ihre Verleihfiliale. Lassen Sie sich eine 
solche gute Nebeneinnahme nicht ent¬ 
gehen 1 


Alle diese Vorschläge können Sie bei geschickter 
Benutzung unseres Materials zu sehr geringen Kosten 
ausfiihren. Denken Sie daran, daß gute und z lei¬ 
be w u B t e Reklame sich durch erhöhten Be¬ 
such und gesteigerte Einnahmen vielfach 
bezahlt macht. 


BAYERISCHEN FILM-GESELLSCHAFT 




Seite 16 


t>er Rmcmatogtapfi 


Nummer 874 75 


NEUMANN PRODUKTION 

I • N • R • I 


EIN FILM DER MENSCHLICHKEIT 


GESAMTORGANISATION: HANS NEUMANN ✓ ✓ ✓ / MANUSKRIPT UNI) REGIE: ROBERT WIENE 


HAUPTGESTALTEN DER BIBLISCHEN HANDLUNG: 


Jesus Christus.Gregor Chmuru 

Maria.Hcnny Porten 

Maria von Magdala .Asia Nietscu 

Pontius Pilatus.Werner Krauss 

Der römische Hauptmann.Theodor Becker 

Kaiphas. der Hohepriester.Emanuel Reicher 

Annas, der Oberpricster.Robert Taube 

Die zwölf Apostel: 

Simon Petrus.Bruno Ziener 

Johannes.H. v. Twardowski 

Thomas.Emil Lind 

Jacobus der Altere.Max Kronert 

Jacobus der Jüngere.H. Magnus 

Matthäus.Walter Neutnann 

Simon.Guido Hcrzfcld 


Philippus . . 
Bartholomäus 
Andreas . . 
Lebdäus . . 

Judas Ischarioi 


Wilhelm Nagel 
. . Leo ReuB 
. Eduard Kandl 
Walter Werner 
xi nder Granach 


Jairus.Paul Graetz 

Jalrus' Töchter lein.Maria Kryschanowska 

Eine gelähmte Frau.Mathilde Sussin 


GESTALTEN DER MODERNEN RAHMENHANDLUNG: 


Der Mann in der Zelle.Erwin Kaiser 

Die Mutter.Elsa Wagner 

Der Mönch.Erich Walter 

Der Gerichtspräsident.Ernst Dcrnburg 

Der Staatsanwalt.Gustav Oberg 

Der Verteidiger.Jaro Fürth 

Der Gefängniswärter.Pawel Pawlow 


BAUTEN UND KOSTÜME: BRNO METZNER ✓ ✓ ✓ PHOTOGRAPHIE: AXEL GRATKJAER. LUDWIG L1PPERT. REIMAR KUNTZE 


DER FILM „IN RI" WURDE AUFGENOMMEN IN DEN GESAMTEN ATELIERS 
DES GROSSFILMWERKS STAAKEN IN DER ZEIT VOM MAI BIS SEPTEMBER 1023 


m Geiichtssaal steht ein magerer, krankei Mensch ein armer 

Tischlcrgesellc — ein Anarchist, der den allmächtigen Minister er¬ 
schossen hat. Im iesten Glauben, seinem Volk die Erlösung gebracht 
zu haben, begreift er nicht die Worte der Anklage, die schreien: Mord 

er begreift nicht die Worte des Verteidigers, die entschuldigen: 
Mord - er begreift nicht die Worte der Geschworenen, eie sprechen: 
Mord — und sinnlos fühlt er sich plötzlich in der Mitte Bewaffneter, 
die den zum Tode Verurteilten in die Zelle führen. 

In der Mörderzellc ist der Verurteilte mit seinem Schicksal allein: 
statt der Palme des Erlösers — das Schaloit. Er fühlt den tragischen 
Zwiespalt, und leise dämmert es in seinem müden Gehirn: war der Weg 
richtig? Ein Geistlicher tritt zu ihm. tröstend milde. Aber der Ver¬ 
urteilte verlangt keinen Trost, er glaubt den : echten Weg gegangen zu 
sein — wie Jesus, der Erlöser. Und verlangt plötzlich nach Papier 
und Feder. Kaum noch erreichen ihn die Worte: heute ist Weihnachts- 
Heiligabend. Das Leben des Heilandes wird ihm lebendig: . . . mit 
fester Hand schreibt er auf den ersten Bogen: 

— I • N • R • I 

Im Lande Jada herrscht die harte Faust des Eroberers. Waffen¬ 

klirrend und voller Verachtung für den Besiegten ziehen die römischen 
Besatzungstruppen durch Jerusalem. An heimlichen Plätzen trelfen 
sich Verschworene, verteilen Wallen. Ein Jüngling ist der Feurigste. 
Fnrilammendstc da wird ihnen eine seltsame Mär gebracht. 

In Galiläa ist ein Mann aufgetaucht, dem beugen sich alle Menschen. 
Er spricht keine großen Worte, er predigt nur: liebet euch unterein¬ 
ander. Und die Menge jauchzt ihm zu, hängt an seinem Munde, an 
seinen mildec Augen, der Erwartete ist da, der Messias, der König 
der Judäer. 

Nun wissen es alle: die Stunde der Beirciung hat geschlagen. Und 
der Jüngling mit den brennenden Augen stürzt davon, den Messias zu 
suchen, Jer sein unterdrücktes Volk befreit. 

In der Nähe einer kleinen Stadt sitzt Jesus aui einem Stein und 
spricht: „Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott 
schauen." Mit heißen Blicken hängt der Jüngling an dem Sprechen¬ 
den, er stürzt auf Jesus zu und ruft: „Ich glaube, daB du der Messias 
bist, der Sohn Gottes, König der Judäer.“ Und des Erlösers Blick 


wird tici ernst, als der Jüngling seinen Namen nennt: Judas .'scbariotli. 
- Leise kündet sich das Schicksal an. 

Vor Jerusalem, der großen schweigenden Stadt, stellt der Heiland. 

Flehentlich, von Ahnungen getrieben, bitten ihn die Jünger, die Stadt 

nicht zu betreten. Mit einer stillen Handbewcgung lehnt Jesus ab: des 
Menschen Sohn muß den Weg gehen, den ihm der Vater im Himmel 
vorgeschrieben hat. Und das Volk Jerusalems jauchzt dem Erziehen¬ 
den zu: gekommen ist der Erlöser, der Messias ist da! Die Priester¬ 
schaft ist in heftiger Erlegung, selbst Roms mächtiger Stattha'tcr hört 
die Welle an seinen Palast heranbrausen. Ruhig nimmt Jesu die Hu.di- 
gungen entgegen. Er kennt sein Schicksal. Er schreitet vorbei an der 
Konigsburg. Juliclrufe umstflrmen ihn; nur ein Schritt die marmornen 
Treppen hinauf und die schwache römische Besatzung wird von der 
aufgewühlten Masse zerrissen. Der Erlöser zittert. Er weiß, jetzt geht 
er den Schicksalsweg, den Weg. der entweder zur Königsburg führt 
oder in Schinerz, Dunkel, unendliche Qual. Und aufgerichteten Hauptes 
wendet er sich ab: Nicht zur Königsburg schreitet er empor, sondern 
lenkt seine Schritte zum Tempel. 

Die Offiziere der römischen Besat-nngsarmce liegen auf üppigen 
Polstern bei Maria, der Frau aus Magdala, der Schönsten in Jerusalem. 

Maria ist Jung und verführerisch, hingehend und trotzdem unnahbar. 

Sic verlangt Macht. Macht über Menschen. Und während in ihrem Hause 
das Bacchanal sich wilder entfaltet, ruit ein Offizier, dort geht der neue 
Messias, an ihm versuche deine Macht! Maria lächelt. Siegesbewußt 
schreitet sic hinaus. In tiefen Gedanken schreitet Jesus seines Weges: 
da vertritt ihm die schöne Frau den Pfad. Er hebt das Haupt, ih' 
aufreizender, feuriger Blick trifft ihn eine Sekunde — aber da fühlt 
sie den Zauber dieses milden, gütigen Auges. Sie weiß: nie wird 
dieser Mann einer Frau unterliegen. Jesus senaut sic voll an, ver¬ 

stehend. crbarmungsvoll. Und Maria fühlt ihre Blöße, sie löst ihr langes 
Haar, sinkt in den Staub und küßt den Saum seines Gewandes. 

Im Volk von Jerusalem beginnt ein unzufriedenes Raunen. Der 
Messias schützt die Feinde. Er ist nicht in die Königsburg gedrungen, 
er hat kein Brot und keine Münze gebracht, er ist nicht als König 
gekommen. Nur circr glaubt fest, daß sein Herr sich als König der 
Judäer offenbaren wird: Judas. 

Die Priesterschaft ist entschlossen, den entscheidenden Schlag zu 
führen. Sic suchen von Judas zu erfahren, wo Jesus die Nacht zu- 


PERSONENVERZEICHNIS UND INHALTSANGABE FÜR IHR PROGRAMM 


BAYERISCHE FILM - GE S ELLS C HAFT 

























































ZUSAMMENSTELLUNG 


1 Buntdruckplakat Größe VI. 95 X 144 cm (Hochformat) 

(Entwarf Prof. Vadisz) (Entwurf Prof. Bernhard) 

1 Satz Photos (30 Stück) 24 X 30 cm 
1 Satz Diapositive (10 Szenenbilder) 24 X 30 cm (3 Hoch-, 
7 Querformate) 

1 Drei-Farben-Diapositiv. 24 X .30 cm (Hochformat) 
(En.wurt Prof. Vaddsz) (Entwurf Prof. Bernhard) 

1 Drei-Farben-Diapositiv 8x8 cm, zur Projektion 

(Entwurf Prof. Vadisz) (Entwurf Prof. Bernhard) 

Reklamemarken, 3 farbig, 8 X 10 cm 

(Entwurf Prof. Vaddsz) (Entwurf Prof. Bernhard) 

12 Bilder I. N. R. 1., 22 X 30 cm (einfarbig wie in der 
„Lichtbildbühne“ veröffentlicht) 


Matern für Zeitungsinserate 

Entwurf Prof. Vadäsz, Format ganzseitig Tageszeitungen 
28 X 39,5 cm (Hochformat) 

Entwurf Prof. Bernhard: 1. 61 X 110 mm 

II. 9.4 X 17,5 cm 

III. 13,5 X 25,2 ent 

(ganzseitig Tageszeitungen-Format) IV. 20 X 37,5 cm 
Schrift IJ4.R.I. Ein Film der Menschlichkeit, 9 X 6,5 cm 
Schrift I.N.R.I. Ein Film der Menschlichkeit, 7 > 8.5 cm 
Schrift I.N.R.I. Ein Film der Menschlichkeit, 4,5 X 3,3 cm 


VERLANGEN SIE ZUSAMMENSTELLUNG DER MUSIK FÜR IHR ORCHESTER 


EIN FILM DER MENSCHLICHKEIT 














































»ite 18 _ Ott _ Nununw 874/75 

NEUMANN PRODUKTION GMBH BERLIN 


EIN FILM DER MENSCHLICHKEIT 

REGIE: ROBERT WIENE 

ASTA NIE VSEN / HENNY PORTEN 
GREGOR CHMARA/ WERNER KRAUSS 
ALEXANDER GRANACH / EMANUEL REICHER 

Am 1. Weih n achtsfeierta g des Jahres 1923 
ist der Film .I N R I' in allen Weltstädten 
der Erde- vor Angeh origen aller Nationen- 
zur Erstaufführung gelangt! 


AB FREITAG, DEN 4. JANUAR, TÄGLICH 

PALAST-LICHTSPIELE 

WOCHENTAGS: « UND 8’/« UHR 


REGIE: ROBERT WIENE 


SONNTAGS: S« i 6. 8’4 UHR 


ASTA NIELSEN / HENNY PORTEN 
GREGOR CHMARA / WERNER KRAUSS ✓ ALEXANDER GRANACH 
DIENSTAG. DEN 25, DEZEMBER. NACHMITTAGS S UHR 

Uraufführung im «melfa = pala(l 





IOIIIlllU UllHII!ll lltlltljHlllllllllttlllllllllHIHIIililtllllt>IIIHIHIIHIIlilülllllllfllllllllH>tillllllll(l!lllillitMlitillilllilllüllHllfllillllilllilll)IIIIMMMI11tllllllliHlllllHliitlillltlllili!tl(ill 

BESTELLEN SIE UMGEHEND 

- MATERIAL NUR NOCH IN BESCHRANKTER ANZAHL ZUR VERFÜGUNG- 


IHREN BEDARF BEI DER 



BAYERISCHEN FILM-GESELLSCHAFT 













Nummer 874 '75 


t>er Rincmotogtoph 


Seile 19 



Immer wird »ich 
eia Besuch bei 
KINO-SCHUCH 
























































Seile 20 


Nummer 874/75 


Warenpreise des Großhandels niest richten, dann aber auch in 
der eingangs erwähnten Steigerung der Weltmarktpreise, durch 
welche der Dollar nicht mehr die frühere Kaufkraft von 4,20 M., 
sondern nur die von ca. 2,32 M. erhält. 

Geht man von dieser Voraussetzung aus, so hätte sich die 
Teuerung in der Filmindustrie rach dem Gesamtindex ganz 
normal entwickelt, weil dann die am 6. 11. festgestellte 
Dollarsteigerung etwa zu verdoppeln wäre. 

Von diesem Gesichtspunkt aus gesehen, wäre die Picksche 
Berechnung zahlenmäßig korrekt, es ist aber immerhin inter¬ 
essant, festzustellen, daß Großhandels- und Lebcnshaltungs- 
index hinter dem Filmindex weit Zurückbleiben. 


Der tiefere oder — besser gesagt — der praktische Grund 
dafür ist, daß eben tatsächlich zum Zeitpunkt des Vergleichs 
noch keine absolute Angleichung aller Faktoren, die bei der 
Indexberechnung in Frage kommen, an das Weltmarktniveau 
stattgefunden hatte. 

Die Teuerung im Filmverleih ist in der kurzen Periode 
unserer Betrachtung dreimal so groß gewesen wie die des 
Devisenpreises und die der Lebenshaltung sic ist um mehr 
als das Doppelte der Teuerung im Großhandel gestiegen und 
übertrifft bei weitem diejenige der gesamten Filmindustrie. 

Der Filmverleih hat also den Weltmarktpreis verhältnis¬ 
mäßig früh überschritten, er is:, am Dollar gemessen, den 


Kosten der Lebenshaltung und vielen anderen Preisen voraus. 
Hier ergibt sich nun die Frage, ob dieses Vorauseilen berech¬ 
tigt war, eine theoretische Frage, weil aller Voraussicht nach 
inzwischen auch auf anderen Gebieten eine Angleichung oder 
Überschreitung des Weltmarktniveaus zu verzeichnen ist. 

Rein gefühlsmäßig ist diese starke Angleichung des Film¬ 
index an das theoretische Preismaximum — das praktisch viel¬ 
leicht vorübergehend zu einer Überspannung führt — wahr¬ 
scheinlich der Grund gewesen, warum man zu Goldpreisen 
übergehen wollte. Aber bei der Durchführung dieses Vor¬ 
schlages würden sich andere Schwierigkeiten ergeben. Ganz 
abgesehen davon, daß auch die ..Goldmark" ja in Papier ent¬ 
richtet werden müßte, ist vor allem die künstliche Regulie¬ 
rung der Relation zwischen Papiermark und Dollar ein vor¬ 
läufig unüberwindliches Hindernis. 

Im Prinzip wäre die Einführung der Goldmarkrechnung nur 
eine Ersetzung des Pickschen Index durch den Dollarkurs. 
Solange der sich nicht frei nach den tatsächlichen Verhältnis¬ 
sen bildet, ist er aber als Grundlage für wirtschaftliche Be¬ 
rechnungen unbrauchbar. 

Der Übergang zur Geldmarkrechnung im Filmverleih würde 
gerade aus dem letzten Grunde eine Neuberechnung aller 
Grundpreise, also eine umfassende Revision bedeuten. Wie 
sich die Verhältnisse dann darstellen und entwickeln müßten, 
sei in einem besonderen Artikel geschildert. 


Filmabrechnung und Geldentwertung 

Rechtsanwalt Dr. Ernst Eckstein. 


I n Lizenzverträgen sowie in anderen Verträgen der 
Filmindustrie, wie beispielsweise Kino-Pachtverträgen mit 
gemeinschaftlicher Beteiligung und dergl., finden sich 
häufig Klauseln über die Verrechnung und Auszahlung der 
abzuführenden Summen in der Weise, daß über die Ein¬ 
nahme eines bestimmten Zeitabschnittes bis zu einem be¬ 
stimmten Zeitpunkt Rechnung zu legen und der sich er¬ 
gebende Saldo abzuführen ist. Die praktische Durchfüh¬ 
rung dieser Klausel hat in den letzten Monaten dazu ge¬ 
führt, daß der Abrechnungspflichtige den Vertragsgegner 
durch Ausnutzung der Geldentwertung außerordentlich 
übervorteilen konnte. Wenn beispielsweise ein Vertrag 
dahingeht, daß von den eingehenden Leihmieten aus einer 
Filmlizenz 50 Prozent an den Lizenzberechtigten abzu¬ 
führen sind, und zwar jeweilig eine Woche nach dem Ab¬ 
rechnungsmonat, so kann der Verleiher in den ersten 
Tagen eines Monats einige Millionen eingenommen haben, 
die er selbstverständlich wertbeständig anlegt, um dann 
nach sechs Wochen die Hälfte dieser Millionen abzu¬ 
führen, wenn der wertbeständige Gegenwert sich bereits 
verzehnfacht oder verhundertfacht hat. — 

Ein derartiges Verfahren ist dem Buchstaben des Ver¬ 
trages nach gerechtfertigt. Wenn aber der Verleiher die 
eingehenden Leihmieten wertbeständig anlegt, muß er unter 
Umständen noch hinzuzahlen, falls das wertbeständig 
angelegte Kapital nachträglich nominell weniger beträgt 
als die Hälfte der nominell eingezahlten Summe. Aber 
diese Überlegung ist gegenüber den wirtschaftlichen Vor¬ 
gängen der letzten Monate von nur theoretischer Bedeu¬ 
tung. Kein Kaufmann wird weder im eigenen Interesse 
noch im Interesse eines anderen, mit dem er durch irgend¬ 
einen Gesellschafts- oder Kommissionsvertrag auf Gedeih 
und Verderb verbunden ist, zum Nachteil beider Parteien 
das Geld entwerten lassen, und wenn in diesen Zeiten 
jemand ein Risiko der Gcldwertsteigerung nicht eingehen 
will, so wird jeder korrekte Kaufmann sich mit dem Ver¬ 
tragsgegner in Verbindung setzen und diesen fragen, ob 
er mit wertbeständiger Anlage einverstanden ist. — 


Dem Geiste des Vertrages entspricht es jedenfalls nicht, 
wenn der Verleiher oder der sonstig Berechtigte (Theater¬ 
besitzer usw.), auf den Buchstaben des Vertrages bauend, 
den Vorteil aus der Geldentwertung zieht. — 

Jeder derartige Vertrag ist ein Betei ligungsvertrag 
derart, daß dem einen Teil ein Bruchteil des eingehenden 
Wertes zufließen soll. Auf keinen Fall denkt die Partei 
daran, wenn sie Abrechnungs- und Zahlungsfristen verein¬ 
baren, daß der Gläubiger Geldentwertungsvorteile ziehen 
soll, durch die möglicherweise der beabsichtigte, an¬ 
gemessene Anteil der einen Partei auf einen minimalen 
Bruchteil reduziert wird. Die Befristung der Abrechnung 
und Zahlung hat eine rein praktische Bedeutung, der 
Gläubiger soll nicht über jeden eingehenden Betrag sofort 
Rechnung legen und Zahlung leisten, sondern soll diese 
Pflicht nur periodisch ausüben müssen. Die Klausel be¬ 
stimmt also nur etwas über den Zeitpunkt der Abrechnung 
und der Auszahlung, nicht dagegen über ihre Höhe. Nach 
dieser Richtung hin ist jeder gesellschaftsähnliche Vertrag 
nach Treu und Glauben dahin auszulegen, daß der Ver¬ 
pflichtete, wenn er nicht von jeder eingehenden Zahlung 
sofort den Anteil an den Vertragsgegner abführt, dieses 
Geld in gemeinschaftlichem Interesse, nämlich wert¬ 
beständig zu verwalten hat. 

Der Empfänger braucht es sich daher nicht gefallen zu 
lassen, nach Ablauf längerer Zeit sich seinen Anteil in ent¬ 
werteter Papiermark ohne Aufwertung auszahlen zu lassen. 

Wer z. B. am 1. Juli eine Million einnimmt und diese 
Million bis zum 15. August in 300 Millionen umgewandelt 
hat und dann nicht die dem Vertragsgegner zustehende 
Hälfte in Höhe von 150 Millionen abführt, sondern nur 
500 000 Mark, der ist um fast den Gesamtwert des Geldes 
bereichert und muß daher die Hälfte des Mehrbetrages 
an diesen abführen. 

Dieses Ergebnis rechtfertigt sich aber nicht nur auf 
Grund der Auslegung der gesellschaftsähnlichen Verträge 
nach Treu und Glauben, sondern gleichzeitig nach den 
Grundsätzen der ungerechtfertigten Bereicherung. 


Filmlicht A.-G., Düsseldorf. 

Die am 13. Juni in der Generalversammlung beschlossene 
Erhöhung des Grundkapitals auf 30 Millionen Mark 
ist laut „Reichsanzeiger" vom 6. November durchgeführt 
worden. Das Ursprungskapital betrug 17 Millionen. 


Lux-Film G. m. b. H. 

Laut Eintragung in das Berliner Handelsregister ist die 
obengenannte, bisher wenig hervorgetretene Gesellschaft 
aufgelöst. Zum Liquidator ist der bisherige Geschäfts¬ 
führer, Herr Israel Rosenfeld, Berlin, bestellt worden. 



Nummer 874 ^75 


Örr Rinrmotogroph 


Seile 21 


Die Zentriereinrichtungen für den Film im Fenster 


W enn wir auch gewöhnt sind. Malteserkreuz und 
Blende als die wesentlichsten Teile des Schalt¬ 
werkes anzusehen, es darf uns dies nicht dazu verführen, 
den anderen Teilen des Werkes allzu wenig Aufmerksam¬ 
keit zu schenken. Zu diesen Teilen, über die wir so 
leicht hinwegsehen, gehört die Vorrichtung, die erlaubt, 
die Begrcnzungslinien des Filmbildes mit dem Fensteraus¬ 
schnitt in Übereinstimmung zu bringen, oder kurz gesagt, 
den Film im Fenster einzustellen, zu zentrieren. 

Die englische Sprache hat für das ..falsch einslellcn" 
des Films im Fenster das überaus kennzeichnende Zeit¬ 
wort „to misframe"; schade, daß die deutsche Sprache 
nicht ebenso leicht zum bilden neuer Worte neigt: wir 
würden dann kurz vom ,,entrahmten“ oder ..\errahmUn 
Bild sprechen, denn „verstellt" oder „verschoben" ist 
nicht eindeutig genug, wie ja auch ein „eingestellter" Film 
nicht nur ein geometrisch, sondern auch ein op isch richtig 
stehender Film ist. Der Franzose spricht von Cadragc 
und Decadrage, also auch von Rahmen und Kntrahmen. 
Wir entbehren auch hier noch einer einfachen deutschen 
Bezeichnung. 

Die ältesten und einfachsten Zcntricrvorricl'tungcn, die 
den W'eg des Films zwischen Malteserkreuz und Bild- 
fenstcr dadurch zu verändern gestatten, daß dieser Weg 


durch eine in der wagerechten Richtung fein verschieb¬ 
bare Rolle verlängert und verkürzt werden kann, sind 
deshalb wenig vorteilhaft, weil sic dem Film gerade an 
der Stelle, wo man ihm möglichst wenig zumuten möchte, 
nämlich zwischen dem ruckweisen Betrieb und den 
Bremskufen des Fensters, noch ein Hindernis in Gestalt 
einer losen Rolle in den VC eg legen, die, mag sie noch so 
leicht und noch so leicht beweglich sein, stört. Außer¬ 
dem ist man so gezwungen, der Filmweg zwischen Kreuz 
und Fenster an sich etwas zu verlängern, um die Zentrier¬ 
rolle einschieben zu können, und man kann doch aus 
anderen Gründen diesen Weg gar nicht kurz genug 
machen! Ist diese Hinrichtung mechanisch unbefriedi¬ 
gend, so genügt eine andere Gruppe von Hinrichtungen 
in opt:scher Hinsicht nicht. Wir schnüren das l.ichtbiin- 
del am Fenster so eng zusammen, wie es nur angeht, ohne 
daß die Reinheit der Beleuchtung leidet, denn ein unnötig 
große: Durchmesser des I-ichtkegels bedeutet I.ichtver- 
luste. Macht man nun das F.ildfenster für sich allein in 
Höhe gegenüber der.i Malteserkreuz und allen anderen 
Teilen verschiebbar, so kann man zwar den Film im 
Fenster zentrieren. Denn w.rd das Fenster nach oben 
geschoben, so zieht sich der Film zwischen den Kufen 
durch, und wird cs nach unten geschoben, so bleibt er 



Neu! 


OSRAM 

NITRA 

PR0JEKTI0NS1AMPEN 

in 

Röhrenform 


OSRAM 

G.mbH. 

Kommanditgesellschaft 




Seite 22 


Der Rinemotograpfi 


Nummer 874/75 


/.war zunächst in den Kufen s'ehen, er wird aber bei der 
nächsten Schaltung entsprechend weniger nach unten ge¬ 
zogen, bleibt also um den Betrag der Fensterverschiebung 
zurück. Aber man muß, wenn nicht auch das Objektiv 
und die Lichtquelle nebst Kondensor mit gehoben oder 
gesenkt werden, mit einem so großen Durchmesser des 
Lichtkegels, also einer so ger ngen Zusammenschnürung 
arbeiten, daß das Fenster in der höchsten und in der tief¬ 
sten Stellung gleich gut ausgeleuchtet ist. Man kommt 
also, will man diese geringe Lichtausbeute vermeiden, zu 
verhältnismäßig komplizierten Änderungen im Aufbau des 
ganzen Apparates. 

Verhältnismäßig einfach läßt sich das Zentrieren da¬ 
durch erreichen, daß das ganze Malteserkreuz gerad¬ 
linig in Höhe verschiebbar gemacht wird. Da ja die Vor¬ 
wickel-. die Nachwickelrollc und die Antriebswelle für das 
Kreuz von einer gemeinsamen vertikalen Weile angetric- 
ben werden, läßt sich dies in der Weise erzielen, daß 
J as Zahnrad, das die Drehung der gemeinsamen Welle 
an das Malteserkreuz überträgt, längs dieser Welle ver¬ 
schoben wird. Aber derartig geradlinige Verschiebungen 
sind oft nicht ganz leicht und klemmungsfrei zu erzeugen. 
Mechanisch einfacher ist cs, die geradlinige Bewegung 
durch eine Schwingbewegung zu ersetzen. Das Malteser¬ 
kreuz sitzt auf einem Arm, der um eine Welle geschwenkt 
werden kann, von der der Antrieb des Kreuzes ausgeht. 
Das Kreuz bleibt dann dauernd in Verbindung mit dem 
Schaltwerk, es wird aber, wenn der Schwenkarm in seiner 
Mittellage horizontal liegt, durch Verschwcnkcn gehoben 
und gesenkt. Hinsichtlich des Zentrierens ist so die Auf¬ 
gabe in einfacher und genügender Weise gelöst, es ist 
aber damit ein neuer recht bedenklicher Fehler in die 
Wirkung des Apparates eingeführt. Beim Schwenken 
rollt das Rad. dessen Lager auf dem Arm liegt, auf dem 
Rad, um dessen Achse das Schwenken vollzogen wird, 
wenn auch nur wenig, ab; es w-^rde sich also z. B. beim 
Schwenken um einen beträchtlichen Winkel unter Um¬ 
ständen das Kreuz um eine ganze Biidhöhe weiterschai- 
ten können. Jedenfalls ergibt aber auch eine gelinge 
Schwenkung eine geringe Verdrehung der Schaltscheibe 
des Kreuzes und damit eine Verschiebung zwischen der 
Stellung der Bilder und der Blendenscheibe. Hat z. B. 
der Verschlußflügel das Bildfenstcr bei der Mittellage des 
Schwenkarmes gerade abgedeckt, wenn die Schaltbewe¬ 
gung des Kreuzes gerade einsetzt, so wird diese in den 
beiden Grenzlagen des Armes beginnen, einmal, wenn 
die Abdeckkante das Bildfenster schon überschritten hat, 
und in der entgegengesetzten Schwenklage, ehe das Fen¬ 
ster ganz abgedeckt ist. Beides wird zu Störungen Ver¬ 
anlassung geben, es kann das Flimmern verstärkt werden, 
das Licht kann wenig ausgenutzt werden, und Ziehen kann 
einsetzen. Aus diesem Grunde hat man in irgendeiner 
Form die Zentriervorrichtung mit der Blendenwclle in 
eine solche Verbindung gebracht, daß mit der Verstellung 
des Kreuzes eine Verstellung der Blendenwclle um einen 
der Krcuzverstellung gleichwertigen Betracht eintritt. 




Hugo Carolyl 

Ingenieur I 

Am 11. ttacCvcrsländlg. f. Kino u. Protektion I 

Köln -r Agrlppastr. 19 | 

Fernsprecher: Rheinland 5210 
Ständiges großes Lager in 

Klno-Apparalen u. Zubehör I 


Man kann aber auch die bei der Höhenverstellung des 
Kreuzes eintretende Winkelverstcllung durch besondere 
mechanische Einrichtungen aufheben, dann ist eine Be¬ 
einflussung der Blendenwclle nicht erforderlich. Daß der¬ 
artige Einrichtungen verhältnismäßig kompliziert sein 
müssen, ist einleuchtend, trotzdem sind sie erforderlich, 
wenn man hinsichtlich der Abdeckung des Biidfensters 
allen durch die Sorge um das Verhüten des Flimmerns 
vorgeschriebenen Bedingungen genügen will. 

Hinsichtlich der Betriebssicherheit lassen diese Einrich¬ 
tungen, mögen sie nun die Phasenverstellung zwischen 
Kreuz und Blende berücksichtigen oder nicht, nichts zu 
wünschen übrig. Ob dies bei den Einrichtungen der Fall 
ist, die auf einer Verstellung des Schaltkrcuzes der vom 
Kreuz absatzweise gedrehten Zackenrolle gegenüber ihrer 
Welle beruhen, erscheint zweifelhaft. Derartige Verstel¬ 
lungen sind in der Feinmechanik landläufig und werden 
mittels Stiftes und schrägen Schlitzes ausgeführt. Aber 
es ist zu bedenken, daß sie hier an einem Glied vorge¬ 
nommen werden müssen. Jaß in der Sekunde 18—20 mal 
je eine ’i Umdrehung geschaltet wird und daß zu jeder 
Schaltung weniger als oft nur ' Sekunde : ur Ver¬ 

fügung stehen Es müssen verschiebbare Teile an einem 
so stark beanspruchten Stück sehr bedenklich erscheinen, 
zumal da auch der geringste Totgang an diesem Stück 
das Stehen des Films beeinträchtigen muß, also die Kino¬ 
projektion ins Leben trifft. 

Auch mit dem geringsten Fehler am Malteserkreuz und 
an allen mit diesem unmittelbar zusammenhängenden 
Teilen ist der Wert des ganzen Projektors auf das 
schwerste gefährdet. Wenn irgendwo, so ist an dieser 
Stelle das Beste gerade gut genug. Jede Sparsamkeit an 
diesem Teil rächt sieb, entweder am Verschluß des Films 
oder, wie es hier der Fall ist, an der Güte des Bildes. 



Kino- 

Wiedergabe-, Aufnahme-, Schul- und Heim- 

Apparate 


Gesellschaft fitr 
Kinematograpben 

m. b. H. 

KÖLN. Friesenslr. 26-32 


Tel.: Rheinland 3924 
Kinotedin. Spezial • Geschäft 
General - Vertreter der 

Erfel-Werke A.-G. 


Abteilung Film-Verleih für Kino und Heim 






Nummer 874, 


Seite 23 


Z 75 _OttlawMiynrt 


Das Tempo bei der Vorführung 

Im „Nieuw Weekblad voor de Cincmatografie“ lesen wir 
Es |ist merkwürdig, in wie wenig Iheatern ich am Vor 
derstück einen Zählapparat gesehen habe. Der Motor 
ist auf 16 Bilder in der Sekunde fest eingestellt. Bei der 
Geschwindigkeit der Projektion aber kommen hundert 
Fragen auf: Welche ist die übliche oder normale Ge¬ 
schwindigkeit? Bis zu welchem Maximum resp. Minimum 
kann man gehen? 

Die alte Normalgeschwindigkeit beträgt 16 Bilder in 
der Sekunde. Hat nun der Operateur bei der Aufnahme 
langsamer gedreht, so werden die Bewegungen zu un¬ 
ruhig; hat er schneller gedreht, so ist die Projektions- 
bewtgung zu langsam. 

Am rationellsten wäre es also, wenn man der Hand¬ 
lung auf der Leinwand sorgfältig folgte und danach die Ge¬ 
schwindigkeit der Projektion regulierte, d. h., daß bei 
den meisten Szenen der Motor umgestellt werden muß, 
entweder normal oder schneller oder auch langsamer. 
Hier liegt der Weg zu einer korrekten Projektion. Geben 
Sie einmal genau acht auf die ernsten Szenen zwischen 
zwei Menschen: Fast immer ist das Tempo zu schnell; 
eine einfache Berührung, das Streicheln des Haares, alle 
diese schüchtern-zögernden und doch so innig rührenden 
Bewegungen gehen verloren, wenn das Tempi zu schnell 
ist. Das Intime verschwindet. Bei vielen Schmier- und 
Unsinnfilmen hingegen könnte das Tempo ruhig aufge¬ 
peitscht werden, nicht als Tempo des Ganzen aber doch 
von einigen ausgewähltcn Szenen. Die Geschwindigkeit 
der Projektion, das „Tempo", würde also zu wechseln 
haben zwischen 15 bis 24 Bildern in der Sekunde. Von 
einem konstruktiven Standpunkt aus ist dieses Tempo zu 
erlauben. Aber wer reguliert diese Geschwindigkeit? 
Soll man neben den Operateur noch jemand in die 
Kabine setzen, der darauf achten soll? Oder wird der 
Operateur das selbst tun müssen? Ich denke, daß alles 


beim alten bleiben wird, trotzdem darl aber mal etwas 
darüber gesagt werden. 

Ich vermisse in fast allen Projektionen etwas Persön¬ 
liches. Wenn ich dann so einen durchrasenden Film sehe, 
denke ich: „Jetzt ein bißchen langsamer — jetzt ein 
bißchen schneller!" — mit anderen Worten: eine „Seele" 
muß projizieren, nicht nur die Maschine; lasse von ihr 
die grobe Arbeit besorgen, aber lege auch etwas von dir 
selbst in die mechanische Arbeit! 


Kinematographie im Operationszimmer 

Bisher war bei kinematographischen Aufnahmen in Opera 
tionszimmern die Gefahr vorhanden, daß durch den Appa¬ 
rat und die Beleuchtungskörper schädliche Keime in den 
Kaum eingcschlcppt werden konnten. Professor A. von 
Kothe, der berühmte Berliner Chirurg, hat jetzt eine Hin¬ 
richtung in der Berliner Charite geschaffen, durch die 
kinematographische Aufnahmen von Operationen mög¬ 
lich sind, ohne daß die Keimfreiheit des Raumes verletzt 
wird. Die Projektionslampcn für die Beleuchtung befinden 
sich außerhalb des Raumes, und ihre Bedienung geschieht 
durch ein mit dem Fuß vom Operateur einzuschaltendes 
Pedal. 

Herr Professor von Kothe hat seine Erfindung auch nach 
Spanien und Südamerika weitergegeben und ist eben 
daran, sie in den Vereinigten Staaten einzuführen. Außer¬ 
dem ist der ausgezeichnete Gelehrte dabei, ein. wie man 
cs nennen könnte, kinematographisches Lehrbuch des 
chirurgischen Unterrichts zusairmcnzustcllcn. so daß selten 
vorkommende Operationen den Hörern im Auditorium vor¬ 
geführt werden können, ohne daß der Patient den Studie¬ 
renden vorgeführt zu werden braucht. Professor von Rothe 
hat selbst einige neue technische Konstruktionen erdacht, 
um die Aufnahmeapparate für die medizinischen Untci- 
richtszwecke brauchbar zu machen. 











Seilt. 24 


8ct Rmcmntogrnph 


Kummer 874/75 




Einser düngen aus cer Industrie. 

Die Kinophot in Frankfurt a. M.. Kaiser-Passage 8-10, hat 
außer der Alleinvertretung der Firma W. A. Birgfcld. Telephon- 
und Telegraphenbau A.-G., Berlin, für den Großbezirk Frank¬ 

furt a. M. und das besetzte Gebiet auch die Alleinvertretung der 
Afra-Aktiengesellschaft für Radio-Apparatebau, Berlin, für eben 

diese Gebiete übernommen. 


Lee Parry wird die Hauptrolle in dem neuen Eichberg-Film „Die 
schönste Frau der Welf' spielen. 


Die Promo-Film Akt.-Ges.. deren Hauptbetätigungsfeld in der 
letzten Zeit, besonders nach ihrer Vereinigung mit der Westfalia- 
bilm Akt.-Ges., der Filmverleih war, hat sich neuerdings wieder 
der Fabrikation von Filmen zugewandt. Geplant sind zunächst 
drei artistische Grotesken, deren erste „Die Hose des 
Onkels" soeben fertiggestellt worden ist. In den Hauptrollen 

wirken u. a. mit: Carl Viktor Plagge und Anna Müller-Linke. 

F'erner hat das genannte Unternehmen in Gemeinschaft mit einer 

Schweizer Firma einen fenfaktigen Alpenfilm hcrgcstellt, der dem¬ 

nächst zur Aufführung gelangen wird. 


Thomas Mann hat das Filmmanuskript „Tristan und 
Isolde" fertiggestellt. Die Rolf Randolf-Film-Aktien-Gcsell- 
schaft hat mit den Vorarbeiten begonnen. 


Die Arko-F'ilm G. ni. b H„ die von Dr. Koenig. dem früheren 
Direktor der Projektions-Aktiengesellschaft Union, geleitet 

wird, hat ihre Geschäftsräume nacn Berlin SW., Schöneberger 

Ufer 36a, verlegt. Telephon: Nollcndorf 928 30. 


Die vor einigen Monaten in Lemberg gegründete Gesellschaft 
„Sonja-Film" hat ihre Vertriebs- i nd Yci leih-Organisation in¬ 
zwischen weiter ausgebaut und eine Reihe amerikanischer Filme 
für Polen erworben. Der Direktor dieser Gesellschaft, Herr 
Redakteur Dimilry Krenzalowsky, wird auch an der binnen kur¬ 
zem beginnenden Fabrikation der Firma persönlich künst¬ 
lerischen Anteil nehmen. Die Manuskripte der drei ersten 
Großfilme sind fertiggcstellt. Die Berliner Vertretung de r 
„Sonja-Film" befindet sich ir Wilmersdorf, ßrandenburgischc 
Straße 70. Leitung: Fräulein Ilse Ze-be. 

• 

Die Uraufführung des nächsten Großfilms des Filmhauses 
Bruckmann & Co. „Stürme findet am 7. Dezember im Dculig- 
Palast, Alhambra, KurfürsLndamm, statt. Der Film wurde her- 
gestellt von der Univcrsal-F'ilm-Corporation, New York. 

Karl Grünes Stern-Film „Die Straße" wird Mitte Januar unter 
dem Titel „Boulevard" seine französische Uraufführung im Pariser 
Kinopalast S’. Martin haben. Die Berliner Premiere findet Ende 
dieses Monats im U. T. Kurfürstendamm statt. 

Die Firma Kinophot, Frankfurt a. M., Kaiser-Passage 8-10, hat 
mit heutigem Tage die Alleinvertretung für den Großbezirk 
Frankfurt a. M. der Firma W. A. Birgfcld, Berlin W 8. Telephon- 
Radio- und Telegraphcnbau-A.-G. übernommen. 

Im Verleih dar Filmlicht A.-G. (vorm. Straßburger & Co.) er¬ 
schien das reizende Liebesspiel aus alter Zeit „Um Recht und 
Liebe" mit Hanni Reinwald in der Hauptrolle. 

„Das Haus am Meer" der Metrofilm A.-G. hat folgende Be¬ 
setzung. Asla Nielsen, Grigori Chmara, Albert Steinrück, Hermann 
Vallenlin, Alexandra Sorina, Carl Auen Regie: Fritz Kaufmann. 
Photographie: E. Waschncck. Bauten: Kurt Richter. 

Die zum Konzern der National-Film A.-G. gehörenden Hof- 
jäger-Lichlspicle, Hasenheide 52-S3, führen eine neue moderne 
Bü'.inenschau ein. Vom 16. bis 22. d. M. tritt Celty de Rheidt 
mit ihrem Fjisemble persönlich auf. 

• 

Die National-F'ilm Akt.-Ges. beginnt dieser Tage in ihren 
Tempelhofer Ateliers die Aufnahmen zu dem großen Illes-Film 
„Die Todgeweihte n". Das Manuskript, das im Rahmen 
einer äußerst spannenden Handlung Probleme der nächsten 
Menschhcitszukunft behandelt, stammt von Eugen llles, der auch 
die Regie führt. Die Träger der Hauptrollen sind: Bernd Aldor, 
Erich Kaiscr-Tilz, Sascha Gura, Maria Zelcnka, Eugen Rex und 
Jaro Fürth. Photographie: Franz Stein. 

Die M e l r o I i 1 m A.-G. hat für ihren neuen Film „Das Haus 
am Meer" (Manuskript von B. FL Lüthge) noch Alexandra Sorina 
und Hermann Vallentin engagiert. Die Bauten besorgt Kurt 
Richter, die photographische Leitung Erich Waschncck. Die Auf¬ 
nahmen im Zoo-Atelier haben begonnen. 

Der neue dreiteilige amerikanische Großfilm des Filmvcrlags 
Wilhelm Feindt, „Circus N e 1 I y", ist soeben vollständig 
reichszensiert worden. Die drei Abteilungen haben folgenden 
Titel: „Ein gefährliches Erbteil", „Unter Räubern und Raub¬ 
tieren", „Recht gegen Gewralt". 


Der erste textlose Kulturfilm, der mikrokine- 

matographische Aufnahmen aller möglichen Sachen zeigt, denen 

wir im täglichen Leben begegnen wie Papier. Salz. Wasser. 
Seide, Nadel, Fliege, Floh etc., ist jetzt vom Therc-Film unter 
dem Titel „Wunder um uns" fertiggcstellt worden. Photo¬ 
graphie: Theo Rockenfeller. 


Der Rundfunk im Film, und zwar unter gleichzeitiger 
Illustrierung einer Großfunksiation, ist die neueste Arbeit des 
Thero-Film: Die Au3enaufnahmen wurden auf der Großfunk¬ 
stelle Nauen, zum Teil auf den höchsten Turmspitzen, gedreh*. 
während Trickzeichnungen das Wesen der drahtlosen Tele¬ 
graphie und Teicphonie erläutern. — In Arbeit befindet sich 
gleichzeitig der Film „Riesen der Urzeit", der aus¬ 
schließlich die riesenhaften Reptile und Säugetiere der Jura- 
und Kreidezeit beweglich im Bilde bringt. Plastiken: Richard 
Stamm. Photographie: Theo Rockenfeller. 


Jackie Coogan ist nach einer kurzen Pause wieder mit frischen 
Kräften an der Arbeit zu seinem nächsten Metro-Filme „D e r 
Hund von Flandern", nach einer Romane von der Ouida 
Auch dieser Film wurde, gleich „Leng - lebe der König", von der 
British American Film A. G„ Direktion Nivclli und Socarman, 
Berlin SW 48, Friedrichstraßc 5 6, Dönhoff 1213 14, erworben. 


1JIIZIIIH 

Kölner Photo- and Kino Zentrale 

Neumarkt 32-34 KÖLN a. Rh. Tel.: Kinozentrale 


Maschinen 

Spiegellampen 

Umformer 

Gleichrichter 

Transformatoren 

Widerstände 

Kohlen 

Objektive. 

kiootediniidie Artikel 

zu 

angemessenen Preisen. 


fionpral-Vprtrißh der Bahn 6nen-Kino Erzeugnisse 
U “ ne i ai »ff™ 1 für Rheinland and Wesllolei. 



Als fünlter Film mit Jolly Bill wird zurzeit im Wilhelm- 
Feindt-Atelier, Berlin-Lankwitz, die zweiaktige Lustspiel-Gro¬ 
teske „Jolly und sein Schwiegerpapa" gedreht. 



























874/75 


3Dct Rincmnlofltopft 


Seit* 25 




Lichhpiel Palast 


Lichtspiel-Theater 



Klagen Sie nicfpt 

über sc&lec&ie Zeiten ! 


9. November 1923 

itl . 

Der Kinematograph* 
ugust Scherl G.m b.H. 

Berlin SW 08 

Da die kleine Anzeige in Ihrem 
inematographen über mein Er- 
arten hinaus gute Erfolge ge- 
eitigt hat, so bitte ioh Sie, 
iese in bisheriger Form weiter 
u veröffentlichen. 


kleine, bt* za der. gr< Cten Objik 


Saal-Kino 


i Emil Pohl,Berlin 027 .pilntilr .39 

Kinos 

| alles CeiMtai bietet laufend an 

i Kino Agentur Emil Pohl 

| Berlin O 27« Sch.tUagstrafte 39. 7d,ph..n \ 

(KINOS 


oltle den bcabslzCtlglen An- 
aj fwirlOnen unser eVorscßläge 
r Sir- - unterbreiten werden. 


Der KinemaiograpI) 

An 3 e‘gen-Abteilung 
BERC1N StVO-, Zimmerstraße 30-41 


Modernes Lichtspieltheater in Badeort. 

Nähe Frankfurt a. M., im unbesetzten Gebiet, 
250 Sitzplätze mit allen neuzeitlichen Einrichtungen, 

sofort zu verkaufen. 

Chiffre K. J. 8176 an den Scherlverlag, Berlin SW 68. 


Konzern 

sucht mehrere Theater im besetzten 
Gebiet durch Kauf, Pacht oder Be¬ 
teiligung zu übernehmen. Geft. Of¬ 
ferten auch von mittleren und kleinen 
Theatern unter K. E. 8172 an den 
Scherlverlag, Berlin SW68, erbeten. 


k. Strashiif. bntorl t l*u| 


Kaufe Filme 

ledrr Ar«. 

f-'iUngcbotc cfbrlcr. 

Schlfftan. Berlin, Friedrich-Straße 243 



Film-Verkauf 
oder Tausch!! 


zu verkaufen 

























































































































Nummer 874 '75 


Oec Rincmatogrnpf) 


Seile 27 




Ein grausames Geschick entrifc uns in weiter Ferne unseren 
langjährigen, so bewährten Mitarbeiter, unseren (reuen Freund, Herrn 

Hugo Amberg 

Sein lauterer Charakter, sein liebevolles Wesen hatten ihm nur 
Freunde geschaffen. 

Uns war er mehr. 


Oskar Einstein und Frau 

Universal Pictures Corp 



Filme für Italien 

Bekann/er deutscher Fachmann reist 
regelmäßig nacß Italien und ist bereit 

Filmverkäufe in Italien 

zu -vermitteln. Oflerfen unter K. A. S167 an d-n 

Scherlverlag, Berlin SW öö Zimmer strafte 3C-41 


Erste Ref erenxen und Sic ßer ßeiten steßen zur Verfügung 


















W3J 


Seite 28 


I»cr Äincmotogcapfi 


Nummer 874/75 



»er neue 

Spiegellampen - Transformator 


K. Menzel 


vertausche 

M otorrad 


Großes Glashaus 


sofort zu verkaufen. 


i lj An unsere Postbezieher! 

Der endgültige Bezugspreis für November ist auf 80 Goldpfennig fest¬ 
gesetzt morden. Die seinerzeit gezahlten 12 Milliarden Mark betrugen bei 
einem Goldmarkpreis von damals 120 Milliarden rund 10 Goldpfennig. Es 
müssen demnach noch 70 Goldpfennig nacherhoben werden. Dieser Beirag 
wird unter Berücksichtigung des Kurses am Inkassoiag vom Postbeamten ein¬ 
gezogen werden. Wir bitten, die vorgelegte Quittung pünktlich einlösen zu wollen. 

DER KINEMATOGRAPH. 


Kino-Apparat 

itnSpicgcUantpc u Lein* and 

Johann Wolf 


Kino-Gestühl bringt regelmäßig 

luMfJbrik 01 ? LODINCHAUSEN^i' W 


2 Kino-Objektive 


$üm*l$üÖcc 





































Reparaturen! 


- nur Original-Ersatzteilen! - 

FOr fachgemAfcc Ausfahrung 
wird Garantie geleistet 

Reichhaltiges Lager in kompletten 

Kino-Einrichtungen aller Fabrikate 

,,Krupp - Ernemann" 

Spiegellampen 

Stets gute GelegenheitskAufet 


Kinograplt* Franftlurt a.M. 

nur Mosels irofee 35 

1 Minuten vom Hauptbahnhof. i nweit Schumann Theater 
Telephon ROmer 2459 


BLUMBERG & Co., DÜSSELDORF 

GERRESHEIMERS1R. 174 
GEGR. 1885 * BILLETFABR1K • gegr.is.5 


Einzige Fabrik im besetzten Gebiet für 

Birekabillefs 

auch mit Sieuersiempel 
Block- und Bücher-Billets 


Das altbewährte Kinoöl 

„AXOL“ 

In IA Friedensqtilc 

sowie der beliebte Filmkiif 

„PROMAT" 

■wäecer vorrätig. 

Westdeutsches technisches Büro 

für Projektion und Kinematographie 

ESSEN 


Dr. Max Levy, Berlin N 65, Muüerslr. 30 


»- 


Anher Spar 


40' U,W ^V 


/ Verkaufen \ 
Sie l 

keine 

Filmrollen, Filmabtälle, 
Perforierspäne oder Rück¬ 
stände, bevor Sie nicht meine 
Goldmarkpreise gehört 
haben. 

Paul Coiemann 

_ Fabrik chem.-techn. Produkte 

\ Berlin SW68. Charlotten«!r. 7 § 





























Die Räfsel Afrikas 

■ ■ ■ ■■ -- =^>V/'C =- 1 

Das grofee Geschäft! 


Folgendes Telegramm trifft soeben ein; 



Die neue Produktion in glcüticr Qualität! 


Wilhelm Feind! * Berlin SW4s 

Telephon: LOtzow3662.6603,6753 Fricdrichstrafee 246 Telephon: Lützow3662,6603,6753 

Filiale d: FOsselCori. Graf Adoil SiraDe 35. Tel.: 7663.8188. Frarktml a.M„ 
Kaisentrafee41, Tel.: Barsa 6686. Leiizit (kailskol). Kirlslrale 1. Tel: 23648 

Firma Alberl Bansen, Hamburg, Ernsl-Merck-Sirafte 13-14